Die Antwort betet Uwe Neuhaus fast schon im Schlaf runter. „Wir halten unsere Augen offen, und wenn sich noch eine Gelegenheit ergibt, werden wir aktiv“, sagte der Trainer des 1. FC Union auf die Frage, wie es denn beim Berliner Fußball-Zweitligisten in den kommenden Wochen aussieht mit der Verpflichtung weiterer neuer Spieler. Damit ist klar: Wirklich zwingend sieht Unions sportliche Leitung, sprich Neuhaus, die Notwendigkeit eines weiteren Zugangs für die am 15. Juli beginnende Saison offenbar nicht. Auch wenn eine Alternative zu Torsten Mattuschka, sollte der Kapitän doch einmal wegen Verletzung oder Sperre ausfallen, sicherlich nicht verkehrt wäre.
Doch der Abschluss der Transferaktivitäten, wenn auch nur bis auf weiteres, liegt abgesehen von den finanziellen Möglichkeiten auch darin begründet, dass sich der Klub für sein drittes Jahr im Bundesliga-Unterhaus nach dem Aufstieg 2009 gut aufgestellt glaubt. Die ersten Eindrücke der Zugänge bestätigt diese Einschätzung. Nicht dass Markus Karl, Marc Pfertzel und Simon Terodde in den ersten Trainingstagen oder beim 5:0 im ersten Test gegen den Berlin-Ligisten SV Lichtenberg 47 Bäume ausgerissen hätten. Doch in Ansätzen war schon zu erkennen, dass die Qualität im Kader nicht nur gehalten, sondern verbessert werden könnte.
Allen voran Markus Karl ließ bereits durchblicken, dass er Dominic Peitz, der zum Bundesliga-Aufsteiger FC Augsburg gewechselt ist, im defensiven Mittelfeld schnell vergessen machen könnte. Obwohl erst wenige Tage mit seinen neuen Mitspielern zusammen, übernahm Karl sogleich das Kommando, dirigierte seine Vorderleute. „Er ist unser Dreh- und Angelpunkt“, lobte Neuhaus den früheren Ingolstädter. Selbst der eine oder andere klug gespielte Pass war zu sehen, damit waren die Fans des Köpenicker Klubs in den vergangenen zwei Jahren zumindest von dieser Position aus nicht wirklich verwöhnt worden. Und wenn es nötig war, ging Karl auch mal robust dazwischen. Neuhaus: „Seine Spielverlagerung hat er zwar noch nicht so zeigen können, aber er hat kaum Fehler produziert.“
Mehr Stabilität in der Defensive erhofft sich Union durch Marc Pfertzel. Und auch der Franzose, vom griechischen Erstligisten AO Kavala an die Alte Försterei gewechselt, zeigte, dass dieses Vorhaben gelingen kann. „Er hat ein gutes Auge“, nennt der Coach einen der Vorzüge Pfertzels. Dieser Blick für die Situation kommt dem Stellungsspiel des Abwehrmannes zugute. Doch auch Neuhaus weiß, dass Pfertzel „noch Luft nach oben hat“. Immerhin scheint der 30-Jährige keine lange Eingewöhnungszeit zu benötigen. Sein Zusammenspiel auf der rechten Seite mit Mittelfeldmann Christopher Quiring konnte sich für diesen frühen Zeitpunkt der Vorbereitung sehen lassen.
Die Frage, ob Youngster Quiring oder doch der von Fortuna Düsseldorf geholte Patrick Zoundi mit Pfertzel Unions rechte Seite bearbeiten wird, konnte noch nicht weiter beantwortet werden. Zoundi stieg nach seinem Infekt erst am Montag wieder ins Mannschaftstraining ein. Ein Einsatz am Mittwoch im Test bei Brandenburg-Ligist Victoria Seelow (19.30 Uhr) dürfte noch zu früh kommen, Zoundis Premiere im Union-Trikot am Sonnabend bei Oberligist Germania Schöneiche (15 Uhr) ist da schon wahrscheinlicher.
Bleibt Simon Terodde, der sich mit zwei Toren gegen Lichtenberg gut einführte. Der aber auch aus wenigen Metern das freie Tor kläglich verfehlte. Neuhaus bescheinigte dem Stürmer einen „vernünftigen Einstand“. Terodde, vom Bundesligisten 1. FC Köln ausgeliehen, habe in vielen Situationen richtig gestanden. Die Frage wird sein, ob Neuhaus das Spielsystem seiner Mannschaft auf einen oder zwei Angreifer ausrichtet. Und ob Terodde den etablierten John Jairo Mosquera im Zweifelsfall wird verdrängen können. Gegen Lichtenberg fungierte der Kolumbianer jedenfalls als Zuarbeiter für Terodde im linken Mittelfeld.
Noch hat Terodde leichten Trainingsrückstand wegen einer Verletzung, die er sich zum Ende der vorigen Spielzeit zugezogen hatte. „Aber er hat bislang gut gearbeitet“, lobte Neuhaus auch seinen neuen Stürmer. Wichtig sei es gewesen, „dass wir das Selbstvertrauen mit dem Sieg gegen Lichtenberg ein wenig nach oben geschraubt haben“, fügte der Union-Trainer hinzu. Das bislang von den Neu-Unionern Gezeigte macht Appetit auf mehr.













