Viel mehr als die Augen waren nicht zu erkennen. Als Ahmed Madouni am Dienstag zum Training seines 1. FC Union auflief, bedeckte nicht nur eine Mütze den Kopf des Innenverteidigers, er hatte sich zusätzlich noch eine Art Schal umgebunden und bis über den Mund nach oben gezogen. Er wollte wohl auf Nummer sicher gehen, sich bei dem eisigen Wind, der am Dienstag auch die Alte Försterei umwehte, nicht gleich wieder zu erkälten. Kein Wunder, liegt doch bisher eine Saison hinter ihm, die nur im ersten Teil als erfolgreich bezeichnet werden kann und spätestens seit November zu einem Albtraum verkommen ist. Erst verletzte er sich an der Schulter, dann brach er sich das Wadenbeinköpfchen – und schon verschwand der prominenteste Zugang von der Bildfläche. Das Spiel gegen Düsseldorf war sein bisher letztes. Jetzt ist er also wieder da, und nach seiner ersten Einheit ließ er wissen: „Es ist alles okay, es läuft gut.“
Gerade rechtzeitig, könnte man anfügen. Denn weil Daniel Göhlert nach seiner fünften Gelben Karte beim Spiel in Duisburg (Sonnabend, 13 Uhr) gesperrt ist, könnte Madouni sofort in die Startelf rücken. Sein Trainer gibt sich zwar noch etwas bedeckt. „Ich will die Trainingseindrücke erst noch abwarten“, sagt Uwe Neuhaus. Immerhin: Den mittlerweile vierten Laktattest am Montag hatte der Algerier ohne Probleme absolviert.
Neuhaus hat ohnehin kaum Alternativen. Sicher, in Bernd Rauw steht noch genau ein etatmäßiger Innenverteidiger bereit. Doch weder Neuhaus' Aussagen zu seinem Leistungsstand („Er hat mit seinen Verletzungsproblemen auch länger nichts gemacht“), noch die Tatsache, dass Rauws Vertrag am Ende der Saison ausläuft, sprechen für diese Variante. Für eine kurzfristige Kompensation stünde sonst nur U23-Kapitän Stephan Gill zur Verfügung.
Am Ende wird es der bundesligaerfahrene Madouni richten müssen. Und setzt damit auch irgendwie die unendliche Geschichte der Rotation in der Innenverteidigung fort. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Neuhaus schon seit Wochen bemängelt, immer wieder mit Spielern antreten zu müssen, die nicht vollends fit sind. Schon gegen Osnabrück saß Madouni auf der Bank – aber nur für einen Noteinsatz kurz vor Schluss. „Er war im Kader für die letzten fünf oder zehn Minuten, falls wir einen Vorsprung verteidigen müssen oder wenn dann hinten einer ausgefallen wäre“, sagte der Trainer, „Er hat noch keinen Rhythmus, zu wenig Praxis.“ Vor allem dieses letzte Argument möchte der 30-Jährige nicht hören. „Nach zwei Monaten muss die Spielpraxis auch erst mal wiederkommen“, sagt Madouni.
Der Trainer wird mit der Aufstellung vielleicht sogar eine Vorentscheidung für die nächsten Jahre fällen. Denn neben Rauws Kontrakt läuft auch der Vertrag von Göhlert aus, die Verhandlungen laufen. Dass Göhlert in der heißen Phase des Pokers nun ausgerechnet in dem Moment gesperrt ist, da Madouni zurückkehrt, könnte ihn auf längere Sicht aus der ersten Mannschaft katapultieren. Denn neben Madouni ist Christian Stuff gesetzt. Der 28-Jährige verlängerte kürzlich seinen Vertrag und strotzt derzeit nur so vor Selbstvertrauen. Sollte Madouni also ordentlich spielen und verletzungsfrei bleiben, könnte er das endgültige Ende des Aufstiegsduos Stuff/Göhlert besiegeln.
Parensen zwickt noch das Knie
Für Neuhaus aber steht nur das Spiel in Duisburg im Mittelpunkt, er hat keinen Raum für solche Planspiele, er braucht voll einsatzfähige Kräfte. So nahm der Trainer denn auch erleichtert zur Kenntnis, dass Michael Parensen ohne schlimmen Befund von einer Reise zu einem Kniespezialisten in Köln zurückkehrte. Das ist für den 24-Jährigen an sich nicht gut, ihn plagen weiter leichte Schmerzen. Einem Einsatz andererseits steht zumindest aus medizinischer Sicht nichts im Weg. „Das Knie ist frei und sauber, kaputt ist nichts“, sagt Neuhaus. Gut möglich also, dass in Duisburg Parensen und Madouni nach fast fünf Monaten endlich wieder gemeinsam auf dem Platz stehen.





