Vom Derbyhelden zur tragischen Figur – Torsten Mattuschka (30) hat in wenigen Tagen die gesamte emotionale Bandebreite des Profifußballs erlebt. Morgenpost Online sprach mit dem Kapitän des Zweitligisten 1. FC Union über Fehlschüsse und seine langfristigen Pläne.
Morgenpost Online: Haben Sie das Elfmeter-Drama gegen Osnabrück schon verarbeitet, Herr Mattuschka?
Torsten Mattuschka: (lacht) Na klar. Ich habe einfach nicht mehr so oft dran gedacht. Sicher ärgert man sich ein, zwei Tage darüber. Aber es muss ja weitergehen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich mich am meisten darüber geärgert habe.
Morgenpost Online: Die Fans haben Sie trotzdem ausgiebig gefeiert. Wie gehen Sie damit um?
Torsten Mattuschka: Das ist natürlich Anerkennung pur für die Leistung, die ich die Jahre über gebracht habe. Das habe ich mir auch ein Stück weit erarbeitet. Dass es überhaupt ein Lied über mich gibt, macht unheimlich stolz.
Morgenpost Online: Braucht man in einer solchen Situation nicht auch einmal negatives Feedback von den Fans, um sich selbst noch stärker wieder motivieren zu können?
Torsten Mattuschka: Wenn sie gepfiffen hätten, wäre das auch verständlich gewesen. Das ist doch ganz normal. Aber unsere Fans sind – wie ich immer sage – positiv bekloppt. Das sieht man immer wieder, wenn sie uns nach vorne peitschen. Und ich schieße ja nicht mit Absicht daneben, dass wissen sie. Wenn sie dann mal ihren Unmut zeigen, so wie gegen Paderborn, als es Pfiffe gab, ist das nachvollziehbar. Die Fans kommen ins Stadion, bezahlen einen Haufen Geld und wollen uns siegen sehen.
Morgenpost Online: Die Elfmetersituation hat gezeigt, dass Sie bereit sind, noch stärker Verantwortung zu übernehmen. Ist das manchmal vielleicht mehr Last als Lust?
Torsten Mattuschka: Nein, ich nehme die Verantwortung gern an, das habe ich vorher auch getan. Früher habe ich die Elfmeter auch geschossen, obwohl ich nicht Kapitän war.
Morgenpost Online: Trotzdem wirken Sie auf dem Platz noch präsenter. Inwiefern hat dabei Ihre Ernennung zum Kapitän beigetragen?
Torsten Mattuschka: Als Kapitän muss man noch positiver auf dem Platz sein. Bei manchen Spielern ist da schon so ein „Oh, was macht der Kapitän jetzt“, oder wenn ich etwas sage, dann hat das noch mehr Gewicht. Wichtig ist, dass man positiv ist, wenn es schlecht läuft. Wenn jemand einen Fehler gemacht hat, dann weiß es derjenige, da braucht man nicht noch drauf rumhacken. Natürlich kann man auch mal dazwischenhauen, um jemanden wachzurütteln. Ich versuche, immer vorne wegzugehen.
Morgenpost Online: Hat Ihr neues Verantwortungsbewusstsein auch damit zu, dass Sie seit sieben Monaten Vater einer Tochter sind?
Torsten Mattuschka: Das kommt sicher mit dazu und ist natürlich eine schöne Verantwortung.
Morgenpost Online: Erzählen Sie, wie es ist, wenn Sie von der Showbühne Profifußball in den Alltag Familie heimkehren.
Torsten Mattuschka: Das ist ein schönes Gefühl. So wie am Morgen nach dem Osnabrück-Spiel. Man nimmt morgens die Kleine aus dem Bett, und sie lacht dich an. Dann vergisst man alles andere.
Morgenpost Online: Sie sind seit 2005 bei Union, werden die Fans denn auch künftig Ihr Lied singen können? Ihr Vertrag läuft im Sommer aus, und es heißt, unter einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag fehle nur noch die Unterschrift.
Torsten Mattuschka: Es gibt noch einige Unstimmigkeiten mit der Laufzeit, aber ich gehe schon davon aus, dass wir das irgendwie hinkriegen.
Morgenpost Online: Sie sind jetzt 30 Jahre alt. Könnten Sie sich vorstellen, bei einem anderen Klub neu anzufangen, vielleicht in der Bundesliga?
Torsten Mattuschka: Also wenn jetzt die Bundesliga kommen würde… Ich weiß natürlich, dass ich nicht mehr so viele Jahre als Profifußballer habe. Und wenn jetzt jemand kommen und das Doppelte oder Dreifache bieten würde, dann überlegt man vielleicht. Aber wenn ich für 2000 Euro mehr woanders spielen soll, würde ich bestimmt nicht gehen. Das weiß der Verein. Ich bin ein Typ, der sich wohl fühlen muss, und das ist bei Union der Fall. Ich weiß, dass ich ein gestandener Zweitliga-Spieler bin und woanders spielen könnte. Aber, wie gesagt, ich hoffe, man einigt sich, und dann ist das Thema hoffentlich bald vom Tisch.





