Christian Stuff stand noch lange nach dem Abpfiff bei Schiedsrichter Harm Osmers (Hannover), länger als seine Teamkollegen Markus Karl oder Torsten Mattuschka. Der Verteidiger des 1. FC Union redete auf den Unparteiischen ein, so als wollte er Osmers dazu bewegen, seine Entscheidung aus der 82. Minute zurückzunehmen. Jenen Pfiff, der den Gegner MSV Duisburg wieder ins Spiel zurückgebracht und dem Berliner Fußball-Zweitligisten den so sehnlichst erhofften Auswärtssieg gekostet hatte. War doch Karls Aktion gegen MSV-Stürmer Flamur Kastrati alles andere als regelwidrig. Doch es half nichts, der Elfmeter, den Emil Jula eiskalt verwandelte, besiegelte das 1:1 (1:0), mit dem Union am Ende sogar noch gut bedient war.
Wie so oft nach einem Unentschieden stellte sich auch diesmal die Frage: Ist das Glas für Union nun halbvoll oder doch halbleer? Betrachtet man nur die erste Halbzeit, ist durchaus Frust ob des verpassten Sieges angebracht. „Da hatten wir viele Räume und hätten das Spiel schon für uns entscheiden müssen“, sagte Uwe Neuhaus. Sein ernster Blick verriet, wie verärgert der Trainer darüber wirklich gewesen ist. Da jedoch die Partie vor 11347 Zuschauern auch diesmal 90 Minuten dauerte, sollten die Berliner froh sein, nicht die dritte Auswärtsschlappe in Folge kassiert zu haben. Denn beim Treffer von Jula in der 89. Minute auf Abseits zu entscheiden, war ebenso eine Fehlentscheidung wie der Elfmeterpfiff Minuten zuvor.
Ja, es war mehr drin für die Unioner. Denn die Marschroute, die Neuhaus den Seinen mit auf den Weg gegeben hatte, ging zunächst auf. Mit breiter Brust waren sie angetreten, zudem mit der nahezu gleichen Besetzung, die vor einer Woche Ingolstadt mit 4:1 in Grund und Boden gespielt hatte. Lediglich Christopher Quiring musste wegen einer Gürtelrose passen, für ihn rückte Patrick Zoundi in die Startelf. Und endlich ging Union auch auf des Gegners Platz wieder einmal in Führung. Es war eine herrliche Direktkombination über Zoundi, Mattuschka und John Jairo Mosquera, die der Kolumbianer nach nur fünf Minuten überlegt abschloss.
Von Duisburg, erstmals mit dem erst am Freitag verpflichteten Ungarn Janos Lazok, ging vor der Pause jedoch auch wenig Gefahr aus. Der Pfostenschuss von Jürgen Gjasula war noch die größte Chance des MSV (24.). Union kontrollierte die Partie, der unbedingte Zug zum Tor fehlte aber. Vielleicht auch deshalb, weil Silvio bereits nach 25 Minuten angeschlagen vom Feld musste. Der Brasilianer schleppte sich nach einem rüden Einsteigen von Bruno Soares in der 15 .Minute nur noch humpelnd über den Rasen. Erste Diagnose: Sprunggelenksverletzung links.
Für Silvio kam Simon Terodde. Und der Ex-Duisburger agierte unglücklicher denn je. Tiefpunkt war sein Fehlschuss nach gut einer Stunde. Völlig frei stehend brachte er, von Zoundi schön freigespielt, den Ball nicht im Tor unter – aus vier Metern. Vielleicht wollte sich der 21-jährige Union-Angreifer auch nur revanchieren für den Fehlschuss, den der Duisburger Kastrati Sekunden zuvor in ähnlicher Situation vollbracht hatte. Torwart Jan Glinker war hier zur Stelle.
Es war schon erstaunlich, wie die Profis vom 1. FC Union die Partie mit zunehmender Spieldauer dann aber mehr und mehr aus der Hand gaben. Der Kopfball von Bruno Soares, der kurz nach Wiederbeginn nur hauchdünn am Tor vorbeigeflogen war, hatte offenbar doch Eindruck hinterlassen. Mattuschka prüfte mit einem 25-Meter-Freistoß noch einmal die Standfestigkeit des Pfostens des Duisburger Tores (86.), das war es dann jedoch auch mit Unions Offensivherrlichkeit. So blieb die Diskussion über jene Szene in der 82. Minute. „Kastrati lag schon am Boden, als ich hingekommen bin“, ärgerte sich „Verursacher“ Karl über den Elfmeterpfiff. Rückgängig machen konnte aber auch er ihn nicht mehr.
BMO





