Derbysieg

Mattuschka ist das Herz des 1. FC Union

Seit Wochen befindet sich Unions Kapitän Torsten Mattuschka in Vertragsverhandlungen. Mit dem Siegtor im Derby gegen Hertha verbessert sich seine Position nun. Der Verein wird ihm wohl kaum mehr nur einen Einjahresvertrag anbieten.

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Den Tag nach seinem großen Auftritt verbrachte Torsten Mattuschka mit seiner Familie. Am Vorabend, nach dem 2:1-Sieg im Derby gegen Hertha BSC, hatte es noch eine spontane Feier mit der Mannschaft gegeben. Und Mattuschka, der Schütze des Siegtores, stand natürlich im Mittelpunkt, ob er wollte oder nicht.

Der freie Tag aber gehörte ganz seiner Frau Susanne und Töchterchen Miley. Zeit und Gelegenheit für den 30-Jährigen zu realisieren, was da im Olympiastadion eigentlich passiert war. Sicher, der gebürtige Cottbuser ist schon lange der Liebling des Anhangs, der ihm schon vor Monaten den „Torsten-Mattuschka-Song“ dichtete, ein Lied, das die Fans vor jedem Freistoß singen. Doch seit Sonnabend ist Mattuschka gewissermaßen unsterblich und hat jetzt einen Kultstatus erreicht wie einst Steffen Baumgart oder Daniel Teixeira. „Das ist schön“, sagt er bescheiden, „aber ich habe mir diesen Status auch hart erarbeitet in den letzten Jahren.“

Umso erstaunlicher ist, dass sich der Kapitän seit Wochen im Vertragspoker befindet. Offiziell ist darüber zwar nichts bekannt, doch dem Vernehmen nach soll der Klub bislang nur einen Einjahresvertrag angeboten haben, Mattuschka soll auf eine längere Laufzeit drängen. Verständlich wäre es, denn in seinem Alter muss er genau abwägen. Der nächste Vertrag könnte für ihn vielleicht schon die letzte große Gelegenheit sein. Als „Schlüsseljahr“ bezeichnet er diese Saison deshalb auch für sich selbst. Teammanger Christian Beeck, der sich generell mit Wasserstandsmeldungen zu Verhandlungen bedeckt hält, erklärte schon vor Wochen, es gebe „keine Automatismen“ für verdiente Spieler.

Beeck spricht vom Stellenwert

Gestern jedoch ließ er gegenüber Morgenpost Online durchblicken, dass der Klub ein gesteigertes Interesse an einer Verlängerung hat. „Torsten Mattuschka ist unser Kapitän und hat einen gewissen Stellenwert in der Mannschaft. Wir werden ihn so behandeln, wie er das verdient hat“, sagte er. Heißt wohl: Mattuschkas Chancen haben sich verbessert.

Denn längst geht es nicht mehr nur um emotionale Argumente, die für eine baldige Verlängerung sprechen. Auch die harten Fakten sind auf Mattuschkas Seite. Zwar traf er in dieser Saison erst dreimal, (dass er es öfter kann, zeigte er bereits im Vorjahr mit zehn Treffern), aber seine Tore waren jeweils wegweisend oder gar spielentscheidend. So gesehen hat Mattuschka seinem Klub schon neun Punkte gesichert. Hinzu kommen noch drei Vorlagen, von seinen Fähigkeiten, eine Mannschaft zu motivieren und mitzureißen, ganz zu schweigen.

Es ist stets Mattuschka, der sich nach Niederlagen den Journalisten stellt, und er ist es auch, der Stärken und Schwächen seines Teams schonungslos auf den Punkt bringt. „Gegen Osnabrück heißt es für uns nachzulegen, sonst war der Sieg gegen Hertha nichts wert. Man sieht, dass wir nur über unsere Willenstärke ins Spiel finden“, sagt er etwa aller Derby-Euphorie zum Trotz. Mund abwischen, weitermachen, das ist seine Devise. Mehr Identifikation mit dem Klub geht bei Union nicht.

Ein Treffer für die Ewigkeit

Auch gegen Hertha zeigte er das. In der ersten Hälfte fand er noch überhaupt nicht ins Spiel, doch im zweiten Durchgang nahm er die Geschicke mehr und mehr in die Hand. Als Anspielstation im Mittelfeld gab er seinen Mitspielern vor allem eines: Sicherheit. Eine Rolle, in die er nach seinem Wechsel von Energie Cottbus (2005) erst hineinwachsen musste. Höhepunkt der internen Anerkennung war sicher die Ernennung zum Kapitän vor dieser Saison, die für viele längst überfällig war. Mattuschka, das ist offensichtlich, ist zu einem echten Führungsspieler gereift.

Der Klub hat das erkannt und beginnt damit, die Mannschaft um ihn herum aufzubauen. Die Verträge mit Christoph Menz und Christian Stuff wurden verlängert, mit Dominic Peitz wird verhandelt. Alles rund um den Dreh- und Angelpunkt Mattuschka, gewissermaßen das Herz des Teams. Wer ihn kennt, der weiß, dass Mattuschka nicht für ein paar Euro mehr den Klub wechselt, um sich auf die Bank zu setzen. Sein Status bei den Fans, die er „im positiven Sinne bekloppt“ nennt, ist ihm dafür viel zu bewusst.

Dennoch spielt der Verein mit dem Feuer, sollte er seinem verdienten Spieler tatsächlich nur einen Jahresvertrag angeboten haben. Zumal Mattuschka schon vor der Saison ankündigte, für alle Möglichkeiten offen zu sein und er es sich gut vorstellen könnte, für einen anderen Klub zu spielen. Andererseits sprach er auch schon davon, seine Karriere bei Union beenden zu wollen. „Den Rest sollen jetzt die Berater klären“, sagt er. Am Ende werden sich die Parteien wohl einigen. Seinen Platz in den Geschichtsbüchern hat sich Torsten Mattuschka in jedem Fall schon gesichert.