Christian Stuff ist ein sympathischer Mensch. Ruhig, stets freundlich, bringt den Verteidiger des 1. FC Union wenig aus der Fassung. Seinen Job beim Berliner Fußball-Zweitligisten erledigt er meist zuverlässig und mit fairen Mitteln; in der vergangenen Saison kassierte er in 19 Einsätzen nur drei Gelbe Karten, ein Jahr davor waren es in 29 Einsätzen fünf. Kurzum: Die Köpenicker Kicker können sich auf ihn verlassen. Dass es jedoch der Defensivmann gewesen ist, der sich in Frankfurt beim 1:1 hat düpieren lassen, noch dazu durch seinen ehemaligen Mitspieler Karim Benyamina, macht Stuff zum ersten Pechvogel der Saison bei Union. „Wenn einer weiß, wie ich dieses Tor hätte verhindern können, soll er mir das sagen“, unterstrich Stuff, wie sehr ihn der späte Ausgleich von Frankfurt ärgert. Zumal sein Trainer noch vor dem ersten Anpfiff betont hatte, dass es gerade die individuellen Fehler auch in der Abwehr gewesen sind, die in der vergangenen Saison zu Gegentoren geführt haben. Uwe Neuhaus sprach von einem Hauptschwerpunkt, an dem „wir arbeiten müssen, um unsere Ziele zu verwirklichen“. Und die sind bekanntlich mit Platz neun so hoch gesteckt wie noch nie.
Dass nun ausgerechnet Stuff in die Szene involviert war, die einen Sieg in Frankfurt verhinderte, ist doppelt tragisch. Endlich hatte es der Berliner geschafft, gleich im ersten Saisonspiel in der Startformation zu stehen. Das hatte er sich fest zum Ziel gesetzt. Anders als in den Vorjahren, als Stuff zunächst nur auf der Bank, ja sogar auf der Tribüne hatte Platz nehmen müssen, wollte er von Anfang an dabei sein, wenn es um Punkte geht. Sich den Platz im Laufe der Spielzeit nicht erst erarbeiten, um sich dann als sicherer Rückhalt zu etablieren.
Das Vorhaben gelang, obwohl sich Stuff erst Anfang März schwer verletzt hatte. Es war im Ostderby bei Erzgebirge Aue, als er sich in der Schlussphase nach einem Sturz eine schmerzhafte Schultereckgelenkssprengung samt zahlreichen Bänderrissen zuzog. Die Saison 2010/11 war für ihn damit beendet. Doch der Innenverteidiger jammerte nicht, er kämpfte sich schlicht und ergreifend zurück.
So eindrucksvoll, dass Trainer Neuhaus nun nicht an ihm vorbei kam. Zusammen mit Ahmed Madouni (1,91 Meter) bildet der 1,98-Meter-Mann Unions lange Kerls in der Defensive. Stuff hatte den internen Kampf um einen der beiden Plätze im Defensivzentrum gegen Daniel Göhlert und Christoph Menz gewonnen. Und nun dieses, ja, blöde Gegentor. „Ich habe Karim so auch schon im Training erlebt. Aber ich habe nicht damit gerechnet, dass er direkt schießt“, erzählt Stuff. Und ist sich sicher: „Wenn er den Ball angenommen hätte, wäre ich da gewesen.“


