1. FC Union

Stürmer Mosquera bleibt ein "Eiserner"

John Jairo Mosquera ist eigentlich ein Wandervogel, fünf Mal wurde er bereits von Werder Bremen ausgeliehen. Bei Union hat der Kolumbianer nun einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben. Im Interview mit Morgenpost Online verrät er, warum.

Foto: REUTERS

John Jairo Mosquera bleibt ein Berliner. Wie der 1. FC Union am Donnerstag bekannt gab, unterschrieb der Stürmer einen Vertrag bis 2014. Der 23-Jährige war seit 2009 von Werder Bremen ausgeliehen, die Ablösesumme wird auf etwa 200.000 Euro geschätzt. Es ist das erste Mal seit fünf Jahren, dass der Klub eine Ablöse zahlt.

Morgenpost Online: Herr Mosquera, wie erleichtert und stolz sind Sie jetzt?

John Jairo Mosquera: Ich bin sehr glücklich, dass endlich klar ist, dass ich hier bleiben darf. Ich hatte schwierige Zeiten in Bremen, wo ich ständig ausgeliehen war. Deshalb bin ich besonders froh, dass ich nun einen Vertrag über drei Jahre habe. Es macht mich sehr glücklich, in Berlin zu bleiben. Auch, weil sich meine Frau hier sehr wohlfühlt und gar nicht mehr zurück nach Kolumbien will.

Morgenpost Online: Sie kamen 2009 als Leihgabe zu Union, die Situation kannten Sie ja bestens. Haben Sie nicht zuerst gedacht: Nicht schon wieder?

John Jairo Mosquera: Ja, so ähnlich, vor allem weil es das fünfte Mal war, dass ich von Werder ausgeliehen wurde. Als ich herkam, wollte ich erst einmal einfach viele Tore machen. Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass der Verein anders ist. Alle haben mir geholfen, und das war sehr wichtig. Ich habe bei verschiedenen Vereinen gespürt wie es ist, eigentlich nicht gewollt zu sein. Bei Union hatte ich sofort den Eindruck, dass der Klub eher wie eine große Familie ist.

Morgenpost Online: Wann haben Sie angefangen zu denken, dass Sie am liebsten hier bleiben würden?

John Jairo Mosquera: Von Anfang an bin ich mit den Leuten im Klub gut klargekommen und habe das Vertrauen gespürt. Auch in den Monaten, in denen ich nicht getroffen habe, hat mich der Trainer immer wieder aufgestellt.

Morgenpost Online: Welche Rolle spielt Uwe Neuhaus für Sie?

John Jairo Mosquera: Er ist wie ein Vater für mich, aber auch für die anderen Spieler. Er hilft, er gibt dir die Hand und hilft dir aufzustehen, wenn du unten bist. Er zeigt dir, wie du den Kopf oben behältst. Von allen Trainern, die ich bisher hatte, war noch kein Trainer so. Wir Spieler schauen nicht so sehr wie zu einem Trainer zu ihm auf, sondern eher wie – ja, eben wie zu einem Vater.

Morgenpost Online: Trotzdem, auch er konnte nicht verhindern, dass sie nach einem Jahr ohne Tor massiv in die Kritik gerieten.

John Jairo Mosquera: Ach, mit Kritik aus der Presse musst du umgehen können. Das ist normal, wenn du so lange nicht triffst, das hat mich nicht so groß berührt.

Morgenpost Online: Aber die Situation muss Sie doch selbst ziemlich mitgenommen haben.

John Jairo Mosquera: Klar, einen Stürmer trifft es immer, wenn er keine Tore schießt. Das ist einfach sein Job, und die Mitspieler erwarten das. Sie vertrauen dir, und du willst das zurückzahlen. Aber solche Phasen hat jeder Spieler, sie kommen und gehen. Jetzt hatte ich sie eben, aber sie scheint ja vorbei zu sein.

Morgenpost Online: Eines Ihrer Tore fiel im Berliner Olympiastadion beim Sieg gegen Hertha…

John Jairo Mosquera: (lacht)…das war mein Bestes!

Morgenpost Online: Im Ernst?

John Jairo Mosquera: Na klar. Im Derby, vor 75000 Zuschauern, das ist Wahnsinn!

Morgenpost Online: Sie spielten schon früh vor großen Kulissen, Ihr Debüt in der ersten Liga Kolumbiens gaben Sie mit 14 Jahren. Das klingt wie ein Traum. War es das auch?

John Jairo Mosquera: Puh! Ich war zumindest der jüngste Spieler in Kolumbien. (überlegt) Doch, es war eine einmalige Erfahrung, von der ich noch meinen Enkeln erzählen kann. Es gibt wohl nicht so viele Fußballer, die so jung auf diesem Level gespielt haben. Das bleibt für immer.

Morgenpost Online: Dann kamen Sie recht schnell nach Europa. Waren Sie nicht eigentlich noch zu jung für diesen Schritt?

John Jairo Mosquera: Den ersten Versuch hatte ich ja schon zuvor mit 13 Jahren in Moldawien unternommen. (hält inne). Puh, mit 13 Jahren! Das ist schon sehr früh. Nun, warum macht man das? Um seinen Lebensweg zu sichern, auch für die Familie. Das hatte sicher gute und schlechte Aspekte. Moldawien, na ja, da habe ich es am Ende nur 15 Tage ausgehalten. Es hat geschneit, daran war ich nicht gewöhnt. Wir hatten minus zehn Grad.

Morgenpost Online: Zu kalt für einen jungen Kolumbianer?

John Jairo Mosquera: Die Kälte kam überall rein. Dann habe ich meinen Agenten angerufen und gesagt: Nein, hol mich zurück, das ist nichts für mich hier.

Morgenpost Online: Trotzdem haben Sie jetzt mit jungen 22 Jahren schon so viele Stationen gesammelt wie andere Spieler am Karriereende. Hatten Sie niemals Heimweh?

John Jairo Mosquera: Nein, in der zweiten Europa-Phase, die ja vor allem in Deutschland stattfand, habe ich mich daran gewöhnt, im Ausland zu leben. Auch in Dänemark fand ich das in Ordnung. Zumal meine Frau mitgegangen ist, da war ich nie alleine. Klar freue ich mich, wenn ich mal nach Hause komme und meine Familie sehe. Aber hier ist meine Arbeit. Da habe ich gar keine Zeit, um an zu Hause zu denken. Wenn mich Leute von zu Hause anrufen, erkläre ich, was Union ist: Ein kleiner Klub, der gerade aufgestiegen ist, bei dem ich aber sehr gerne bin und bei dem ich noch viele Tore schießen will.

Morgenpost Online: Würden Sie sagen, dass Sie nach all den Stationen endlich angekommen sind in Deutschland?

John Jairo Mosquera: Ja, das kann man wohl so sagen. Du sehnst dich nach einen ruhigen Station, wenn du gerade zu einem Klub verliehen bist, und dann nicht spielst. Du fragst dich: Bin ich jetzt bald wieder in Kolumbien? Oder in Bremen? So gesehen bin ich jetzt wohl angekommen. Zumindest vorerst. Irgendwann möchte ich Bundesliga spielen, am liebsten natürlich mit Union. Aber fürs erste ist es gut, in einer stabilen Situation und nicht mehr verliehen zu sein.

Morgenpost Online: Beinahe hätte es noch eine sechste Station gegeben, Carl Zeiss Jena. Im Trainingslager brachen Sie 2007 aber zusammen, der Klub wie auch andere Vereine wollten Sie nicht mehr verpflichten. Es gab zunächst Gerüchte, Sie hätten einen Herzstillstand gehabt. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

John Jairo Mosquera: An den Moment selbst habe ich keine Erinnerungen. Es war schon eine seltsame Sache. Die Ärzte haben mich wochenlang untersucht und haben nichts gefunden. Es war eine schlimme Zeit. Du bist jung, du willst nichts lieber im Leben sein als Fußballer, und dann kommen die Ärzte und sagen: Du wirst nie wieder spielen können. Das kann nur jemand verstehen, der es selbst durchgemacht hat.

Morgenpost Online: Wie stark hat diese Geschichte Ihrer Karriere geschadet?

John Jairo Mosquera: Jena wollte mich tatsächlich nicht mehr. Auch andere Klubs sagten ab. Aber mir gefiel es in Jena ohnehin nicht, mit vielen Spielern habe ich mich nicht verstanden. Ich wollte nach Bremen zurück.

Morgenpost Online: Das klappte ja dann auch, Sie kamen sogar zum Einsatz und schossen Tore.

John Jairo Mosquera: Ja, gleich in meinem ersten Einsatz. Deshalb betrachte ich den Zusammenbruch auch als ein Zeichen Gottes. Aber das ganze Thema ist längst abgeschlossen. Ich schaue nicht mehr zurück seit dem Tag, als ich erfuhr, dass ich weitermachen kann.

Morgenpost Online: Außer dieser Geschichte weiß man sehr wenig Privates über Sie, abgesehen davon, dass Sie gerne Shoppen gehen…

John Jairo Mosquera: (lacht und verdreht den Kopf) Ach, ein bisschen Einkaufen gehen gefällt uns doch allen. Ich mag es nun mal gerne, meine Frau dabei zu begleiten. Auch, wenn Sie immer mehr kauft als ich. Aber das ist wohl auch normal. (lacht)

Morgenpost Online: Warum halten Sie Ihr Privatleben etwas geheimer als einige andere Mitspieler?

John Jairo Mosquera: Gute Frage (überlegt lange). Also, ich habe kein Problem mit der Presse. Aber ich konzentriere mich gerne auf meinen Job. Vor allem in der Zeit, als es bei mir wie auch bei der Mannschaft schlecht lief, habe ich andere Dinge im Kopf gehabt. Da ist man immer etwas verwirrt und unruhig. In solchen Momenten setze ich mich lieber mit mir selber auseinander.

Morgenpost Online: Wie viel Sicherheit gibt Ihnen jetzt der neue Vertrag? Sie haben noch ein paar Spiele, um zu treffen, aber übermorgen sind Sie gesperrt.

John Jairo Mosquera: Ja, das ist blöd mit dem Spiel in Oberhausen. Aber dann bleiben noch sechs Spiele. Ich habe eine bestimmte Anzahl an Toren im Kopf, die ich noch schießen möchte.

Morgenpost Online: Wie viele sind das?

(lacht) Das werde ich nicht sagen. Die Zahl ist hier drin (zeigt auf seinen Kopf), das reicht. Das sage ich erst, wenn ich es geschafft habe.

Morgenpost Online: Was ist der Traum, den Sie mit Union gerne erreichen möchten?

John Jairo Mosquera: Ich weiß nicht, inwieweit der gesamte Verein bereits höhere Ziele hat. Die Mannschaft jedenfalls ist gut, und vorausgesetzt, der Klassenerhalt gelingt jetzt, wäre es ein Traum, sich unter den ersten fünf der Liga zu etablieren. Dann wäre dieses Auf und Ab endlich vorbei.