Zweite Liga

Union erleidet gegen Osnabrück Rückschlag

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Michael Färber und Martin Kleinemas

Foto: dpa / dpa/DPA

Nach dem Berliner Derbysieg hat Union den Alltagstest nicht bestanden. Die Berliner kamen zu Hause gegen den VfL Osnabrück nicht über ein 3:3 hinaus. Mattuschka scheitert vom Elfmeterpunkt.

Wieder sangen sie sein Lied. „Torsten Mattuschka, du bist der beste Mann“, hallte es durch die Alte Försterei. Wieder war es der Kapitän des 1. FC Union, den die Fans auserkoren hatten, dem sie ihre Zuneigung widmen wollten. Nur der Anlass, der war ein anderer. Der Held des Derbys gegen Hertha BSC, der mit seinem Sieg-Freistoß vor einer Woche die gesamte Union-Gemeinde in helle Aufregung versetzt hatte, jener Mattuschka wurde sechs Tage nach dem Triumph im Olympiastadion nun im Heimspiel gegen den VfL Osnabrück zum tragischen Helden.

Sein Elfmeter hätte die Partie zu Gunsten der Berliner entscheiden können, ja müssen. Es sollte nicht sein, der Mittelfeldspieler zimmerte den Ball über das Tor, Union spielt 3:3 (0:1) gegen Osnabrück – die Derbyhelden, wie sie von ihrem Anhang während der Verlesung der Mannschaftsaufstellung noch einmal gefeiert wurden, sind wieder auf dem harten Boden des Zweitliga-Alltags gelandet.

„Das ist bitter. Es tut mir wirklich leid für die Truppe“, suchte Mattuschka hinterher nach einer Erklärung, warum dieser Schuss, der ihn erneut zum strahlenden Matchwinner hätte machen können, nicht den Weg ins Tor gefunden hat. „Ich wollte ihn eigentlich in die linke Ecke schießen, bin dann aber in Rücklage gekommen“, erklärte der 30-Jährige die Aktion drei Minuten vor dem Ende. Sein Blick ging dabei zu Boden. Die Worte seines Trainers werden da kaum Balsam für Mattuschka gewesen sein. „So dicht liegen Freud und Leid beieinander“, sagte Uwe Neuhaus.

Der Fehlschuss entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Denn genau auf jenes Tor vor dem Union-Fanblock, das gemeinhin auch gern als „Zuckertor“ bezeichnet wird, hatten die Unioner noch am Tag zuvor während des Abschlusstrainings Elfmeter geübt. Sechsmal war Mattuschka da angetreten, sechsmal hatte er verwandelt, obwohl er bei den ersten beiden nicht die Konzentration an den Tag legte, die sich der Trainer in solchen Situationen von seinen Spielern, vor allem von seinem Kapitän, wünscht. Die Sicherheit beim Strafstoß „sollte man sich im Training holen“, sagte Neuhaus, Mattuschka müsse zwei Schusstechniken parat haben und solle sich dabei „auf seine Stärken besinnen“.

Mattuschkas Stärken bekamen die 14.074 Zuschauer in den 90 Minuten zuvor zu sehen. Genauer gesagt in der letzten halben Stunde, in denen sich Unions Nummer 17 als unermüdlicher Antreiber präsentierte. Denn 60 Minuten lang sah Union wie der sichere Verlierer aus. Es ist bezeichnend, wenn die Zuschauer in der Alten Försterei kurz vor und auch nach dem Halbzeitpfiff „Aufwachen, aufwachen“ skandieren.

Kaum ein Pass kam an, dem Offensivspiel fehlte es an Ideen und auch von großem Kampf, den Union beispielsweise den Herthaner geliefert hatte, war lange nichts zu sehen. Die einzige Chance vergab Karim Benyamina aus sieben Metern bereits in der fünften Minute.

Trainer Neuhaus hatte mit Benyamina, Santi Kolk und John Jairo Mosquera drei Spitzen aufgeboten – die Tore schossen jedoch die Gäste. In der 33.Minute übertölpelte Sebastian Tyrala die vor sich hin dösende Union-Abwehr mit einem flach gespielten 30-Meter-Freistoß in den Strafraum, Tobias Nickenig reagiert am schnellsten und spitzelte den Ball an Torwart Marcel Höttecke vorbei, 0:1. Und kurz nach der Halbzeit zirkelt Tyrala einen Freistoß aus 20 Metern über die Union-Mauer und an Höttecke vorbei ins Tor, 0:2. „Da hätten zwei Torhüter drin stehen können, der war genial getreten“, sagte Neuhaus. Was dann passierte, beschrieb VfL-Trainer Karsten Baumann wie folgt: „Das war ein Spiel, das wir eigentlich schon gewonnen hatten, dann verloren, dann hatten wir das Unentschieden sicher und am Ende doch wieder nicht.“

Es entwickelte sich ein „unfassbares Spiel“ (Baumann). In nur 78 Sekunden hatte Union ausgeglichen. Durch den langen Christian Stuff, der nach einer Mattuschka-Ecke einköpfte (62.). Und durch Santi Kolk, den die Osnabrücker nach einer Ecke schlicht übersehen hatten. Überlegt schob der Niederländer zu seinem vierten Saisontreffer ein. Später sagte er: „Wenn man das ganze Spiel betrachtet, hatten wir es nicht verdient zu gewinnen.“

Dabei war der Sieg zum Greifen nah. Es war Chinedu Ede, der die Alte Försterei mit seinem 3:2 in ein Tollhaus verwandelte. Ein Mattuschka-Freistoß war zuvor von Dominic Peitz und Daniel Göhlert verlängert worden. Ede, der nach seiner Einwechslung in der in der 58. Minute das Offensivspiel sichtlich belebte, blieb vor Gäste-Keeper Tino Berbig eiskalt. „Und dann unterläuft Göhlert, der ein gutes Spiel gemacht hat, so ein Fehler“, ärgerte sich Neuhaus sichtlich über das 3:3. Unions Innenverteidiger war weggerutscht, Nicky Adler war auf und davon und ließ Höttecke keine Chance (78.).

Es folgte das Elfmeter-Drama nach einem Handspiel von Björn Lindemann. Doch Mattuschka wäre nicht Mattuschka, wenn er nicht auch nach seinem Fehlschuss die passende Antwort parat hätte. „Den nächsten schnappe ich mir wieder und haue ihn rein“, kündigte er an.

Der Gesang der Fans ist ihm dann erneut sicher.