Zweite Liga

Union siegt im Zweitliga-Krimi gegen Braunschweig

Der Auswärtsbann ist gebrochen: Der 1. FC Union Berlin hat nach neun sieglosen Spielen wieder in der Fremde gewonnen. Die Eisernen setzten sich mit 2:1 bei Eintracht Braunschweig durch. Und: Klub-Mitglieder sollen Stadionaktionäre werden.

Die Erleichterung war in jedem Gesicht abzulesen. In dem von Trainer Uwe Neuhaus, in denen der Spieler, in denen aller Verantwortlichen des 1.FC Union. Mit einem 2:1 (1:0) bei Eintracht Braunschweig beendete der Berliner Fußball-Zweitligist seinen Auswärtsfluch, der seit April, seit insgesamt neun Spielen, angedauert hatte. „Ich denke, dass wir alle mit guter Laune nach Hause fahren können“, sagte Neuhaus nach der Partie, die wegen des verspäteten Eintreffens der Union-Fans – ein Sonderzug kam nicht pünktlich an – erst mit 15-minütiger Verspätung angepfiffen wurde.

Patrick Zoundi war es, der am Freitagabend die Unioner vor 22.355 Zuschauern im Stadion an der Hamburger Straße jubeln ließ. Drei Minuten nach seiner Einwechslung zog der Mittelfeldspieler einfach ab, Eintracht-Torwart Daniel Davari kam nur noch mit den Fingerspitzen an den Ball, der einen Augenblick später im Netz zappelte (80.). Chinedu Ede, der für den verletzten Stürmer John Jairo Mosquera in die Startformation gerückt war, hatte Union bereits in der fünften Minute in Führung gebracht. Dennis Kruppke hatte fünf Minuten nach der Pause für den Ausgleich gesorgt.

Buhmann bei den Braunschweigern war Schiedsrichter Bastian Dankert (Rostock). Seine Entscheidungen, die Treffer von Mirko Boland (14.) und Dominick Kumbela (15.) wegen Abseits nicht anzuerkennen, waren jedoch ebenso richtig wie die Einschätzung, nach einem Zweikampf zwischen Markus Karl und Benjamin Kessel im Union-Strafraum nicht auf Strafstoß zu entscheiden (43.). Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht ließ bereits zur Pause seinen Frust beim Unparteiischen aus – und durfte die zweite Halbzeit von der Tribüne aus verfolgen.

Von dort musste er mitansehen, wie sein Team trotz des Ausgleichs das Spielgeschehen mehr und mehr den Unionern überließ. Karl (61.), Christopher Quiring, der den Ball elf Metern nur an die Unterkante der Latte drosch (62.), und Torsten Mattuschka von der Strafraumgrenze (63.) vergaben allerdings in schon traditioneller Union-Auswärtsmanier allerbeste Möglichkeiten.

Klub-Mitglieder sollen Stadionaktionäre werden

Unterdessen nimmt die Realisierung der neuen Haupttribüne im Stadion an der Alten Försterei immer konkretere Formen an. So sollen die Mitglieder des Köpenicker Klubs massiv in die Finanzierung des Neubaus einbezogen werden – in Form von Aktionären. „Wir legen das Schicksal des Vereins in die Hände derjenigen, die sich zu unserer Fußballkultur bekennen“, sagte Union-Präsident Dirk Zingler in der „Berliner Zeitung“. Demnach sollen 58 Prozent der Eigentumsanteile der Stadionbetriebsgesellschaft an Vereinsmitglieder und Sponsoren gehen. Die Gesellschaft, an der der 1. FC Union Berlin e.V. bislang zwei Drittel der Anteile hält, wurde bereits in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Mit den Aktien soll eine Kapitalerhöhung von fünf Millionen Euro erreicht werden, insgesamt werden 10.000 Aktien zu je 500 Euro ausgegeben. Durch die Summe sollen Darlehen, die für den Tribünenbau bereits zugesichert seien, nicht in Anspruch genommen werden, heißt es.

Damit bekommen nun vor allem jene Union-Anhänger, die schon vor drei Jahren bei der Renovierung der Stehplatztraversen mitgeholfen haben, die Möglichkeit, Eigentümer zumindest eines kleinen Teils ihres Erbauten zu werden. Um zu verhindern, dass ein Eigentümer die Mehrheit erwirbt, soll es maximal zehn Aktien pro Person geben. Auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 13. November 2011 sollen die Mitglieder nun erfahren, wie sie Eigentümer ihres „Wohnzimmers“, wie das Stadion bei den Fans gerne genannt wird, werden können. Eine Vermarktung des Stadionnamens soll es allerdings nicht geben – es sei denn, die künftige Hauptversammlung der neuen Stadion AG beschließt dies.

Durch die Stadionaktien können und sollen nun die Mitglieder selbst bestimmen, ob und wie stark sich Union der Kommerzialisierung im Profifußball unterordnen will. Bislang wurde vor allem der Name „Stadion an der Alten Försterei“, den sich Union beim Deutschen Patent- und Markenamt längst hat schützen lassen, als Tafelsilber bezeichnet, das nur im Notfall verkauft werden soll.