Kokurrenz, Auflagen, Etat

Was die neue Saison für Union so schwierig macht

Der Klassenerhalt ist geschafft. Doch in der nächsten Saison wartet eine Herkulesaufgabe auf den 1. FC Union Berlin: Trotz gleichen Etats soll die sportliche Qualität gesteigert werden. Außerdem muss der Verein wegen neuer DFB-Auflagen Gewinn erwirtschaften.

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Große Gedanken über die kommende Saison in der Zweiten Liga habe er sich noch nicht gemacht, sagt Uwe Neuhaus. „Rostock kommt wieder dazu, Braunschweig ist auch ein attraktiver Gegner, da kommt schon eine gute Liga zusammen“, warf der Trainer des 1. FC Union dennoch einen kurzen Blick nach vorn. Und nannte mit Energie Cottbus, dem letzten Heimgegner der Köpenicker Kicker in dieser Spielzeit (8. Mai, 13.30 Uhr, Alte Försterei), einen persönlichen „Favoriten, drinnen zu bleiben“, schon des Reiseweges wegen.

Kurze Reisewege bedeuten weniger Kosten. Eben diese gilt es, in der Saison 2011/12 so minimal wie möglich zu halten. Denn auch in seinem dritten Zweitliga-Jahr wird Neuhaus mit Union keine großen Sprünge machen können. Der derzeitige Rekordetat von rund 13 Millionen Euro wird nicht erhöht werden, ließ Union-Präsident Dirk Zingler bereits wissen. Und durch die neuen Richtlinien der Deutschen Fußball Liga (DFL) müssen fünf Prozent des negativen Eigenkapitals – bei Union rund 15 Millionen Euro – als Gewinn erwirtschaftet werden, also 750.00 Euro. Da fällt es schwer, die Qualität der Mannschaft zu erhöhen, ohne an Quantität groß einzubüßen. Fehlgriffe, egal ob sportlicher oder menschlicher Natur, wie der mit Jerome Polenz, der trotz eines Zweijahresvertrags bereits nach sechs Monaten in der Winterpause wieder frei gestellt wurde, darf es nicht geben.

Zum Stand der Dinge gibt Christian Beeck, Teammanager der Berliner, stets sein „Wir sind in Gesprächen“ zum Besten. Dennoch ließ er durchblicken, dass man sich vor allem nach ablösefreien Spielern und Talenten umschaue. Wieder einmal. Das fußballerische Niveau des Kaders zu steigern, wird damit zur Herkulesaufgabe, zumal Union bestrebt ist, „zum Trainingsstart Mitte Juni alle Zugänge an Bord zu haben“, wie Beeck betonte.

So wird die kommende Spielzeit schon jetzt zu einem Tanz auf der Rasierklinge. Wirtschaftlich zwar auf immer festeren Füßen, sportlich jedoch mit zunehmendem Risiko. Es war Klubchef Zingler, der nach der Erteilung der Zweitliga-Lizenz betonte: „Nur wenn wir sportlichen und wirtschaftlichen Entscheidungen weiterhin die gleiche Bedeutung beimessen, wird sich der 1. FC Union im Profibereich etablieren und weiterentwickeln können.“ Die Lizenz bekam Union zum dritten Mal in Folge ohne Bedingungen von der DFL. Der Hattrick in Sachen Klassenerhalt wird um Einiges schwerer werden.