Mit hängenden Schultern schlich Christoph Menz durch die Katakomben der Münchner Arena und war wütend auf sich selbst. „Das war ein katastrophaler Patzer von mir. Damit habe ich uns das Spiel gekostet“, sagte der Verteidiger des 1. FC Union. Seine Mannschaft hatte gerade vor 22.500 Zuschauern 1:3 (1:1) bei 1860 München verloren und Menz das 1:2 verschuldet. Nach dem Sieg gegen den VfL Bochum ist die Niederlage ein bitterer Rückschlag für den Berliner Zweitligaklub. „Bis zu meinem Fehler haben wir gut gestanden. Jetzt brauchen wir erst mal Zeit, um das zu verarbeiten“ so Menz.
Doch die Schuld allein bei ihm zu suchen wäre zu einfach. Auch Trainer Uwe Neuhaus erwischte am Sonntag nicht seinen besten Tag. Er verzichtete überraschend auf Torsten Mattuschka, obwohl der Kapitän fit gewesen ist. Mattuschka musste auf sein 200. Pflichtspiel für Union bis zur Einwechslung in der 70. Minute warten. Neuhaus hatte sich für eine „Doppel-Sechs“, also zwei defensive Mittelfeldspieler, entschieden und setzte auf Markus Karl und den angeschlagenen Michael Parensen. „Ich hatte die Wahl zwischen Silvio und Mattuschka und habe mich für Silvio entschieden, weil ich mir mehr Offensivkraft von ihm versprochen hatte. Nach vorn ist diese Rechnung nicht aufgegangen“, sagte Neuhaus selbstkritisch.
Seine Taktik funktionierte nur zu Beginn. Union ging in der Defensive hart in die Zweikämpfe und unterbrach den Spielfluss der Gastgeber, in der Offensive spielten die Berliner mutig, erarbeiteten sich aber wenig klare Chancen. Die beste hatte Christian Stuff. Der Verteidiger wollte eine Hereingabe von Parensen mit dem Rücken zum Tor per Innenseite ins Netz schießen, doch der Ball ging knapp vorbei (5.).
Jetzt passte auch 1860 schnell in die Spitze – und war dabei sehr gefährlich. Der ehemalige Nationalstürmer Benjamin Lauth lief allein auf Union-Torwart Jan Glinker zu, schoss aber neben das Tor (13.). Eine Minute später probierte er es per Kopf, Glinker parierte. Doch dann war der Torhüter machtlos: Stefan Aigner flankte auf Kevin Volland, der volley zum 0:1 traf (22.). Unions Abwehrspieler standen viel zu passiv daneben. Wieder einmal zeigte sich: Die Viererkette ist die Schwachstelle der Mannschaft. Die Fans fühlten sich an die vergangenen Wochen erinnert, als in den Auswärtsspielen wenig ging. In Frankfurt (1:1), beim DFB-Pokalspiel in Essen (5:6 n.E.) und Dresden (0:4) war Union weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. „In Dresden sind alle Dämme gebrochen. Das darf so nie wieder passieren“, hatte Neuhaus gesagt.
Tatsächlich ließ sich Union gestern durch das frühe Gegentor nicht aus dem Konzept bringen. Im ersten Angriff nach Wiederanpfiff traf John Mosquera per Kopf zum 1:1 (24.), Markus Karl hatte in den Strafraum geflankt. Die Gäste waren fortan stabil, die Partie ausgeglichen. Bis zur 53. Minute. Bis zu jenen 53 Sekunden, in denen Union in München alles verspielte. Nach einem Abschlag von 1860-Torwart Gabor Kiraly verschätzte sich Menz, Lauth kam an den Ball und legte perfekt für Volland vor, der locker einschob.
Geschockt von dem erneuten Rückstand verlor Union nach dem Anstoß direkt wieder den Ball, der starke Volland flankte auf Aigner, und der köpfte zur Entscheidung ein (54.). „Das darf einfach nicht passieren. Diese individuellen Fehler brechen uns das Genick. Wir sind zu dumm, um uns zu belohnen“, sagte Parensen. Dominik Stahl hätte per Kopf sogar noch erhöhen können, doch Glinker verhinderte mit einer Parade einen Kantersieg der Bayern (79.)
Neuhaus muss nach der erneuten Auswärtsniederlage mit Kritik rechnen, das Experiment „Mal-ohne-Mattuschka“ wird er im nächsten Heimspiel gegen den FC Ingolstadt (11. September, 13.30 Uhr, Alte Försterei) wohl kaum wiederholen.




