Zweite Liga

Union leistet sich in Bochum zu viele Fehler

Der 1. FC Union Berlin hat beim Tabellendritten VfL Bochum 3:0 verloren. Trainer Neuhaus war verständlicherweise sauer. Denn waren in der ersten Halbzeit die Köpenicker noch gleichwertig, brachen sie im zweiten Durchgang ein.

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Kompakt stehen, aber nicht nur hinten reinstellen – so hatte sich Uwe Neuhaus, der Trainer des 1. FC Union, den Auftritt seiner Mannschaft beim VfL Bochum vorgestellt. Der Aufstiegsaspirant sollte geärgert werden, erst recht, nachdem die Bochumer drei Spiele nicht gewonnen hatten, dabei noch nicht einmal einen Treffer zustande brachten. Doch wie das so ist mit der Theorie: Die Praxis sieht oftmals ganz anders aus. So auch am Freitagabend in Bochum. Mit 0:3 (0:1) verloren die Köpenicker Zweitliga-Kicker bei den Westfalen. Weiterhin fehlt ein Punkt, um das Ziel, die magische 40-Punkte-Marke, zu erreichen.

Das Ergebnis klingt allerdings deutlicher, als es die Kräfteverhältnisse über weite Strecken der Partie vor 16.009 Zuschauern gewesen sind. Union hielt gut mit, wurde jedoch Opfer des typischen Bochumer Spiels aus einer starken Defensive heraus – und wurde dreimal klassisch ausgekontert. „Das 0:2 war der Genickbruch für uns“, befand Neuhaus und ergänzte: „Vor dem ersten und zweiten Tor haben wir krasse Fehler begangen.“ Ähnlich sah es Kapitän Torsten Mattuschka: „Wir kriegen zu einfache Gegentore.“

Bereits nach elf Minuten war das Konzept, so lange wie möglich ein 0:0 zu halten und die Bochumer dadurch nervös zu machen, über den Haufen geworfen. Von dem von einer Bänderverletzung wieder genesenen Offensivmann Mimoun Azaouagh kam der Ball auf die rechte Seite zu Paul Freier, der völlig allein gelassen von den Berlinern auf und davon zog. Ein Blick, ein Pass in die Mitte, Mirkan Aydin ist zur Stelle, 0:1. Auch bei der Vorentscheidung durch Freier in der 53. Minute war die Union-Defensive nicht im Bilde. Christoph Menz vertändelte den Ball an der Mittellinie, über Aydin kam der Ball zum Bochumer Mittelfeldspieler, 0:2, Glinker war ohne Chance. Und beim 0:3 durch Aydin standen der eingewechselte Bernd Rauw und Ahmed Madouni zu weit weg vom Torschützen, um noch eingreifen zu können. Zu allem Überfluss ließ Glinker den Ball auch noch durch die Hände rutschen. Was der Union-Keeper mit wütendem Gehämmer seiner Fäuste auf den Rasen quittierte. Azaouagh sprach hinterher von einem „verdienten Sieg. Die Berliner hatten bis auf das Abseitstor keine klare Torchance.“

Doch was, wenn Schiedsrichter Norbert Grudzinski (Hamburg) jenen Treffer von Chinedu Ede in der 17. Minute anerkannt hätte und auf passives Abseits von Karim Benyamina entschieden hätte? Was, wenn eben jener Ede einen Kopfball nach 66 Minuten nicht aus acht Metern weit neben das Tor, sondern mitten hinein gesetzt hätte? Ein schneller Ausgleich oder später ein schneller Anschlusstreffer hätte die Bochumer vielleicht doch noch einmal ins Wanken gebracht. „Wenn der Schiedsrichter das Tor gibt, sieht das Spiel ganz anders aus“, sagte Mattuschka.

Denn bis zum dritten Gegentor hatten sich die Unioner längst nicht aufgegeben. „Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, war völlig in Ordnung“, meine Mattuschka. Dominic Peitz, der im Übrigen zwei Minuten vor dem 0:2 noch auf der Linie einen Freier-Schuss aus 15 Metern entschärfen konnte, soll hier als Beispiel für den unermüdlichen Antreiber dienen.

So jedoch bleibt unter dem Strich die 13.Saisonniederlage. Damit haben die Neuhaus-Schützlinge zwei Spieltage vor Schluss schon eine Niederlage mehr als in der gesamten vergangenen Spielzeit. Und mit dem letzten Heimspiel der Saison gegen Energie Cottbus sowie der Partie beim abstiegsbedrohten Karlsruher SC warten auf die Unioner noch zwei mutmaßlich brisante Duelle.

Erfreulich: Die Reaktion der Bochumer Fans auf Macchambes Younga-Mouhani, der im Hinspiel dem Bochumer Matias Concha mit einem rüden Foul das Schien- und Wadenbein gebrochen hatte, fiel nicht übermäßig negativ aus. Lediglich bei der Verlesung der Ersatzspieler gab es vereinzelt Pfiffe. Ebenso als sich der Mittelfeldspieler hinter dem Union-Tor für einen möglichen Einsatz warm lief.