Zweite Liga

Warum Unions Teammanager Beeck gehen muss

Berlins Zweitligist 1. FC Union trennt sich überraschend von seinem langjährigen Teammanager Christian Beeck. Die Doppelspitze mit Trainer Uwe Neuhaus hat schon lange nicht mehr funktioniert.

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Der frühzeitige Klassenerhalt, die problemlose Erteilung der Lizenz für die nächste Saison – das zweite Profijahr nach dem Aufstieg 2009 endete für den 1.FC Union unspektakulär. Für den Paukenschlag am Ende der Spielzeit 2010/11 sorgte der Berliner Fußball-Zweitligist zwei Tage nach dem Abpfiff. Per Pressemitteilung ließ der Klub wissen: Der 1. FC Union und Christian Beeck gehen künftig getrennte Wege. Das Präsidium des Vereins hat die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Teammanager beendet.

Sechs Jahre lang hatte Beeck den Weg des Köpenicker Klubs in diversen Positionen mitgestaltet. Nun sieht die Klubführung das Ende des Beeckschen Schaffens an der Alten Försterei jedoch erreicht. Man habe sich entschieden, „die Position des Managers inhaltlich neu auszurichten und damit verbunden eine personelle Änderung vorzunehmen“, begründete Union-Präsident Dirk Zingler diesen Schritt: „Wir halten diese Maßnahmen für notwendig, um die Weiterentwicklung des Vereins mit neuen Ansätzen und Ideen voranzutreiben.“

Getrennte Wege

Damit ist es Fakt, dass das erst vor der Saison eingeführte System mit einer Doppelspitze als Leitung der Lizenzspielerabteilung bei Union gescheitert ist. Schon seit Monaten präsentierten sich Trainer Uwe Neuhaus und Beeck längst nicht als das Team, das sich der Klub gern gewünscht hätte. Zu den wöchentlichen Pressekonferenzen erschienen beide getrennt, gingen im Anschluss auch schnell wieder ihrer Wege, ohne ein weiteres Wort miteinander zu wechseln.

Dass Beeck in dieser Zeit immer mehr an Macht und Einfluss verlor, kann kein Zufall sein. Jene Degradierung vom Sportdirektor des Gesamtvereins – und damit von der Instanz im Klub, die dem Trainer gegenüber weisungsberechtigt gewesen ist – zum Teammanager im Sommer vergangenen Jahres war der Anfang vom Ende der Ära Beeck. Tiefpunkt war die Zurechtweisung durch das Präsidium beim Versuch, ein Testspiel gegen RB Leipzig zu organisieren. Die von Beeck geplante Partie musste kurzerhand wieder abgesagt werden. Dem Vernehmen nach störte man sich bei Union schon seit längerer Zeit an der Art und Weise, mit der 39-Jährige ehemalige Profi (Union, Cottbus) die sportliche Entwicklung vorantreiben wollte. Zu oft sei auf die nach wie vor klamme Finanzlage des Klubs hingewiesen und zu wenig Alternativen an Spielern präsentiert worden, die bei Union eventuell hätten anheuern können. So sei Beeck zuletzt nur noch organisatorisch in Erscheinung getreten, Entscheidungen über Spieler seien praktisch nur noch vom Trainer gefällt worden. Dazu passt das Statement von Neuhaus, der Markus Karl, Unions ersten Zugang für 2011/12, als „meinen Wunschspieler“ titulierte. Meinen, nicht unseren. Wenn Klubchef Zingler nun die personelle Veränderung vorantreibt, „um der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung sportlicher Entscheidungen im Lizenzspielerbereich künftig besser Rechnung tragen zu können“, so schwingt dabei ein gehöriges Maß an Unzufriedenheit über die Arbeit des bisherigen Teammanagers mit.

Jahr des Umbruchs

Unzufriedenheit, die sich auch in Teilen der Fans widerspiegelt. „Vor allem fehlen ihm einfach die Fühler, um im Profifußball Spieler für einen wettbewerbsfähigen Kader zu holen“, kommentiert Jim_Panse im Fanforum. Die Palette dort reicht von Anerkennung (Kevin: „C.B. hat gute Arbeit in unseren Verein geleistet, und dafür gebührt ihm unser Dank“) bis hin zu Unverständnis (eisernerandy: „Was ist denn da los im Verein?“).

Beeck selbst ließ sich gestern nur über die Union-Pressemitteilung zitieren: „Ich bedanke mich für die letzten sechs Jahre. Sie waren sehr intensiv, sehr lehrreich und werden mich bei meinen zukünftigen Wegen begleiten. Zwei Aufstiege und zweimal Klassenerhalt in der Zweiten Liga – mehr geht eigentlich nicht. Ich drücke Union natürlich auch weiterhin alle Daumen.“ Für ein weiteres Statement war er nicht zu erreichen. Was nicht verwundert, schließlich läuft Beecks Vertrag noch bis 2012. Und wer will schon durch eine unbedachte Äußerung auf eine Abfindung oder ein Jahresgehalt verzichten?

Beecks Demission, acht Spieler-Abgänge, dazu die lange feststehende Trennung von Nachwuchstrainer Theo Gries – 2011 darf spätestens jetzt getrost als Jahr des Umbruchs bezeichnet werden. Mit einem Trainer Uwe Neuhaus, der im sportlichen Bereich der neue starke Mann bei Union ist. Vor diesem Hintergrund und der Ankündigung, die Lizenzspielerabteilung neu auszurichten, wird es wohl keinen neuen gleichberechtigten Mitstreiter an der Seite des Trainers geben.

Mehr Macht für Neuhaus

Wahrscheinlicher ist, dass Neuhaus künftig in Sachen Auswahl von und Verhandlungen mit Spielern und damit bei der Zusammenstellung des Kaders das alleinige Sagen haben wird und der Klub ihm jemanden zur Seite stellt. Jemanden, der sich um die finanziellen und wirtschaftlichen Belange kümmert, die im Lizenzbereich anfallen. Praktisch eine Light-Version des Modells, das der VfL Wolfsburg mit Felix Magath praktiziert, wo sich sämtliche Aufgaben von Trainer und Manager auf eine Person vereinen.

Sollte sich Union tatsächlich für diesen Weg entscheiden, würde der Klub jedoch ein großes Risiko eingehen. Was, wenn Neuhaus allen Treueschwüren der Klubführung zum Trotz nach sportlicher Talfahrt doch plötzlich mehr als nur zur Diskussion stehen würde? Ganz abgesehen davon, dass dieses System in Wolfsburg oder eine Zeit lang auch bei 1899 Hoffenheim unter Ralf Rangnick nur funktionierte, weil vor allem die Scoutingabteilung personell exzellent aufgestellt ist. Davon kann bei Union keine Rede sein.

Am Mittwochmittag will Union-Boss Dirk Zingler die neue inhaltliche Ausrichtung und die damit verbundene personelle Veränderung in der Eisern-Lounge am Stadion bekannt geben. Die Trennung von Beeck hat sich der Klub offensichtlich lange überlegt – spannend nun zu sehen, wie strukturiert die Zukunft geplant ist.