Gegen Frankfurt

Union greift an und verliert

Der Aufwärtstrend des 1. FC Union ist nach zwei Erfolgen schon wieder verraucht. Die Berliner haben gegen den FSV Frankfurt verloren. Trainer Neuhaus kritisiert offen seinen Kapitän Mattuschka.

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Es hätte die Woche der guten Zahlen werden können für den 1.FC Union. Am Dienstag verkündete der Zweitligist noch stolz einen Gewinn von 1,32 Millionen Euro, gestern hätte es dann den dritten Sieg in Folge geben sollen. Nichts anderes wünschten sich zumindest die mitgereisten Fans, die vor Anpfiff ein Transparent entrollten, auf dem zu lesen stand: „Vermisste Gefühle weiter aufleben lassen – Auswärtssieg!“

Am Ende aber stand eine 1:2-Niederlage beim FSV Frankfurt, über deren Bewertung sich die Beteiligten nicht so recht einigen konnten. Während FSV-Manager Bernd Reisig von einem „verdienten Sieg“ sprach, protestierte Union-Kapitän Torsten Mattuschka: „Wir hatten einen Punkt verdient“. Und sein Trainer Uwe Neuhaus philosophierte: „Nicht die bessere Mannschaft hat gewonnen, sondern die geduldigere“. Dass die Niederlage der Eisernen in die Kategorie „unnötig“ fiel, hörte man freilich aus jedem Berliner Mund. Uwe Neuhaus sagte in kleinem Kreis, was er in der Pressekonferenz noch verschwieg: „Ich kann der Mannschaft eigentlich von der Einstellung her keinen Vorwurf machen. Sie hat von Anfang an attackiert und gestört und die Dinge umgesetzt, die ich gefordert habe.“

Mattuschka vergibt freistehend

Nicht ganz von Anfang an, gilt es einzuwenden. In Frankfurt kassierte Union schon nach 28 Sekunden ein Tor und wer an diesem Samstagmittag nur drei Minuten zu spät ins mit 3512 Menschen spärlich gefüllte Volksbank-Stadion gekommen war, der verpasste auch die prompte Antwort der Gäste. Auf Sascha Mölders' 1:0 nach einem Fehlpass von Dominic Peitz folgte der prompte Ausgleich durch John Jairo Mosquera nach Vorarbeit Torsten Mattuschkas. Daraus bezog der Kapitän in der Nachbetrachtung Optimismus: „Die Moral stimmt in dieser Mannschaft.“

Warum das Ergebnis letztlich nicht stimmte, darüber gab es aus Sicht von Neuhaus keine zwei Meinungen, und deshalb kann sich sein Kapitän noch auf ein paar warme Worte gefasst machen. „Mattuschkas Tändelei schrie buchstäblich nach Bestrafung und so kam es dann ja auch“, reflektierte der Trainer die Schlüsselszene der lebhaften Partie in der 62. Minute ungehalten. Benyamina hatte seinen Kapitän mit einem tödlichen Pass auf die Reise in den FSV-Strafraum geschickt, aber statt den Ball in das Tor zu schieben, drehte er Pirouetten, die Tribünen-Besucher an Eintracht Frankfurts Ballzauberer Jay Jay Okocha erinnerten.

Nur dass der Nigerianer den Ball anno 1993 gegen Oliver Kahn im Tor unterbrachte, während Mattuschka irgendwann frustriert zurückspielte. Eine Minute später fiel das Tor dann auf der anderen Seite – als N'Diaye Patrick Kohlmann versetzte und erneut Mölders die Flanke verwertete. Neuhaus nahm das seinem Kapitän persönlich übel: „Natürlich bin ich da sauer. Wenn ich frei vor dem Tor stehe, dann versuche ich das Ding rein zu machen und nicht noch 'nen Haken und noch 'nen Haken. Durch solche Dinge werden Spiele entschieden und das kann ich nicht akzeptieren.“

Kolk trifft nur den Pfosten

Auch der holprige FSV-Platz, auf dem drei Mannschaften regelmäßig spielen, wie sich Neuhaus von Kollege Hans-Jürgen Boysen berichten ließ, wurde in die Verantwortung genommen: „Jeder Ball über acht Meter springt Dir dreimal gegen das Schienbein und zehnmal gegen die Nase“. Daran gemessen kam doch ein recht beachtliches Spiel zustande, in das Neuhaus die zuletzt siegreiche Mannschaft schickte. Erstmals auswärts stand Marcel Höttecke im Tor, diesmal weit stärker gefordert als gegen Oberhausen und durchaus überzeugend. „Er hatte eine gute Ausstrahlung und keine Unsicherheiten. Insgesamt hat er ein gutes Spiel gemacht“, bescheinigte ihm sein Trainer, bei den Toren von Mölders war er machtlos. Doch hätte Joker Santi Kolk einfach ein bisschen mehr Glück gehabt, hätte es gewiss weniger betretene Mienen bei Union gegeben. Nach Pass des häufig unkonzentrierten Karim Benyamina schoss er aus fünf Metern nur an den Pfosten (81.).

Für die tapfer bis zuletzt singenden Union-Fans hatte der Nachmittag nur ein Gutes: Der Regional-Express nach Berlin, so wurde es im Stadion zumindest durchgesagt, wartete extra zehn Minuten auf sie. Es hielt die Köpenicker dann auch nichts mehr in Frankfurt, wo Union sein altes Auswärtsgesicht gezeigt hatte.