Der Himmel Grau in Grau, die Temperaturen nur noch minimal über dem Nullpunkt – das triste Bild, das Berlin in diesen Tagen abgibt, passt so gar nicht zur Lage beim 1. FC Union. Die Aufbruchstimmung, die sich seit einigen Tagen an der Alten Försterei breit macht, hätte jedenfalls ein wenig mehr Sonne verdient. Berlins Fußball-Zweitligist erlebt einen geradezu goldenen Herbst – und boomt wie nie zuvor.
Das zeigt sich in den Zuschauerzahlen. So ist ein ausverkauftes Haus im Spitzenspiel am Samstag gegen Fortuna Düsseldorf (13 Uhr, Alte Försterei) längst kein Wunschdenken mehr. Bislang sind über 16.000 Tickets abgesetzt, allein der Spitzenreiter bringt über 2000 Anhänger mit. Der durchschnittliche Besuch wird sich damit auf über 15.700 Zuschauer erhöhen. Eine Marke, mit der man bei Union nicht gerechnet hat, geplant wurde zu Saisonbeginn mit 15.000 Fans.
Eine andere Zahl ist noch weit beeindruckender. Denn dass die Köpenicker ihr 8000. Mitglied begrüßen dürfen (nach dem Aufstieg 2009 waren es erst knapp über 6000), übertrifft die Erwartungen bei weitem. Sicher hatten Klubchef Dirk Zingler und Co. nach der Ankündigung, Stadion-Aktien ausgeben zu wollen, mit einem Zuwachs gerechnet, schließlich dürfen nur Mitglieder das Wertpapier erwerben. Dass es jedoch in nur wenigen Tagen gleich 500 Neueintritte gegeben hat (normal sind 100 neue Mitglieder im Monat), zeigt, wie hoch die Union-Aktie tatsächlich im Kurs steht. Noch vor wenigen Tagen hatte Zingler gesagt: „Es wird eine anspruchsvolle Aufgabe sein, 10.000 Aktien zu verkaufen.“ Der aktuelle Trend lässt vermuten, dass schon bald tatsächlich alle Wertpapiere an den Mann oder die Frau gebracht werden können.
Positiver Nebeneffekt
Bereits zur außerordentlichen Versammlung am Sonntag hatten die Mitglieder ihren Präsidenten überrascht. „Am meisten hat mich gefreut, dass über 2000 Leute gekommen sind. Sonst kommen die Unioner ja immer nur, wenn wir uns selbst retten müssen“, sagte Zingler. Auch die Sponsorenzahl hat sich seit der Rückkehr in den Profifußball um ein Drittel auf nun über 200 erhöht. „Und wir haben ja auch unseren Teil dazu beigetragen mit den 21 Punkten, die wir bereits geholt haben“ verweist Defensivspieler Christoph Menz auf die sportlichen Erfolge der Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus. Den Profis ist nicht entgangen, „dass die Stimmung hier derzeit sehr gut ist“, so Menz.
Eine Stimmung, die gegen den Klassenprimus aus Düsseldorf das große Pfund sein soll, mit dem Union wuchern will. „Wenn wir an unsere Grenzen gehen, können wir auch Düsseldorf schlagen“, setzt Kapitän Torsten Mattuschka wieder auf den Rückhalt der Union-Fans, so wie schon in den sieben Heimspielen zuvor.
Der positive Nebeneffekt ist mehr Geld in der Kasse. Da sich Union als Tabellensiebter im vorderen Mittelfeld festgesetzt hat, darf der Klub auf Mehreinnahmen aus dem TV-Geldtopf hoffen. Können sich die Neuhaus-Schützlinge bis zum Saisonende in dieser Region halten, winken über 4,3 Millionen Euro. In der vergangenen Spielzeit, in der Union lange Zeit sogar um den Klassenerhalt zittern musste, sprangen lediglich knapp 3,8 Millionen Euro heraus.
Mehr Mitglieder bedeuten auch mehr Mitgliedsbeiträge, mehr Zuschauer mehr Eintrittsgelder. Halten Mitglieder und Zuschauer dem Klub weiter dermaßen die Treue, dürften insgesamt weitere rund 200.000 Euro verbucht werden. Bei diesen Aussichten wird es jedem Unioner egal sein, ob es draußen Grau in Grau ist.





