Zweite Liga

So muss Union abseits des Rasens kämpfen

Für Union Berlin hat die Saison schon jetzt eine unangenehme Richtung eingeschlagen: Stasi-Vorwürfe gegen Präsident Zingler, eine Klage von Ex-Manager Beeck und ein Strafbefehl gegen Keeper Höttecke belasten den Verein.

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Es war alles gerüstet für eine erfolgreiche Saison. Die Vorbereitung verlief gut, die Zugänge versprachen mehr fußballerische Qualität, auch der Start verlief mit dem 1:1 beim FSV Frankfurt – zumindest vom Ergebnis her – zufriedenstellend. Und doch kommt es für den 1. FC Union dieser Tage knüppeldick, nicht auf dem Rasen, sondern abseits des Platzes.

Erst das Bekanntwerden der Armeezeit von Klubchef Dirk Zingler im Stasi-Wachregiment „Felix Dzierzynski“, nun der Strafbefehl gegen Marcel Höttecke: Der Torwart soll wegen Beleidigung von Polizisten 40 Tagessätze zu je 400 Euro, sprich 16.000 Euro, plus 150 Euro Bußgeld wegen Belästigung der Allgemeinheit zahlen – Höttecke soll beim Urinieren gegen eine Hauswand in der Joachimstaler Straße in Charlottenburg erwischt worden sein und daraufhin Polizeibeamte beschimpft haben. Schlimme Worte wie „Scheiß Bullen“ und „Ihr Wichser“ machen die Runde.

Als ob das noch nicht genug wäre, wird nun auch die Trennung von Christian Beeck ein juristisches Nachspiel haben. Der ehemalige Teammanager, der Mitte Mai geschasst worden war, klagt gegen seine Kündigung, weil es laut Beeck keinen Grund für seinen Rauswurf gegeben habe. Die Verhandlung vor dem Amtsgericht Berlin findet am Montag um 10 Uhr statt.

Genau das hatten sie an der Alten Försterei unbedingt verhindern wollen auf ihrem Weg, den Verein weiter im Profifußball zu etablieren: Negativschlagzeilen. Klar, dass gestern vor allem der Fehltritt Hötteckes ein Thema am Rande der Übungseinheit am Nachmittag gewesen ist. „Ich habe der Mannschaft vor dem Training etwas dazu gesagt“, erzählte Trainer Uwe Neuhaus: „Ich gehe davon aus, dass so etwas nicht mehr passieren wird.“ Der Coach wirkte allerdings recht entspannt trotz der Tatsache, dass sich Hötteckes Fauxpas – der mehr ist als nur ein Kavaliersdelikt, jedoch auch weit weniger als ein Schwerverbrechen – negativ auf das Image der Köpenicker Kicker auswirken wird.

Dennoch machte Neuhaus seinen Spielern unmissverständlich deutlich: „Es ist nicht im Sinne des Vereins, der Mannschaft und des Trainers, so auf die Titelseite zu kommen. Da wünsche ich mir andere Themen.“ Sanktionen – bis auf eine Geldstrafe, die es sicherlich gegeben haben wird – muss Höttecke jedoch nicht mehr fürchten. Wohl auch deshalb, weil der 24-Jährige den Trainer recht bald über sein Fehlverhalten informiert haben soll. „Ich wusste es natürlich schon vorher von ihm selbst“, sagte Neuhaus. Höttecke, von Neuhaus zur Nummer eins bestimmt, wird auch am Sonnabend im ersten Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth (15.30 Uhr, Alte Försterei, live im Morgenpost-Ticker) zwischen den Pfosten stehen.

Inwiefern die Armeevergangenheit Dirk Zinglers den Verein weiter belasten wird, ist noch nicht abzusehen. Die Fraktion derjenigen, die in der dreijährigen Dienstzeit keine Stasi-Vergangenheit in der üblichen negativen Auslegung dieses Begriffes sehen, wächst jedoch stetig. Unter dem Motto „Pro Dirk Zingler – Pro Union“ finden sich im Union-Fanforum im Internet all diejenigen wieder, die keinen Grund sehen, den 46-Jährigen als Präsidenten des Vereins in Frage zu stellen. Tenor: Man solle das in den Vordergrund stellen, was Zingler für den 1. FC Union geleistet habe.

Die Sorge, dass bei einem Rücktritt oder einer Abwahl Zinglers das zusammenbrechen könnte, was in seiner Ära aufgebaut wurde, dürfte dabei eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben. Die wirtschaftliche Konsolidierung, der Bau des neuen Stadions durch die Fans, die Rückkehr in die Zweite Liga – all das ist sicher untrennbar mit dem Namen Dirk Zingler verbunden. Doch Geldgeber jeglicher Art – auch solche, von denen sich Union die Finanzierung des Baus der neuen Haupttribüne erhofft – werden wohl genau hinschauen, wie sich der Klubchef, der derzeit im Urlaub in Portugal weilt, weiter zu diesem Thema verhalten wird. Vereinsaustritte als Folge der Veröffentlichung von Zinglers Dienst im Wachregiment des Ministeriums für Staatssicherheit hat es laut Vereinsangaben allerdings noch nicht gegeben.