Auswärtsspiel. Kaum ein anderes Ereignis bringt Spieler und Verantwortliche des 1. FC Union momentan derart ins Grübeln wie die immer wiederkehrende Fahrt auf des Gegners Platz. Auswärtsspiel. Schon wenige Minuten nach einem überzeugenden Auftritt in der heimischen Alten Försterei rückt es wieder in den Blickpunkt. Im Normalfall alle zwei Spieltage eben. Und dazu die stets gleichen Worte, von wem beim Berliner Fußball-Zweitligisten auch immer geäußert. Exemplarisch soll hier Torsten Mattuschka herhalten. Also sagt der Kapitän auch vor dem Auftritt am heutigen Sonnabend beim MSV Duisburg (13 Uhr, Sky live und hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ): „Zu Hause können wir eine Macht werden. Es wäre nur schön, wenn wir auch auswärts mal so spielen würden.“ So geht es seit Wochen, Saison übergreifend seit Monaten.
Nun ist es nicht so, dass sich die Köpenicker ihrem Schicksal lediglich ergeben und weiter den gern gesehenen Gast spielen, der dem Heimteam zwar ordentlich Gegenwehr bietet, die Punkte jedoch herschenkt. Union will nicht mehr nur in den Heimspielen die Gegner das Fürchten lehren. „Dafür muss man aber die Mentalität, die man zu Hause besitzt, auch auswärts auf den Rasen bringen“, sagte Uwe Neuhaus. Es ist letztlich am Trainer, eben dafür zu sorgen. Nur wie?
Neuhaus spricht von Emotionen, die hoch gehalten werden müssten. Im Training zum Beispiel. Nicht nur in den vergangenen Tagen haben die Spieler dies zu spüren bekommen. Und nicht ohne Grund überlegt Neuhaus sogar die Änderung des gegen Ingolstadt so erfolgreichen Teams. Wer in den Übungseinheiten nicht hundertprozentig mitzieht, findet sich flugs auf der Bank wieder. Denn gerade jetzt, gegen die angeschlagenen Duisburger, „brauchen wir Spieler, die das vorleben und umsetzen“, was Neuhaus verlangt. Es fallen Worte wie „positive Kraft“, „sich nicht beeinflussen lassen“ oder „an sich glauben“. Vor allem die erfahrenen Spieler wie Mattuschka, Patrick Kohlmann oder auch ein Ahmed Madouni sind hier gefordert. Um auch die jüngeren Kicker darauf zu trimmen, „braucht es Zeit. Das geht nicht von der einen auf die andere Woche, aber wir sind auf einem guten Weg“, ist sich Neuhaus sicher.
Auch wenn es auf den ersten Blick ein wenig kurios klingt: Ausgerechnet die beiden vergangenen Auftritte in der Fremde belegen, dass Union tatsächlich die richtigen Mittel gefunden zu haben scheint. Der Blick zurück führt den Unioner zunächst zu jenem Auswärtsspiel, das er am liebsten für immer vergessen möchte: das 0:4 bei Aufsteiger Dynamo Dresden. „Da hatten wir in den ersten 20 Minuten eine gute Anfangsphase“, wird Neuhaus nicht müde zu betonen: „Doch mit dem ersten Gegentreffer bricht unser Spiel zusammen.“ Fast drei Viertel der Partie bettelten die Köpenicker förmlich um jedes Gegentor in der Hoffnung, dass der grausame Auftritt ein schnelles Ende haben würde.
Zwei Wochen später dann der nächste Versuch in München beim TSV 1860. „Auch hier waren wir bis zum Doppelschlag gleichwertig“, resumiert der Coach noch einmal. Doch dann kommt der entscheidende Unterschied zum Debakel in Sachsen. Denn Union fand schnell wieder zu seinem Spiel zurück, das – mit ein wenig Glück – durchaus noch zu einem Punktgewinn hätten führen können.
Nun in Duisburg ist also alles gerüstet für das Ende des Punktelieferanten in der Fremde. „Wir brauchen ein Schlüsselerlebnis wie in der vergangenen Saison das 2:1 bei Hertha BSC“, fordert Neuhaus. Inklusive des Erfolges im Stadtderby brachte es Union auf vier Auswärtsspiele ohne Niederlage und zehn Punkte. Damals war es der Grundstein für den Klassenerhalt. Diesmal könnte es die Basis für den angestrebten neunten Platz am Ende sein.





