Dass sich Fußball-Profis nach bitteren Niederlagen enttäuscht auf den Platz werfen, ist nichts Neues. Auch die Spieler des 1. FC Union taten dies nach dem 0:1 bei 1860 München. Einer allerdings blieb besonders lange am Boden: Noch zehn Minuten nach Abpfiff saß Christoph Menz auf dem Rasen, in Gedanken versunken. Sicher, die erneute Niederlage bedeutete einen herben Rückschlag im Abstiegskampf der Zweiten Liga. Mindestens genauso sehr ärgerte sich Menz aber wohl über seine eigene, unglückliche Vorstellung. Sein Vertrag läuft – wie bei so vielen Unionern – zum Saisonende aus, und dem 21-Jährigen ist klar: In dieser Saison muss er den Durchbruch endlich schaffen.

„Ich möchte gerne bleiben“, sagt Menz angesichts der bevorstehenden Verhandlungen, „aber dafür muss ich wohl noch eine Schippe drauflegen.“ Seit zehn Jahren spielt der Verteidiger in Köpenick, doch richtig durchsetzen konnte er sich nicht. Zumindest nicht in der Profimannschaft. Nur neun Partien bestritt er vergangene Saison von Anfang an, dreimal wurde er eingewechselt.

Seit fünf Spieltagen aber nun, seit sich Zugang Jerome Polenz verletzte, ist Menz auf einmal auf der Position des rechten Verteidigers gesetzt. Es ist seine Chance, sich zu zeigen. Doch noch fehlt die Konstanz: Einer guten ersten Partie gegen Hertha BSC folgte gegen Osnabrück eine schwache Leistung, und auch nach dem zumindest ordentlichen Auftritt beim 2:0 gegen den MSV Duisburg hielt Menz das Niveau nicht. Gegen 1860 wurde er mehrfach einfach überrannt, auch wenn er beim Siegtreffer zum 1:0 von Benjamin Lauth chancenlos war. Auswärts, das gibt Menz offen zu, läuft es für ihn wie für seinen Klub eben nicht gut.

Doch obwohl Polenz inzwischen wieder fit ist, will Uwe Neuhaus nichts überstürzen. „Jerome ist fit, kann Gas geben und sich jetzt im Training empfehlen“, sagt er nur. Gleichzeitig setzt er Menz ein wenig unter Druck: „Irgendwann muss er den Durchbruch schaffen. Wenn er gut spielt, kommt keiner für ihn rein“, sagt er.

Allerdings geht es bei der Personalie Menz nicht nur darum, wer auf der rechten Seite verteidigt. Vielmehr steht der gebürtige Magdeburger für die Chancen der eigenen Jugend – und deren Probleme. Denn nicht vielen Talenten gelingt innerhalb eines Klubs der Übergang in den Profibereich, was einen wie Menz, der mit elf Jahren zum Klub stieß, zusätzlich unter Druck setzt: „Wenn du im Verein groß geworden bist, giltst du als Aushängeschild, auf das alle schauen“, sagt er. Er selbst dagegen sieht sich nicht so.

Ein Freund der großen Töne ist Menz nicht, er bleibt ruhig. Selbst in Situationen, in denen vielleicht ein wenig mehr Feuer gefragt wäre. „Das passt aber nicht zu mir“, sagt Menz, der ohnehin lieber auf der Position des Sechsers vor der Abwehr spielen möchte. Und genau da hat Union derzeit ein Problem. Denn nach der Verletzung von Michael Parensen ist der zweite Posten neben Dominic Peitz vorerst frei. Es könnte eine neue Chance für Menz sein, sich zu beweisen.

mkl