2.Bundesliga

Unions Mattuschka will nicht Bankdrücker sein

Für Unions-Kapitän war es eine frustrierende Premiere. Mattuschka drückte im Spiel gegen München bis zur 70. Minute die Bank, weil sich Trainer Neuhaus für den defensiveren Spieler Silvio entschieden hatte - ohne vorherige Absprache.

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Sein Blick ging diesmal zu Boden, als er die Treppe zu den Kabinen-Containern an der Alten Försterei hoch ging. So wie es Torsten Mattuschka nach dem Auslaufen nach einem Spiel immer zu tun pflegt. Nur wenig später trabte der Kapitän des 1. FC Union selbige Treppe wieder herunter, bog ab in Richtung Stadion – und durfte sich mit den Reservisten des Berliner Fußball-Zweitligisten die Stufen im Stadion rauf und runter mühen. Treppenläufe statt sofortigem Duschen und Entschwindens in den freien Tag, so etwas hatte Mattuschka in seiner Amtszeit als Kapitän des 1. FC Union noch nicht erlebt. Ebenso wenig wie seine Verbannung auf die Bank, wenn er körperlich fit und spielerisch in Form gewesen ist, so wie am Sonntag beim 1:3 bei 1860 München.

Sicher gibt es für alles ein erstes Mal, doch diese ungewollte Premiere hat Mattuschka, der in seinem 200. Pflichtspiel für Union erst nach 70 Minuten eingewechselt wurde, sichtlich frustriert zurückgelassen. Das dokumentierte sein zorniger Gesichtsausdruck, als er nach der Treppeneinheit frisch geduscht zu seinem Auto ging. Und nach einem kräftigen Schluck aus der Wasserflasche seinen Gefühlszustand in nicht einmal 30 Sekunden offen legte. „Für mich war es überraschend, weil der Trainer nicht mit mir darüber gesprochen hat. Er hat sich dafür entschieden, die offensive Variante mit Silvio zu wählen. Ich muss es akzeptieren. Ich verstehe es nicht, und mehr will ich dazu auch nicht sagen, schon um mich selbst zu schützen“, sagte der 30-Jährige. Noch ein paar Schritte bis zu seinem Wagen, dann brauste er vom Gelände.

Kein Gespräch vorher

Dass die Mannschaft den heutigen Dienstag frei bekommen hat, erst morgen wieder zweimal trainiert und am Sonnabend wegen der Länderspielpause gegen den tschechischen Erstligisten Viktoria Zizkov nur testet, dürfte im Sinne aller Beteiligten sein. Gesprächsbedarf zwischen dem Übungsleiter und seinem verlängerten Arm auf dem Platz ist jedenfalls vorhanden. Es sind zwei Fragen, die es zu klären gilt: Warum ist der Trainer nicht in der Lage gewesen, seinem Kapitän vorher zu erklären, warum er sich aus taktischen Gründen gegen ihn entschieden hat? Und muss nicht gerade ein Kapitän die Entscheidung seines Trainers – wenn er sie zum Wohl der Mannschaft zu treffen erhofft, wovon auszugehen ist – akzeptieren, ohne sich persönlich angegriffen zu fühlen? Das Verhältnis zwischen Neuhaus und Mattuschka hat in jedem Fall erste Risse bekommen.

„Ich wollte auf eine Doppel-Sechs umstellen, weil 1860 offensiv sehr stark ist“, erklärte Neuhaus gestern. Deshalb entschied er sich für Michael Parensen neben Markus Karl, weil „Mattuschka defensiv nicht so gut arbeitet wie die, die gespielt haben“. Neuhaus weiter: „Dann hatte ich die Wahl zwischen Mattuschka und Silvio.“ Er entschied sich für den Brasilianer, denn: „Er ist jemand, der eher hängende Spitze spielt. Das ist das Spiel, das er auch bevorzugt. Er geht schon deutlich mehr in den Strafraum rein, was Mattuschka in dieser Häufigkeit nicht so macht.“

Nicht stark genug für die Defensive, zu wenig Tordrang in der Offensive – ist für Mattuschka, nach Karim Benyaminas Abgang zum FSV Frankfurt und Jan Glinkers nomineller Zurückstufung zur Nummer zwei das letzte Union-Urgestein in der Startelf, plötzlich kein Platz mehr? Neuhaus gibt Entwarnung: „Er ist doch jetzt nicht für alle Zeiten verdammt oder als Kapitän abgelöst. Natürlich hat er als Kapitän immer gute Chancen, wieder rein zu kommen, dass ist doch überhaupt kein Thema. Wir haben ja auch schon 4-1-4-1 mit ihm und Silvio gespielt.“ Zuletzt beim 2:1-Heimsieg gegen den VfL Bochum.

In München gut mitgehalten

Was dem Trainer in die Karten spielt, ist die Tatsache, dass sich Union in München gar nicht so schlecht präsentiert hat. Bis zum Doppel-Patzer von Christoph Menz und Markus Karl, der zu den beiden entscheidenden Gegentreffern geführt hat, konnten die Berliner gegen den besten Angriff der Liga die Partie offen halten. Die erhofften Offensivaktionen blieben dennoch aus. So lobte Neuhaus zwar Silvios Defensivarbeit, „aber offensiv war es nicht genug. Wir müssen ihn als Mannschaft besser in Position bringen.“

Damit ist klar: Mattuschkas Banklehre muss noch nicht zu Ende sein. Natürlich sei es ein Unterschied, ob man nun den Kapitän oder einen „normalen“ Spieler aus der Anfangsformation streicht. „Das ist keine einfache Entscheidung“, sagte Neuhaus. Aber: „Man muss die Dinge durchziehen, von denen man überzeugt ist, dass sie im Spiel gut aufgehen.“