Acht Spieler haben den 1. FC Union nach der vergangenen Saison verlassen, weil sie es mussten oder auch wollten. Mit Markus Karl, Simon Terodde und Patrick Zoundi stehen ihnen bislang drei Nachfolger gegenüber. Macht nach den Grundregeln der Mathematik fünf Spieler, die dem Berliner Fußball-Zweitligisten noch fehlen, um sich adäquat für die kommende Spielzeit vorbereiten zu können. Eigentlich eine einfache Rechnung, wenn es da nicht diese zwei Fehler gäbe. Zum einen weiß man nicht erst seit den letzten Tagen von Ottmar Hitzfeld bei Bayern München, dass Fußball eben keine Mathematik ist. Und zum anderen ist es kein Geheimnis, dass Union nicht unbedingt jeden Abgang ersetzen will. Es ist der wiederholte Versuch der Köpenicker, mehr auf Qualität denn Quantität zu setzen.

Betrachtet man die drei Neu-Unioner, so gewinnt man den Eindruck, als sei der Klub auf dem besten Weg dahin, diese an sich selbst gestellte Anforderung auch zu erfüllen. Das Trio scheint in der Tat ausgezeichnet zu Union, vor allem aber zum Anforderungsprofil (Qualität, Entwicklungsfähigkeit, Bodenständigkeit) von Trainer Uwe Neuhaus zu passen.

Beispiel Markus Karl. Der 25-Jährige war in der Rückrunde der Spielzeit 2010/11 einer der Eckpfeiler auf dem Ingolstädter Weg vom Liga-Keller zum Klassenerhalt. Nicht umsonst stellte ihm Benno Möhlmann, Trainer der Donaustädter, mit dem Urteil, besser als Dominic Peitz zu sein, ein gutes Zeugnis aus. Peitz wechselte bekanntlich nach zwei Jahren an der Alten Försterei zum FC Augsburg – in die Bundesliga. Dass Karl („Peitz hat nicht umsonst ein Angebot aus der Bundesliga erhalten. Ich weiß, dass ich nachlegen muss“) durchaus in die Fußstapfen seines Vorgängers im defensiven Mittelfeld treten kann, ist offensichtlich. Mit 1,93 Metern misst er nur drei Zentimeter weniger als Peitz. Und die fußballerische Qualität dürfte er auch erhöhen.

Zumal er sich keineswegs aus finanziellen Gründen für die Köpenicker entschieden hat, wenn man bedenkt, dass die Ingolstädter mit dem lokalen Autobauer im Rücken einen finanzkräftigen Partner an ihrer Seite wissen. Das heißt im Umkehrschluss: Hier kommt einer, der bei Union die Chance sieht, einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter nach oben zu klettern. Und noch ein weiterer Fakt spricht dafür, dass Karl sich auf Anhieb bei Union wohl fühlen dürfte. Sein Bruder Florian spielt in der Volleyball-Bundesliga bei den Netzhoppers Königs Wusterhausen, also praktisch in unmittelbarer Nähe von Köpenick. Das schafft auf Anhieb ein gewisses Maß an Vertrautheit.

Bücher statt Playstation

Ähnliches wird auch Patrick Zoundi spüren. Unions neuer Mann für die rechte Außenbahn machte sich in Düsseldorf nicht nur wegen seiner temporeichen Spielweise einen Namen, sondern auch wegen seiner Bodenständigkeit. Statt Auto heißt sein Transportmittel Bahn, statt Fernseher und Playstation sorgen Bücher für Entspannung beim 28-Jährigen aus Burkina Faso. Darüber hinaus ist Zoundi mit Frau und Kindern auch privat entsprechend geerdet.

Das kommt an beim Trainer, der seinen neuen Flügelflitzer auch deshalb als „markanten Spieler“ beschreibt. Und beweist einmal mehr, wie wichtig es Neuhaus ist, dass seine Mannschaft nie die Bodenhaftung verliert. Für ihn ist es eine der Grundvoraussetzungen, um am Ende das gesteckte Ziel, das auch in der kommenden Spielzeit nur Klassenerhalt heißen kann, erreichen zu können.

Auch dass der Coach gern mit jüngeren Spielern zusammenarbeitet, um sie spielerisch auf die nächsten Ebene zu hieven, dürfte sich nach vier Jahren Uwe Neuhaus bei Union inzwischen rumgesprochen haben. Hier kommt Simon Terodde ins Spiel. Bei der zweiten Mannschaft des 1.?FC Köln, die in der Regionalliga West im Mittelfeld dümpelt, war für den 23-Jährigen das Ende der Entwicklung erreicht: Nationalspieler Lukas Podolski und „Urgestein“ Milivoje Novakovic waren für Terodde schlicht zu große Hürden, um im Profibereich der Kölner Fuß zu fassen. Da Terodde ohnehin nur für ein Jahr von den Kölnern ausgeliehen ist, wird er folglich gleich von der ersten Trainingseinheit an alles tun, um sich weiter zu entwickeln. Und dass der Trainer in der Lage ist, die Qualität eines Spielers zu erhöhen, zeigte sich nicht zuletzt bei Terodde-Vorgänger Karim Benyamina, der unter Neuhaus vom Oberliga-Stürmer zu einem gestanden Zweitliga-Kicker heranreifte.