Die Glückwünsche zu seinem 23. Geburtstag nahm er ein wenig verlegen hin. So als sei es ihm fast unangenehm, dass er schon wieder im Mittelpunkt steht. Dabei hat John Jairo Mosquera allen Grund für ein Stück mehr Selbstbewusstsein. Permanente Rückendeckung durch seinen Trainer Uwe Neuhaus, Lob von Aachens Trainer Peter Hyballa, und gleich im ersten Pflichtspiel des noch jungen Jahres ein Tor – das macht Mut für die kommenden Wochen und Monate.
Bevor jetzt Euphorie ausbricht, sei ein kleiner Rückblick gestattet. Januar 2010, Union schlägt Oberhausen durch das Siegtor von Mosquera. Die Hoffnung, Union hätte wieder einen echten Torjäger, erstarben jedoch schnell. Denn in den restlichen 16 Partien der Rückrunde 2009/10 ging Mosquera leer aus. Ein Jahr später ist es wieder Mosquera, der den Sieg zum Rückrundenstart sichert. Ist die Herrlichkeit des Kolumbianers also erneut vorbei?
„Die Ausgangslage war ja eine ganz andere“, sagt Neuhaus. Vor Jahresfrist war Mosquera als sechsfacher Hinrunden-Torschütze in die zweite Saisonhälfte gegangen. „Vielleicht hat er die Situation danach unterschätzt und gedacht, es geht einfach so weiter“, erklärt Neuhaus. Dem war nicht so. Eine Erfahrung, die auch für Mosquera neu gewesen ist. Ebenso wie die Tatsache, dass der Trainer trotz größer werdender Kritik von außen weiter an Mosquera festgehalten hat. Heute spricht er über Neuhaus vom besten Trainer, den er in seiner jungen wie ereignisreichen Karriere gehabt hat. Vertrauen, das er mit Leistung zurückzahlen will. So wie am Freitagabend gegen Aachen.
Wenn mit Blick auf das Vorjahr von anderen Voraussetzungen die Rede ist, darf auch nicht vergessen werden, dass auch Mosqueras Antrieb eine neue Komponente bekommen hat. Sein Vertrag läuft im Sommer aus, die zwei Jahre, die Union den Südamerikaner von Werder Bremen ausgeliehen hat, sind dann vorbei. Christian Beeck, Unions Teammanager, hat bereits bestätigt, mit Werder wegen Mosquera in Kontakt zu sein. Eine bestimmte Ablöseforderung oder eine Frist, bis wann sich Union entscheiden muss, gebe es aber nicht.
Fakt ist: Nirgendwo hat Mosquera eine solche Unterstützung bekommen wie bei Union. Nicht umsonst ließ er bereits wissen, dass er an der Alten Försterei bleiben möchte. „Ich fühle mich sehr wohl bei Union“, sagt der Stürmer stets. Dies dokumentiert sich auch auf dem Platz. Denn auch wenn Mosquera immer noch weit davon entfernt ist, in jedem Spiel zu treffen, so erfüllt er doch die Voraussetzung, um ein echter Torjäger zu werden. „Er erarbeitet sich in jedem Spiel seine Torchancen“, sagt Neuhaus.
Nun ist es immer einfach, fehlendes Glück als Argument für eine schwache Trefferquote anzuführen. Im Falle Mosquera ist es jedoch angebracht. Siehe das Spiel gegen Aachen, als er Mitte der ersten Halbzeit den Ball im gegnerischen Fünfmeterraum in höchster Bedrängnis nicht nur behauptete, sondern in auch per Drehschuss aufs Tor brachte. Dass das Aachener Manuel Junglas diesen Schuss auf der Linie rettete, hat nichts mit fehlender Qualität im Abschluss zu tun. Dass sein Treffer zum 2:0 noch leicht abgefälscht gewesen ist, kann man als ausgleichende Gerechtigkeit bezeichnen. „Tor ist Tor, wie es zustande gekommen ist, ist egal“, freute sich Vorbereiter Paul Thomik für seinen Stürmer. Dass Mosquera sich damit selbst das schönste Geburtstagsgeschenk bereitet hat, dürfte die Freude des Kolumbianers noch gesteigert haben.





