1. FC Union

Stürmer Benyamina am Tiefpunkt seiner Karriere

Der Stürmer steckt in einer Krise: erst kein Länderspiel, dann auch noch Ersatzbank im Spiel gegen Duisburg. Trainer Neuhaus macht ihm Druck.

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Normalerweise gehört Karim Benyamina zu der Sorte Fußballprofis, die nie um eine Antwort verlegen sind. Er stellt sich nach Niederlagen den Journalisten und hat selbst dann häufig den einen oder anderen Scherz auf den Lippen. Interviews mit ihm haben unter Garantie einen hohen Unterhaltungswert. Am Dienstag jedoch ließ er die wartende Schar an Reportern einfach stehen und gab bekannt, er werde heute keine Fragen beantworten. Ungewöhnlich, aber in seiner Situation durchaus verständlich. Denn das Spiel in Duisburg, als er erst in der Nachspielzeit und damit so spät wie noch nie eingewechselt worden war, markierte den bisherigen Tiefpunkt einer Krise, die nun schon einige Wochen anhält.

Wurde noch im Januar darüber spekuliert, seine guten Leistungen wie auch seine Berufung in die algerische Nationalmannschaft könnten ihn zu teuer für den 1. FC Union machen, verfolgt er die Spiele derzeit meistens von der Bank aus. „Die Entstehung war klar, mit seiner Krankheit hatte er Rückstand“, erklärt Uwe Neuhaus. Sicher, der 29-Jährige fiel Anfang des Jahres wegen eines Infektes aus. Danach aber bekam er seine Einsatzgarantie zurück, auch wenn seine Kraft zunächst nicht für 90 Minuten reichte. „Er hatte seine Chance, als er gegen Hertha eingewechselt wurde“, sagt Neuhaus. Dann spielte er gegen Osnabrück über die volle Zeit, präsentierte sich aber ideenlos und längst nicht so angriffslustig wie Mitte der Hinrunde. Da gelangen ihm binnen fünf Spielen vier Tore und eine Vorlage. Damals war er gesetzt. Jetzt drückt die Konkurrenz.

Santi Kolk ist wieder fit und bewies seinen Torriecher jüngst gegen Osnabrück, John Jairo Mosquera traf im Derby gegen Hertha. „Wir haben Stürmer mit absolutem Niveau, da ist Druck da. Das habe ich ihnen auch gesagt“, sagt Neuhaus, „Leistung wird am Ende belohnt.“ Dabei sah es Anfang des Jahres so aus, als sollte das auch für Benyamina gelten. Abgesehen von seinem Infekt freute er sich über die zweite Einladung für ein Spiel der algerischen Nationalmannschaft. Das hätte am 9. Februar in Algier gegen Tunesien stattfinden sollen. Dann aber brachen die Unruhen in Nordafrika aus, und das Spiel wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Und damit fehlte die große Bühne, um auf sich aufmerksam zu machen. Denn Benyaminas Vertrag läuft am Ende der Saison aus, bis vor kurzem lag noch kein Angebot des Vereins vor.

Doch es wäre verfrüht zu vermuten, dass die Zeichen auf Abschied stehen. Denn zumindest der Verlauf der Hinrunde gibt Anlass zur Hoffnung. Schon da hatte sich Trainer Neuhaus mit Benyamina nicht so geduldig wie mit Mosquera gezeigt, den er beharrlich einsetzte, obwohl der reihenweise beste Chancen vergab. Stattdessen war es eben Benyamina, den Neuhaus öffentlich kritisierte. Sein Stürmer antwortete mit einem Leistungsschub. Gut möglich, dass Neuhaus ähnliches im Sinn hat, wenn er Benyamina erneut so unter Druck setzt. Sollte er mit seiner Taktik Erfolg haben, wird sein Stürmer sicher bald das Schweigen brechen. Denn dafür ist er meistens einfach zu gut gelaunt.