Zweite Liga

Unions Kolk hofft auf ein Kurz-Comeback

Endlich ist er wieder da: Unions Edeltechniker Santi Kolk könnte beim Rückrundenauftakt gegen Aachen ins Team zurückkehren. Dabei verzichtet er auf seinen über Köpenick hinaus bekannten Vollbart.

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Seinen Vollbart hat er wieder abrasiert. Santi Kolk setzt auf seinem Weg, der mit dem Zweitliga-Comeback im Trikot des 1. FC Union enden soll, nicht auf Aberglauben. Vielleicht auch, weil die Haarpracht, die er bis zu seinem nächsten Pflichtspieltor stehen lassen wollte, möglicherweise zu lang geworden wäre. Stattdessen setzt der Niederländer auf harte Arbeit. Und auf seinen großen Willen, es zurück in die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus zu schaffen. Dass er auf dem richtigen Weg ist, bewies der Härtetest vor dem Rückrundenstart am Freitag gegen Alemannia Aachen (18 Uhr, Alte Försterei). Auch wenn er gegen den FK Teplice nur eine halbe Stunde ran durfte.

„Das war mit dem Trainer und der medizinischen Abteilung so abgesprochen“, sagt Kolk. Gemeinsam hatten sie überlegt, was das Beste ist. Keine Spur von Groll, dass die Mitrekonvaleszenten Torsten Mattuschka und Michael Parensen von Beginn an 60 Minuten lang Spielpraxis sammeln durften. Erleichterung und Freude beherrschen Kolks Gemütszustand: „Super, dass ich wieder auf dem Platz stehen konnte. Es hat lange gedauert.“ Von zwei Kurzeinsätzen im November einmal abgesehen, war der 29-Jährige seit Ende September zum Zuschauen verurteilt. Erst zwang ihn ein Muskelfaserriss zur Pause, dann eine Einblutung in die Wade. Wie wichtig Kolk für das Spiel der Köpenicker ist, zeigt ein Blick in die Statistik: In seinen lediglich acht Einsätzen brachte er es auf immerhin drei Treffer, darunter das 1:1 im Derby gegen Hertha BSC. Ein Tor, das seine Sympathiewerte bei den Fans in die Höhe hat schnellen lassen. Zudem ist er hinter Karim Benyamina (fünf Tore) der zweitbeste Schütze der Berliner.

Nun ist das so eine Sache mit der Geduld bei Fußball-Profis. Schon so mancher Kicker stieg zu früh wieder ins normale Training ein, statt sich noch ein wenig mehr Regeneration zu gönnen. Wie soll er auch, wenn er seine Teamkollegen, die im vollen Einsatz um einen Platz in der Startformation kämpfen, ständig vor der Nase hat. Kolk löste das Problem auf seine Weise – und reiste für einige Wochen in seine Heimat. Vertraute Umgebung, dazu Familie und Freunde waren das perfekte Umfeld für den Offensivmann, um seine Wade ausheilen zu lassen. „Die Gefahr, dass die Verletzung wieder aufbricht, ist viel zu groß, wenn man zu früh einsteigt”, sagt Kolk. Deshalb der leichte Aufgalopp gegen Teplice.

Auch wenn hier deutlich zu sehen war, wie sehr es Kolk zurück auf den Rasen zieht. Zwei Torschüsse, die knapp ihr Ziel verfehlten, wurden ebenso mit verärgerter Miene quittiert wie fehlende Abspiele seiner Nebenleute. Kolk wollte unbedingt zeigen, dass Neuhaus bald wieder auf ihn setzen kann. Und dass er mehr ist als nur eine Alternative. Der Coach registrierte seinen Kurzeinsatz mit Wohlwollen. „Da waren schon einige Läufe dabei, die die maximale Sprintfähigkeit erfordern“, sagte Neuhaus. Und fügte die oberste Maxime hinzu: „Für ihn ist nur wichtig, dass die Wade hält.“

Sie hält, bestätigt Kolk: „Ich habe keine Probleme.“ Das Einzige, was ihm fehle, „ist noch mehr Training mit der Mannschaft“, um die Abstimmung wieder zu optimieren. Insofern haben die vergangenen Tage der Vorbereitung aufgrund der widrigen Bedingungen nicht wirklich etwas zur Verbesserung seiner Situation beitragen können. Was seinen Kurzeinsatz am Sonntag noch wertvoller erscheinen lässt.

Auch die Mannschaft wartet auf die Rückkehr des technisch versierten Niederländers. „Sicher ist er wichtig“, sagt Kapitän Mattuschka, „schon weil der Trainer mit ihm viel mehr Möglichkeiten hat.“ Gegen die Tschechen setzte ihn Neuhaus dort ein, wo er den offensiven Mittelfeldspieler am ehesten sieht: im Angriff. Dort, wo es mit Benyamina, John Jairo Mosquera und Halil Savran ohnehin kein Überangebot gibt. Doch mit Kolk wird auch in vorderster Front der Konkurrenzkampf wieder größer. An einen Einsatz gegen Aachen von Beginn an ist dennoch nicht zu denken. „Das kommt sicher zu früh“, sagt Kolk. Ein Teileinsatz ist jedoch keine Utopie. Das hat das Testspiel gegen Teplice bewiesen.