Das Ziel vor Augen, den Blick weit nach vorn – der 1. FC Union setzt derzeit alles daran, den Worten der Vereinshymne von Nina Hagen auch Taten folgen zu lassen. Und auch den Worten des Klubpräsidenten Dirk Zingler, der vor kurzem auf der Mitgliederversammlung angekündigt hat, verstärkt auf die Ausbildung des eigenen Nachwuchses zu setzen, „um Ablöse zu sparen“. Was liegt im Zeitalter unzähliger wie unsäglicher Castingshows also näher, als selbst eine Talentsuche zu veranstalten? Motto: USDS, Union sucht das Supertalent.

So fanden sich am Mittwochnachmittag drei Dutzend Jugendliche der Jahrgänge 2000 bis 2003 auf den Nebenplätzen des Stadions an der Alten Försterei ein, um unter den Augen von Nachwuchskoordinator Hermann Andreev und Unions Nachwuchstrainern ihr Können zu zeigen. Die rund 570000 Euro, die der Berliner ,Fußball-Zweitligist in dieser Saison für sein Nachwuchsleistungszentrum veranschlagt hat, wollen schließlich gut investiert sein.

Zählt Unions Talenteschuppen als Investition in die Zukunft, so ist es an den gestandenen Profis, der aktuellen Spielzeit zu einem positiven Verlauf zu verhelfen. Schon morgen gegen Fortuna Düsseldorf (18 Uhr, Alte Försterei) zum Beispiel. Die Partie gegen die Rheinländer ist der Auftakt zu den für Union entscheidenden Wochen in der Hinrunde. Denn mit der Fortuna sowie Schlusslicht FC Ingolstadt (28.November) und dem Tabellen-16. Karlsruher SC (20. Dezember) warten auf die Köpenicker in den letzten fünf Spielen des Jahres gleich drei direkte Mitkonkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. Ein Vorteil? Oder doch eher ein Nachteil ob des erhöhten Drucks, unbedingt punkten, ja gewinnen zu müssen, möchte man über Weihnachten ein paar besinnliche Tage genießen?

„Jede Mannschaft hat ihre Qualitäten“, sagt Trainer Uwe Neuhaus dazu. Und auch wenn er es nicht ausdrücklich hinzufügt, will er sein Team darin einbezogen wissen. Schließlich hat es schon gezeigt, dass es auch mit den Spitzenmannschaften der Liga nicht nur mithalten kann. Jeweils ein Punkt im Derby gegen Klassenprimus Hertha BSC und Überraschungsaufsteiger Erzgebirge Aue, dazu der Sieg gegen den MSV Duisburg – drei Partien, aus denen die Unioner Hoffnung für die kommenden Aufgaben schöpfen können.

Dass ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt mit Karim Benyamina Unions Torschütze Nummer eins zum Länderspiel der algerischen Nationalmannschaft in Luxemburg eingeladen wurde, passt so gar nicht in die Planungen der sportlichen Leitung. Denn Benyaminas Debüt für den WM-Teilnehmer, noch dazu von Beginn an, hinterlässt eine nicht zu unterschätzende Baustelle in der Union-Startelf. Wie fit kehrt Benyamina heute vom Trip aus Luxemburg zurück? Welchen Eindruck hinterlässt der 28-Jährige beim Abschlusstraining, das wie gewohnt am Tag vor einem Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet? Die Chancen für einen Einsatz von Beginn an erscheinen morgen gegen Düsseldorf jedenfalls sehr gering. Und richtige Alternativen sind rar gesät.

Variante Nummer eins, der Niederländer Santi Kolk, wird nach seiner erneuten Wadenverletzung (Einblutung) länger fehlen. „Für Kolk wird es ganz schwer, in diesem Jahr noch zu einem Einsatz zu kommen“, sagte Neuhaus. Zugang Halil Savran kämpft immer noch um seinen Durchbruch bei Union, und dass Neuhaus dem erst 17-jährigen Steven Skrzybski im brisanten Duell gegen Düsseldorf eine Chance von Beginn an gibt, darf stark bezweifelt werden. Bleibt nur noch Kenan Sahin, der es in dieser Saison auf elf Zweitliga-Minuten – auch wegen seines Mittelfußbruches – geschafft hat.

Doch ausgerechnet Sahin, den Neuhaus zuletzt ob dessen mangelnden Einsatzes sogar öffentlich tadelte („Die Trainingseindrücke sind nicht so, dass er uns weiterhelfen könnte“), drängt sich nun auf. „Vielleicht liegt das am Gegner“, orakelt der Coach. Sahin war im Januar 2009 im Unfrieden von Düsseldorf zum 1. FC Union gewechselt.

Zudem meldete sich auch Ahmed Madouni nach auskurierter Schulterverletzung wieder fit. Gut möglich also, dass es zusätzlich in der Innenverteidigung einen personellen Wechsel geben wird. Zumal Christian Stuff und Daniel Göhlert beim 1:2 in Frankfurt nicht wirklich überzeugten. „Dass es eine Änderung geben wird, kann ich mir schon vorstellen“, sagte Trainer Neuhaus.