Die Spur führt in die Türkei. Stimmen die Spekulationen, wird Hans-Hubert Vogts (64) künftig am Bosporus und nicht wie bislang im Kaukasus als Nationaltrainer arbeiten. Details zu seinen Zukunftsperspektiven gibt der gegenwärtig in aserbaidschanischen Diensten stehende frühere „Bundes-Berti“ noch nicht. Erst „in ein paar Tagen“, sagte er, gedenke er sich konkret zu äußern. Bis dahin könne er die Spekulationen „nicht kommentieren, denn ich habe noch Vertrag bis Jahresende“.
So steht aber doch zu vermuten, dass sich am Dienstag im Stadion An der alten Försterei Historisches ereignen wird: Zum voraussichtlich letzten Mal betreut Vogts ab 18.30 Uhr die Nationalmannschaft von Aserbaidschan – im Test gegen Zweitligist 1. FC Union. Die auf den ersten Blick ungewöhnlich anmutende Partie hat Vogts' Assistent Olaf Janssen auf kurzem Dienstweg mit seinem alten Weggefährten, Union-Trainer Uwe Neuhaus vereinbart.
Im Vorfeld des Spiels hatten sich die in der EM-Qualifikation unter anderem an Deutschland gescheiterten Aseris – so nennt man Aserbaidschans Bewohner – einem Leistungstest unterzogen. Trainiert wurde auf dem Gelände an der Dörpfeldstraße in Adlershof, sein Quartier bezogen hat das Team im Hotel Müggelsee. Der Test gegen Union „ist für uns ein ernsthafter Test“, sagte Vogts: „Und so werden wir auch an das Spiel herangehen.“ Die Favoritenrolle ist schwer prognostizierbar. Deutscher Zweitligist trifft den 117. der aktuellen Fifa-Weltrangliste. Immerhin, so glaubt Neuhaus, „werden die nicht so defensiv auftreten können wie in der EM-Qualifikation“. Zehn Tore schossen die Aseris dort in zehn Spielen nur, aber untermauerten mit einem 1:0 gegen die Türkei und einem 1:1 gegen Belgien nichtsdestotrotz die These des Union-Trainers Neuhaus: „Die haben einige gute Kicker. Das wird ein interessantes Spiel für uns.“ Zuletzt besiegte Aserbaidschan am Freitag das im Fifa-Ranking um 46 Plätze besser notierte Albanien (71.) mit 1:0. Obgleich da also keineswegs eine bessere Freizeittruppe zu Gast sein wird, will Neuhaus die Gelegenheit zu diversen personellen Experimenten nutzen. Vor dem schweren Heimspiel am Sonnabend gegen Zweitliga-Tabellenführer Fortuna Düsseldorf (13 Uhr, Sky live und hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ) kommt dem Übungsleiter das gerade recht.
Nicht zum ersten Mal übrigens hat Union eine Nationalmannschaft zum Gegner. Bei bislang fünf „Länderspielen“ der Eisernen wechselten sich Sieg und Niederlage munter ab. Im August 1970 gab es ein 3:0 gegen Kuba, 1985 war die CSSR zu Gast und gewann 2:1. Tansania wurde 1987 2:0 bezwungen, gegen Venezuela 1993 mit 0:1 verloren. Im selben Jahr gelang gegen das Team der USA mit 5:2 der höchste „Länderspiel“-Sieg.
Zeitzeugen erinnern auch ein allerdings eher informelles 0:0 in einem Testspiel gegen die DDR-Auswahl in den 70er-Jahren. Die Berührungspunkte mit dem aserbaidschanischen Fußball hingegen waren bislang eher gering – und unerfreulich obendrein. Im Trainingslager in Belek in der Türkei nahm sich Union im Januar 2007 die Sportskameraden von Idman Klubu Karvan Yevlakh zum Gegner und unterlag mit 1:3.
BM


























