Testspiel

Unioner greifen Schotten mit Silvio de Oliveira an

Nach der kurzfristigen Neuverpflichtung des brasilianischen Stürmers Silvio rüstet sich der 1. FC Union für sein letztes Testspiel. Gegen Heart of Midlothian aus Schottland können sich die Fans am heutigen Sonnabend ein Bild vom dem Spieler machen.

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Das Ganze war ein Wettlauf mit der Zeit. Wenn man so will, hofften die Verantwortlichen beim 1. FC Union fast stündlich darauf, dass die Spielgenehmigung für den erst am vergangenen Mittwoch verpflichteten Silvio Carlos de Oliveira endlich eintrifft beim Berliner Fußball-Zweitligisten. Seit Freitag ist diese Formalie geklärt, die Fans des Köpenicker Klubs können sich folglich schon am heutigen Sonnabend im Spiel gegen Heart of Midlothian (15 Uhr, Alte Försterei) ein erstes Bild von Unions neuem Brasilianer machen.

Die Partie gegen den Klub aus der schottischen Premier League ist der sechste und letzte Test im Rahmen der Vorbereitung für die am nächsten Freitag beginnende Spielzeit 2011/12. Und zugleich die letzte Möglichkeit für die Stammelf, unter Wettkampfbedingungen das Zusammenspiel auf jede nur mögliche Art und Weise zu optimieren. Trainer Uwe Neuhaus ist sich jedenfalls sicher, dass der Klub aus Edinburgh „ein richtiger Härtetest“ für seine Mannschaft ist: „Ich glaube schon, dass dieses Spiel eine Aussagekraft hat.“ Immerhin geht es gegen den Dritten der vergangenen Saison in Schottland und diesjährigen Teilnehmer an der Europa League. Außerdem ist der Klub nur eine Woche weniger in der Vorbereitung, als es die Unioner sind. „Sie werden die Partie sicher auch als Standortbestimmung nutzen“, glaubt Neuhaus. Deshalb kann es für das Selbstvertrauen seiner Spieler „sicherlich nur gut sein, einen Sieg gegen ein solches Kaliber einzufahren, um uns eine Woche später gegen den FSV Frankfurt auch entsprechend präsentieren zu können“, hofft Neuhaus auf eine makellose Bilanz in der Vorbereitung. Die fünf Testspiele zuvor hatte sein Team allesamt gewonnen, wenn auch zumeist gegen unterklassige Gegner.

Welche Rolle Silvio vielleicht schon heute und auch in sechs Tagen in Frankfurt einnehmen wird, ist noch ungewiss. Fakt ist: Der als Stürmer präsentierte Südamerikaner fühlt sich durchaus auch im offensiven Mittelfeld wohl. Und wird damit unweigerlich zu einer Alternative für Torsten Mattuschka. Der Kapitän laboriert bekanntlich an einer Kreuzbanddehnung im linken Knie. Die Empfehlung, die der vom FC Zürich unter Vertrag genommene Silvio mitbringt, lässt aufhorchen. Schließlich muss man auch in der zweiten Schweizer Liga erst auf 16 Saisontore und zehn Assists kommen, die der Brasilianer für den FC Lausanne-Sport erzielte, an den er von Zürich ausgeliehen war.

Und eben dort, vor dem Tor des Gegners, haben die Unioner in der vergangenen Spielzeit nicht gerade hohe Qualität bewiesen. „Ich glaube, dass wir die Mannschaft waren, die am meisten hundertprozentige Torchancen ausgelassen hat“, nennt Neuhaus einen Hauptgrund dafür, warum die Seinen sich über viele Wochen nur mit Mühe von den Abstiegsrängen hatten fernhalten können. Insgesamt konnte nur jede neunte Tormöglichkeit auch genutzt werden. Szenen wie die des Kolumbianers John Jairo Mosquera, der innerhalb weniger Minuten völlig frei stehend gleich zweimal nur den Pfosten traf, oder wie die des inzwischen nach Augsburg abgewanderten Dominic Peitz, der den Ball aus wenigern Metern fast aus dem Stadion drosch, sollen der Vergangenheit angehören. „Auch deswegen die neuen Spieler auf diesen Positionen“, erklärte Neuhaus, womit auch der vom 1. FC Köln ausgeliehene Simon Terodde gemeint ist. Der 23-Jährige hat bereits gezeigt, dass er weiß, wo das Tor steht: Von den bislang 24 erzielten Testspiel-Treffern gehen acht auf sein Konto.

Dass vor allem Silvio an Toren oder deren Entstehung gemessen werden wird, dürfte indes klar sein. Schließlich hat Union für ihn tief in die Tasche greifen müssen. Oder wie es im Fachjargon heißt: Über die Details der Transfervereinbarungen haben beide Vereine Stillschweigen vereinbart. Denn beim FC Zürich, für den er im Übrigen nur zwölf Einsätze in der ersten Liga bestritt, hatte er noch einen Vertrag bis Sommer 2012.