Kreuzbanddehnung

Union-Kapitän Mattuschka fällt zwei Wochen aus

Glück im Unglück: Im Test gegen Pogon Stettin humpelte Union-Kapitän Torsten Mattuschka wegen einer Kreuzbanddehnung vom Platz, gerissen ist aber nichts. Morgenpost Online sprach mit dem Spieler über die Verletzung und die strukturellen Probleme im Verein.

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Die Hälfte der Saison-Vorbereitung hat der Fußball-Zweitligist 1. FC Union absolviert. Zwei Wochen vor dem Ligastart zog sich nun i m Testspiel gegen Pogon Stettin ausgerechnet Torsten Mattuschka (30) eine Dehnung des vorderen Kreuzbandes im linken Knie zu.

Morgenpost Online: Herr Mattuschka, ausgerechnet in der heißen Trainingsphase müssen Sie 14 Tage pausieren.

Torsten Mattuschka: Das ist wahnsinnig ärgerlich, aber auch fast noch Glück im Unglück, denn das Kreuzband ist nicht gerissen. Ich versuche alles, um schnell wieder dabei zu sein.

Morgenpost Online: Zum Saisonstart wird die Mannschaft Ihr Fehlen auffangen müssen. Inwiefern können da die vier Zugänge helfen?

Torsten Mattuschka: Markus Karl im defensiven Mittelfeld ist spielerisch sehr gut . Das wird unserem gesamten Spiel entgegenkommen. Marc Pfertzel rechts in der Abwehr hat schon Bundesliga gespielt, auch in Frankreich und Italien, er hat definitiv seine Qualitäten. Patrick Zoundi ist auch eine Maschine, der laufen und laufen kann und schnell ist. Mit ihm können wir auch schnell auf Konter umschalten. Und Simon Terodde hat ja in den Testspielen schon gezeigt, dass er weiß, wo das Tor steht.

Morgenpost Online: Nicht nur in der Mannschaft hat sich etwas verändert: Christian Beeck, der Teammanager, musste den Klub verlassen . Wie überrascht waren Sie, als Sie davon erfahren haben?

Torsten Mattuschka: Ich war schon überrascht, es ging nach dem Ende der vergangenen Saison ja auch recht schnell. Keiner in der Mannschaft hat etwas gewusst. Aber so läuft der Fußball: Keiner kann sich sicher sein. Warum es zur Trennung kommen musste, wissen die Leute, die dafür zuständig waren. Wir haben es akzeptiert. Das muss jeder Einzelne auch, egal ob es Christian ist oder wir Spieler.

Morgenpost Online: Mit Nico Schäfer bekommt die Profiabteilung einen neuen kaufmännischen Leiter . Haben Sie vor seinem Einstieg bei Union schon von ihm gehört?

Torsten Mattuschka: Nein. Er hat sich beim Trainingsauftakt kurz in der Kabine vorgestellt und wird das sicherlich auch noch ausführlich tun, wenn er seine Tätigkeit am 1. Juli beginnt.

Morgenpost Online: Es heißt immer, Union will sich nachhaltig im Profifußball etablieren. Was fehlt denn zum Beispiel, bis dies geschafft ist?

Torsten Mattuschka: Jeder weiß, dass hier infrastrukturell noch einiges gemacht werden muss. Doch das ist normal, wenn man vor fünf Jahren noch in der Oberliga gespielt hat. Wir haben zum Beispiel noch kein Entspannungsbecken und keine Sauna. Aber damit kommen wir auch klar. Wer hierher kommt, weiß, was ihn erwartet. Hier sind Container, aber das ist egal. Deshalb spielt man nicht besser oder schlechter Fußball. Man muss sich mit den Gegebenheiten abfinden. Und irgendwann werden sicher auch die neue Haupttribüne und ein neuer Kabinentrakt kommen.

Morgenpost Online: Ein erster Schritt zur Professionalität dürfte das neue Mannschaftshotel sein, das die Spieler in dieser Vorbereitung erstmals zwischen den Trainingseinheiten nutzen können. In den Vorjahren mussten Sie immer an der Alten Försterei bleiben.

Torsten Mattuschka: Das Hotel war eine sehr gute Idee, die von der Mannschaft auch sehr gut angenommen wurde. Zum einen, weil das Essen klasse ist und wir alle zusammensitzen können. Zum anderen kann sich jeder danach auf einem Zimmer ausruhen oder auch nach Hause fahren, wenn er nur fünf Minuten entfernt wohnt. Ich bleibe im Hotel und hau mich dann eine Stunde oder auch anderthalb hin und ruhe mich aus. Das ist wichtig zum Regenerieren, gerade in den ersten Wochen, die doch sehr an die Substanz gehen.

Morgenpost Online: Sie stehen vor Ihrem zweiten Jahr als Union-Kapitän. War denn das erste Jahr so, wie Sie es sich vorgestellt hatten?

Torsten Mattuschka: Es hat mir unheimlich Spaß gemacht. Dadurch habe ich noch mehr Verantwortung auf dem Platz übernommen, bin vorneweg gegangen, wenn es mal nicht so lief. Natürlich habe ich insgesamt nicht so eine gute Saison gespielt wie 2009/10. Wobei es schon schwer gewesen ist, diese Saison noch einmal zu wiederholen. Das war allerdings mein Ziel. Ich denke aber, dass ich als Person und als Kapitän noch mehr gereift bin und hoffe, dass ich an die Leistungen vom vergangenen Jahr wieder anknüpfen kann.

Morgenpost Online: Sie sagen, Sie sind gereift. Woran machen Sie das fest?

Torsten Mattuschka: Ich muss jetzt auf viel mehr Dinge achten. Das habe ich vorher nicht in der Art gemacht. Doch jetzt als Kapitän hat man noch mehr Verantwortung den jungen Spielern gegenüber, muss bestimmte Dinge gleich auf dem Platz ansprechen.

Morgenpost Online: Spätestens mit der Ernennung zum Kapitän sind Sie zur Identifikationsfigur bei Union geworden und inzwischen der letzte Mohikaner aus der Oberliga-Zeit, nachdem Jan Glinker nur noch Ersatztorwart ist und Karim Benyamina den Klub verlassen musste . Kommt ein bisschen Wehmut auf?

Torsten Mattuschka: Dafür ist eigentlich keine Zeit. Profifußball ist manchmal eben auch ein Drecksgeschäft. Für Karim tut es mir leid. Seitdem ich bei Union bin, habe ich immer mit ihm zusammengespielt und mich immer gut mit ihm verstanden. Aber ich bin mir sicher, dass Karim auch beim FSV Frankfurt seinen Weg machen wird.

Morgenpost Online: Jetzt kommt es gleich zum Auftakt zum Duell mit dem einstigen Weggefährten . Das haben Sie sich bestimmt anders vorgestellt.

Torsten Mattuschka: Eigentlich ist es egal, wir müssen ja ohnehin gegen alle spielen. Ich freue mich auf das Wiedersehen. Wobei man erst einmal sehen muss, ob Karim es bis dahin überhaupt schafft, momentan ist er ja verletzt (Muskelfaserriss, zwei Wochen Pause, d. Red.) .

Morgenpost Online: Alte Helden haben den Klub verlassen – kann man da eigentlich noch von der so oft zitierten Union-Familie sprechen?

Torsten Mattuschka: Das ist ja unabhängig von den Spielernamen. Die Fans, die uns die ganze Saison über unterstützen – ob auswärts, wo wir ein Jahr nicht gewonnen haben, ob zu Hause, egal wie das Spiel gelaufen ist – und alles, was hier drumherum passiert, ist familiär. Alle sind mit Leib und Seele dabei, egal ob Geschäftsleitung oder Stadionbauer. Da macht es immer Spaß, jeden Tag zum Training zu kommen. Und das ist ja das Wichtige.