1. FC Union

Das war Neuhaus' schlimmste Niederlage

Schon wieder 0:4! Union ist bei Aufsteiger Dresden komplett untergegangen. Für Union war es die zweite herbe Schlappe der Saison nach dem 0:4 gegen Greuther Fürth. "Es ist ein Skandal, was wir abgeliefert haben", sagt Torhüter Glinker.

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Manchmal kann es einem als neutralem Zuschauer ein bisschen bange werden um den Geisteszustand der Fans des 1. FC Union. Ist ja schon toll, dass sie ihre Mannschaft auch nach Niederlagen feiern, aber als Außenstehender fremdelt man mit so einem Verhalten gern. Weil man ja selbst weiß, wie es sich anfühlt, wenn der angebetete Klub verliert. Nicht gut geht es einem dann. Bei Union aber haben sie schon immer auch aus dem Verlieren ein Fest gemacht. Doch irgendwann ist einfach gut mit feiern.

Das ahnten auch die Spieler der Köpenicker, so zaghaft wie sie trotteten, wussten sie, es würde ein bitterer Gang in die Kurve werden. 90 Minuten lang hatten sie alles dafür getan, ihre Fans gegen sich aufzubringen, 0:4 (0:1) verloren die Berliner in der Zweiten Fußball-Bundesliga vor 29315 Zuschauern bei Dynamo Dresden. Es hatte ein schöner Abend werden sollen, allein schon deshalb, weil 3000 Union-Anhänger mitgereist waren. Es wurde ein Debakel. Eines, das die Fans diesmal nicht verziehen. Lautstark stellten sie sich gegen die Mannschaft, noch massiver forderten sie: „Neuhaus raus!“

Mit der Geduld es ist im Umfeld des Wohlfühl-Vereins offenbar nicht mehr weit her. „Taub bin ich nicht“, sagte Trainer Uwe Neuhaus, gefragt, ob er die Rufe mitbekommen habe. Er könne das auch verstehen. Im vierten Saisonspiel unterlag Union nun bereits zum zweiten Mal mit 0:4. Da wird es langsam schwer, geeignete Rechtfertigungen zu ersinnen. Nach der Partie in Dresden versuchten das einige auch gar nicht erst: „Eigentlich ist es ein Skandal, was wir hier abgeliefert haben“, sagte etwa Torhüter Jan Glinker.

Er war die einzige Umbesetzung in der Mannschaft im Vergleich zu Vorwoche. Und das ist so ein Punkt, der den Abend von Dresden zu einem macht, über den Neuhaus und seine Spieler wohl noch länger nachdenken werden. Sieben Tage zuvor nämlich gewann Union gegen Paderborn 3:0, feierte den ersten Saisonsieg. Auf dem Weg der Besserung wähnten sich die Berliner, vergessen war der schwache Start inklusive Pokalaus. Versprochen hatten sie, dass sie dort weitermachen. Sich selbst, aber auch ihren Fans. Und dann das. „Innerhalb einer Woche sind wir von 100 Prozent in den Minusbereich gekommen“, konstatierte Neuhaus.

Nur zwanzig normale Minuten

Alles noch schwerer erträglich macht, dass Dresden ein bis dahin siegloser Aufsteiger war, der noch dazu den Ausfall von drei Stammspielern zu verkraften hatte. Gegen diese Mannschaft aber hatte Union höchstens in den ersten 20 Minuten das Spiel im Griff. Doch schon mit dem ersten Dresdner Treffer durch Martin Stoll nach einem Freistoß (21.) bröckelte bei Union alles. War das Team vor einer Woche noch bissig, laufstark und sogar spielfreudig, so fehlte all das nun. „Nichts von dem, was wir uns vorgenommen haben, konnte wir umsetzen“, sagte Kapitän Torsten Mattuschka. Dresden erinnerte sehr stark an die Berliner Mannschaft der Vorwoche.

Da hatten die Köpenicker auch nicht genug bekommen können, ließen ihren Gegner mit jeder Minute schlechter aussehen. Nun waren sie es selbst, die sich immer weiter von dem entfernten, was weitläufig als gute Form bekannt ist. Haarsträubende individuelle Fehler passierten, ein mannschaftliches Spiel gab es nicht mehr, kein Plan, kein Durchsetzungsvermögen. Als hätte ihnen jemand etwas ins Essen getan, das Kopf und Beine lahm werden lässt. „In meinen vier Jahren bei Union war das die bitterste, schlimmste und am wenigsten zu erklärende Niederlage“, sagte Neuhaus. Demütigend leicht kam Dynamo zu Toren, erzielt durch den überragenden Marvin Knoll (50.), der an allen Treffern beteiligt war, Sascha Pfeffer (61.) und Robert Koch (66.). „Am Ende können wir froh sein, dass es bei vier geblieben ist“, befand Unions Mittelfeldspieler Michael Parensen. Das haben sicher auch die wütenden Fans gedacht.