Ex-Manager

Trennung von Beeck könnte für Union teuer werden

Der Streit um die Kündigung von Christian Beeck droht für Union Berlin zur Schlammschlacht zu werden. Mit Hilfe seiner Anwälte will der Ex-Manager von den Köpenickern mehr als 250.000 Euro erklagen.

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Der 1. FC Union Berlin und dessen ehemaliger Manager Christian Beeck streiten weiter um die Kündigung und eine Abfindung. Bei einer Güteverhandlung am Montag vor dem Arbeitsgericht gab es keine Einigung.

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Der Termin dauerte knapp 30 Minuten. Doch schnell wurde klar, dass es am Montagvormittag in Saal 213 des Arbeitsgerichts Berlin beim Gütetermin zu keiner Einigung kommen würde. Der Streit zwischen dem 1. FC Union und Christian Beeck um die Rechtmäßigkeit der Kündigung des früheren Teammanagers am 17. Mai 2011 geht weiter. Im Grunde genommen geht es aber nur noch um eines: um Geld.

Die Frage ist, wie tief der Berliner Fußball-Zweitligist in die Tasche greifen muss, um die Trennung von Beeck zu vollenden. Ziemlich tief angesichts der Tatsache, dass Union trotz seines dritten Zweitliga-Jahres immer noch jeden Euro genau umdrehen muss, bevor er ausgegeben wird. Bei Beecks Monatsgehalt, das bei 15.000 Euro liegen soll, werden für das Geschäftsjahr 2011/12 in jedem Fall 180.000 Euro fällig. Und nachdem Richterin Renate Pickel gestern Beecks Vertrag mit Union, der bis 30. Juni 2012 datiert ist, als unbefristet einstufte (die Richterin bezog sich dabei auf ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 12. Oktober 1979), steht auch fest, dass es zudem eine Abfindung geben wird. Über die Höhe wird nun gestritten. Der Kammertermin für die Hauptverhandlung wurde für den 17. November 2011 festgesetzt. Die Verhandlung können sich beide Seiten ersparen, wenn es vorher noch zu einer gütlichen Einigung kommt.

Klar ist, dass Beeck von 2008 bis 2012 in einem vertraglich geregelten Arbeitsverhältnis stand. Nach dem geltenden Abfindungssatz von einem halben Monatsgehalt pro Dienstjahr stünden Beeck also weitere 30.000 Euro zu. Nun kommen die Anwälte ins Spiel. „Christian Beeck ist bereits seit 2005 für Union tätig gewesen“, sagte Beeck-Anwalt Dirk Greiser. Drei Jahre, die die Kläger-Seite natürlich gern per Abfindung vergütet haben möchte. Unions Anwalt Michael Müller hält dem entgegen: „Vor 2008 gab es nur Honorar- und Beraterverträge. Das sind keine Verträge im Sinne eines Anstellungsverhältnisses.“ Und noch etwas kann zum Tragen kommen: die Verlängerungsklausel in Beecks Vertrag. Diese kann, da der bestehende Vertrag drei Jahre läuft, vom Gericht mit weiteren drei Jahren gewichtet werden. Soll heißen: Der für eine Abfindung geltende Zeitraum könnte sich schnell von vier auf zehn Jahre verlängern, die Abfindung von 30.000 auf 75.000 Euro und damit die Summe, die Union an Beeck überweisen müsste, auf 255.000 Euro wachsen – ohne noch zu zahlende Erfolgsprämien, versteht sich. Das vom Klub bislang gemachte Angebot soll aber noch weit unter dem Beeck zustehenden Grundgehalt bis 2012 gelegen haben, er heißt, beide Partien sollen in ihren Vorstellungen um 100.000 Euro auseinander gelegen haben.

Zudem ist zu klären, ob die Kündigung auch tatsächlich betriebsbedingt gewesen ist, wie Union-Anwalt Müller gestern betonte. Die Stelle, die Beeck bislang bekleidet habe, gebe es nicht mehr. „Es gibt keine sportliche Doppelspitze mehr“, erklärte Müller. Stattdessen würden „alle kaufmännischen Aufgaben, die früher vom Präsidium oder dem Hauptgeschäftsführer (Oskar Kosche, d. Red.) wahrgenommen wurden“, nun vom neuen kaufmännisch-organisatorischen Leiter Nico Schäfer vorbereitet, „der der sportlichen Leitung unter Herrn Neuhaus unterstellt“ ist, erklärte Müller.

Auch hier ist die Gegenseite anderer Auffassung. „Es wird sich zeigen, dass Herr Beeck nicht nur Spiele nachbereitet hat, sondern auch Verträge vorbereitet“, konterte Greiser: „Dies ist ureigenster kaufmännischer Bereich. Es wurde die Entscheidung getroffen, die Stelle personell anders zu besetzen. Zu sagen, es sei jetzt ein anderer Bereich, der bearbeitet wird, ist nicht haltbar.“ Zudem sei sein Mandant durch Ausbildung und Studium für diesen Bereich qualifiziert, so Greiser weiter. Diese Qualifikation hatte Union Beeck abgesprochen.

Nicht uninteressant sind die Nebenkriegsschauplätze, die sich nun auftun. So stand Beeck im Rahmen der Berichterstattung des Pay-TV-Senders Sky als Experte für das Ost-Derby zwischen Cottbus und Dresden am ersten Zweitliga-Spieltag vor der Kamera – und bekam von Union prompt eine Abmahnung. „Eine Nebentätigkeit bedarf der Zustimmung des Arbeitsgebers“, argumentierte Müller. Die Gegenseite hatte Union aufgefordert, von Abmahnungen abzusehen, „damit Herr Beeck sich im Geschäft halten kann“, sagte Greiser. Auf die Absage Unions wollen Beeck/Greiser nun mit einer Einstweiligen Verfügung antworten.