1. FC Union

Mosquera ist nur noch der Ersatz vom Ersatz

John Jairo Mosquera hat seinen Vertrag beim 1. FC Union Berlin gerade erst bis 2014 verlängert. Benötigt wird der Stürmer derzeit aber kaum.

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Unions Trainer Uwe Neuhaus lächelt, wenn er an die 80. Minute des ersten Spieltags denkt. Fast so, als hätte Karim Benyamina den Ball nicht für den FSV Frankfurt zum 1:1-Endstand ins Tor geschossen, sondern für die Eisernen. Unions Rekordtorschütze (87 Tore in 213 Pflichtspielen) hatte beim ersten Spiel für seinen neuen Klub der alten Liebe zwei Punkte geklaut.

„Eine besondere Maßnahme“ nennt Neuhaus es, wenn Spieler gegen ihren ehemaligen Klub aufgeboten werden: „In Frankfurt haben wir gesehen, dass Spieler, die beim anderen Verein waren, dann häufig zuschlagen“, sagt er mit Blick auf das Spiel in Dresden am heutigen Freitagabend (18 Uhr, live bei Sky, hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ). Es war der Wink mit dem Zaunpfahl, dass die Chancen für den früheren Dresdner Halil Savran nicht schlecht stehen, in seiner alten Heimat von Beginn an zu stürmen, um Silvio zu ersetzen. Der Brasilianer, der beim Training am Dienstag zweimal umgeknickt ist, fährt zwar mit nach Dresden, ob er spielt, ist jedoch unklar.

Doch egal, ob nun Silvio oder Savran auflaufen, einer wäre wieder außen vor: John Jairo Mosquera. Der Kolumbianer hat in dieser Saison erst 35 Minuten gespielt. In allen Partien zusammen. Zuletzt beim 3:0-Erfolg über den SC Paderborn kam der 23-Jährige gar nicht erst zum Einsatz. „Jeder Spieler, der so wenig spielt, ist enttäuscht“, sagt Mosqueras Berater Helmuth Wennin über die derzeitige Situation seines Schützlings, und fügt an: „Ich erwarte, dass er seinen Stammplatz zurückerobert.“

Doch für Neuhaus sind Mosquera und Savran nur Alternativen. Er ist natürlich froh darüber, sie auf der Bank zu wissen. Mehr aber auch nicht. „Wir haben Silvio und Simon Terrode verpflichtet, die haben in den ersten Wochen gute Leistungen gezeigt, sie haben zuletzt mit der Mannschaft 3:0 gewonnen“, sagt Neuhaus. Änderungen nicht vorgesehen, es sei denn einer von beiden fällt aus. Dann ist Neuhaus zuversichtlich, „dass wir das einigermaßen ersetzen können“.

Mosquera ist also nur noch ein Ersatz, der – wenn nötig – das Fehlen anderer kompensieren soll. Oder vielleicht, wie in Dresden, nicht einmal mehr das. Dabei hatte Union erst Ende März den Stürmer aus seinem Leihvertrag ausgelöst. Werder Bremen bekam 150.000 Euro, Mosquera einen Vertrag bis 2014. Seit Sommer 2009 spielt er für Union, in seiner ersten Saison traf er in 30 Spielen sieben Mal. Im zweiten Jahr kam er einmal mehr zum Einsatz und traf auch einmal öfter. Insgesamt: 15 Tore in 61 Spielen. Es gibt treffsicherere Stürmer. Auch deshalb hat Neuhaus immer wieder die mangelnde Chancenverwertung als „größtes Manko“ bezeichnet.

Zwei Dresdner gesperrt

Dieses Manko haben auch die Dresdner erkannt, allerdings in der eigenen Mannschaft. Kurz vor dem Saisonstart hatte Trainer Ralf Loose noch fünf neue Spieler gefordert. Aufgrund des frühen Zweitligabeginns ging Loose mit nur einem Strafraumstürmer in die Spielzeit: Pavel Fort. Doch der Tscheche kann gegen Union nicht mitwirken, genau wie Mittelfeldspieler Christian Fiel wurde er für zwei Spiele gesperrt. Auch Filip Trojan fehlt Dynamo. Er ist verletzt.

Deswegen hat Dresden in dieser Woche nachgekauft. Nachdem Anfang August schon der senegalesische Verteidiger Cheikh Gueye aus Metz kam, verpflichteten die Sachsen nun den brasilianischen Stürmer Cidimar und den griechischen Mittelfeldspieler Giannis Papadopoulos. „Cidimar hat seine Zweitligatauglichkeit schon unter Beweis gestellt“, sagt Neuhaus über den gegnerischen Stürmer, der in zweieinhalb Jahren bei Greuther Fürth und zwei Jahren beim FSV Frankfurt in 96 Spielen 25 Tore schoss. Papadopoulos, der von Olympiakos Piräus kam, ist für Unions Coach ein unbeschriebenes Blatt.

Dresden ist nach den bisherigen drei Ligapartien und dem „unfassbaren“ (Neuhaus) 4:3 im Pokal über Bayer Leverkusen schwierig einzuschätzen. In der zweiten Liga rangiert Dynamo auf Platz 16, mit nur einem Punkt und zwei Toren. Loose forderte deshalb noch weitere Verstärkungen für den Sturm. Doch die knapp abgewendeten Insolvenz nach dem Aufstieg, der Verlust von 13 Spielern und ein Etat von nur gut vier Millionen Euro machen die Spielersuche kompliziert. Es könnte Unions großer Vorteil sein, dass die Dresdner Mannschaft derzeit noch gefunden und geformt werden muss. Doch Neuhaus schaut lieber auf das eigene Team, das in Dresden mit dem gleichen Selbstverständnis zu Werke gehen soll wie gegen Paderborn. „Es wird in Dresden eine tolle Kulisse, eine heiße Atmosphäre werden. Da muss man einen kühlen Kopf bewahren und von sich selbst überzeugt sein.“

Diese Überzeugung wird Neuhaus auch Mosquera einimpfen müssen, sollte der Stürmer in Dresden wieder nicht spielen.