Saison-Endspurt

Michael Parensen baut auf die Union-Fans

Nach einer langen Verletzungsserie hat Michael Parensen beim 1. FC Union seit Januar wieder einen Stammplatz. Mit Morgenpost Online sprach er über den Abstiegskampf, sein Studium an der TU und die Anhänger der Köpenicker.

Im März vergangenen Jahres riss sich Michael Parensen das Innenband im linken Knie. Mehrfach brach die Verletzung seitdem wieder auf, er verpasste den Saisonstart. Im September zog er sich erneut einen Anriss des Bandes zu. Seit Beginn der Rückrunde gehört der 24-Jährige endlich wieder zu den Stammspielern auf der linken Seite. Mit ihm sprach Morgenpost Online-Mitarbeiter Martin Kleinemas.

Morgenpost Online: Herr Parensen, Sie konnten zuletzt endlich einmal zehn Partien hintereinander absolvieren. Haben Sie Ihre schwarze Serie überwunden?

Michael Parensen: Ich habe das ja nie als schwarze Serie gesehen…

Morgenpost Online: …Sie verletzten sich gleich dreimal am selben Knie, im Derby gegen Hertha mussten Sie schon nach vier Minuten wegen einer Gehirnerschütterung raus…

Michael Parensen: … das waren oft einfach unglückliche Umstände. Aber ich habe nie daran gezweifelt, dass ich wieder mehr als drei, vier Spiele am Stück absolvieren kann. Ich bin guter Dinge, dass ich jetzt bis zum Saisonende durchkomme.

Morgenpost Online: Worauf wird es für Union im Saisonendspurt ankommen?

Michael Parensen: Wir müssen besser in die Spiele gehen als zuletzt. Wir hatten jetzt des Öfteren das Problem, dass wir zu Beginn erst einen Anschubser, einen Rückstand brauchten, bis wir im Spiel waren. Spielerisch und kämpferisch sind wir gut aufgestellt. Aber wir müssen von Beginn an wach sein. Wir sollten die letzten Zweifel so schnell wie möglich beseitigen.

Morgenpost Online: Gerade zu Hause läuft es derzeit nicht so rund, trotzdem kommen gegen eine Mannschaft wie Bielefeld fast 16.000 Zuschauer…

Michael Parensen: …ja, und die Fans haben einen großen Anteil daran, dass wir jetzt einigermaßen gut dastehen. Das können wir nicht oft genug betonen. Das gilt ja auch für die Auswärtsfahrten. Beim FSV Frankfurt, wo ich selbst nur Zuschauer war, waren gefühlt ja mehr Fans von Union im Stadion als aus Frankfurt. Das ist ein Riesenfaktor, den wir sehr zu schätzen wissen. Davon lebt der Verein.

Morgenpost Online: Gehört dazu auch, dass man als Spieler akzeptieren muss, wenn ein Testspiel wie gegen RB Leipzig abgesagt wird, weil man dort eine andere Philosophie von Fußball hat?

Michael Parensen: Als ich hörte, dass wir gegen Leipzig spielen, war mein erster Gedanke: Was sagen wohl die Fans dazu?

Morgenpost Online: Im Ernst? Die Befindlichkeiten der Fans sind Ihnen also so deutlich bewusst?

Michael Parensen: Na klar. Man bekommt das doch ständig mit, dass der Fußball, den RB praktiziert, nicht das ist, was die Fans hier sehen wollen. Da haben sie einfach eine andere Auffassung. Hier zählt eher, mit dem Verein auch durch schwere Zeiten zu gehen, die völlige Identifikation. Bei Union wird viel Wert auf Kontinuität gelegt. Ich habe hier das erste Mal richtig kennengelernt, was es heißt, mit dem Verein zu leiden. Auch wegen der ganzen Vorgeschichte.

Morgenpost Online: Sie scheinen sich viele Gedanken zu machen, nicht nur um Fußball. Sie studieren Stadtentwicklung an der TU. Wie schaffen Sie diese Doppelbelastung?

Michael Parensen: Ich bin kein Vollzeitstudent, das ist einfach nicht möglich. Der Fußball geht immer vor. Die Wege sind sehr weit, aber ich versuche an meinen freien Tagen zur Uni zu gehen. Schon alleine deswegen, um die Tage nicht zu vergeuden. Denn man hat ja trotz all dem Stress Freizeit, da will ich den Kopf einfach nicht komplett runterfahren. Das habe ich in Dortmund ein Jahr gemacht, da war ich total unzufrieden, ich bin damit nicht klar gekommen. Das Studium ist für mich eine Art Ausgleich.

Morgenpost Online: Auch ganz klassisch mit Büchern im Mannschaftsbus?

Michael Parensen: Klar, wir schauen auch mal einen Film, aber meistens nutze ich die Zeit für mich.

Morgenpost Online: Und, gibt es Neckereien?

Michael Parensen: (lacht) Natürlich. Ab und an gibt es einen Spruch, aber das ist nicht böse gemeint. Jeder hat etwas, womit man ihn aufziehen kann. Es darf nur nicht so weit kommen, dass man sich über die anderen stellt und sagt: Ich bin etwas Besseres. Das kommt natürlich schlecht an. Viele Kollegen sagen aber auch: Ich kann mir nicht vorstellen, drei Stunden im Bus ein Buch zu lesen. Ich bin aber so aufgewachsen.

Morgenpost Online: Wie lebt man als Mensch, der sich für Stadtplanung interessiert, in der Berlin?

Michael Parensen: Sehr gut! Man erfährt und erlebt viel. Auch wenn ich nicht in der Uni sitze, lerne und erfahre ich sehr viel. Sobald ich aus der Haustür gehe, prasseln ja schon hunderttausend Eindrücke auf mich ein. Man merkt überall, wie sich die Stadt verändert. Es ist sehr spannend, in Berlin zu leben. Die Stadt ist sehr dynamisch.

Morgenpost Online: Können Sie denn überhaupt noch durch die Stadt gehen, ohne zu denken: Das Haus ist hässlich, der Eingang zur U-Bahn ist zu eng, hier fehlen Bäume?

Michael Parensen: Ja, so in etwa ist das. Ich lese mir oft die Infotafeln durch, um zu sehen, was dahinter steckt, wenn irgendwo gebaut wird.

Morgenpost Online: Dann besuchen Sie doch mal die Bezirksvertretung von Köpenick und machen Vorschläge, wie sie die Anfahrtswege zur Alten Försterei etwas besser gestalten könnte…

Michael Parensen: …(lacht) Nein, auf gar keinen Fall! Ich bin hier immer noch als Fußballer angestellt, das gehört nicht zu meinen Aufgaben. Da gibt es genug Leute, die sich darüber den Kopf zerbrechen.