Plötzlich tauchten sie wieder auf, die Trophäenjäger, auch noch zehn Tage nach dem Derby. Waren die begehrten Derbyshirts vergangene Woche bei einer Auflage von 1200 Exemplaren binnen weniger Stunden vergriffen, hatte sich der 1. FC Union dazu entschlossen, noch einmal nachzudrucken. Und so bevölkerte auch gestern wieder eine große Schar Fans den Laden im Forum Köpenick, um eines der begehrten Shirts mit dem Konterfei der Derby-Torschützen Torsten Mattuschka und John Jairo Mosquera zu ergattern.

Praktisch gleichzeitig rackerte sich rund einen Kilometer südwestlich ein Unioner ab, der zwar auf dem T-Shirt nicht zu sehen ist, aber dennoch mit seinen Offensivaktionen einen erheblichen Anteil an der ordentlichen Ausbeute von vier Punkten aus den letzten beiden Spielen hat: Innenverteidiger Christian Stuff. Hatte er sich gegen Hertha mit seinem Pass zu Mosqueras Ausgleich noch damit begnügt, sich in die Scorererliste einzutragen, traf er gegen Osnabrück zum wichtigen Anschlusstreffer. Danach knallte er den Ball mit einem fulminanten Schuss noch an die Latte. „Mein linkes Bein ist schließlich nicht nur zum Stehen da“, scherzte er nach dem Spiel. Stuff, so scheint es, zieht es immer mehr zum gegnerischen Tor. „Ich freue mich, dass es endlich geklappt hat. Die Vorlage gegen Hertha ist sicher etwas schmeichelhaft, aber das Tor wurde langsam mal wieder Zeit“, sagt Stuff, meint aber auch: „An sich spiele ich nicht offensiver als sonst auch.“ Vielleicht, das räumt er bescheiden ein, kämen ein paar gute Aktionen zusammen.

Sein Trainer sieht vor allem die Tatsache mit Genugtuung, dass er endlich auch mal per Kopf erfolgreich war. „Stuff ist schon eigenartig, normalerweise müsste er noch viel mehr Kopfbälle vorne bekommen und mehr Torgefahr ausstrahlen“, sagt Uwe Neuhaus über seinen Verteidiger. Hintergrund: Stuff spielte einst als Stürmer, „er hat auch noch nicht alles verlernt“, wie Neuhaus bemerkt. Im Torschusstraining habe er stets eine gute Quote. „Da müssen wir weiter dran arbeiten“, fordert er deshalb. Das tat gestern auch Dominic Peitz. Nach dem Training ließ er sich einige Flanken schlagen und netzte per Kopf ein. Einen speziellen Anlass habe es nicht gegeben, betonte der Antreiber hinterher. „Aber es stimmt schon: Mit dem Kopf haben wir bisher zu wenig Tore gemacht. Aber ich arbeite dran“, sagte er. Doch auch er war zuletzt zweimal mit Kopfbällen an Toren beteiligt. Trotzdem findet Stuff: „Bei Standards könnten wir noch mehr reißen. Jetzt haben wir mehrfach auf diese Weise getroffen, da sind wir auf einem guten Weg.“ 1,96 Meter (Peitz) und 1,98 (Stuff) – da könnte wirklich etwas gehen gegen die Duisburger Hintermannschaft, in der Innenverteidiger Bruno Soares mit 1,91 Meter der einzige große Spieler ist. Neuhaus wird seine langen Kerls also ermutigen, weiter mit nach vorne zu gehen. Besonders Stuff: „Klar hofft man, dass er einen kleinen Lauf bekommt“, sagt Neuhaus.

Brunnemann soll angehört werden

Ganz andere Sorgen hat derzeit offenbar Björn Brunnemann im Zuge des Wettskandals. Kürzlich war gemutmaßt worden, er habe 2008 seinen damaligen Mitspieler beim FC St. Pauli, Rene Schnitzler, zu einem Treffen mit einem mutmaßlichen Wettpaten in die Niederlande begleitet. Schnitzler hatte zuvor gestanden, Geld von der Wettmafia angenommen zu haben. Nach einem Bericht der „Sport Bild“ soll Brunnemann nun vom DFB-Kontrollausschuss zu einer Anhörung geladen worden sein. Dem Bericht nach sei der Termin aber wegen „Terminschwierigkeiten“ seines Anwalts geplatzt. Eine durchaus plausible Erklärung, weshalb dem Mittelfeldspieler vorerst auch keine Konsequenzen drohen. Der DFB bestätigte auf Anfrage von Morgenpost Online nur, mit allen Beteiligten in Kontakt zu stehen – ob Brunnemann dazu gehört, blieb offen.