Die Energieteam-Arena in Paderborn hat so ein bisschen etwas von einer Mogelpackung. Wer sich dem neuen Stadion des SC mit seinen vielen tausend Parkplätzen davor nähert, staunt über die Höhe der Tribünen, die Platz für mindestens 30.000 Zuschauer versprechen. Dass es in Wirklichkeit nur Platz für die Hälfte bietet, erschließt sich dem Besucher dann beim Betreten des Innenraums: Dort, wo eigentlich ein Oberrang sein sollte, hört die Tribüne einfach auf. Statt der blauen Sitzschalen, die sonst das Stadion zieren, hat man einfach eine Wand hochgezogen, die so aussieht, als habe jemand vor dem Rest der Tribüne eine überdimensionale Jalousie herunter gelassen – ein Bild, das durchaus Symbolcharakter hat für den 1. FC Union dieser Tage.

Mit 0:2 (0:0) verloren die Köpenicker am Freitag vor 7115 Zuschauern das dritte Spiel der Zweitligasaison und mussten sich zudem auch noch damit abfinden, den Paderbornern sowohl die ersten Punkte als auch die ersten Tore beschert zu haben. Und so rang Trainer Uwe Neuhaus auch rund 20 Minuten nach Spielende noch sichtlich um Fassung. „Es fällt mir schwer, heute die passenden Worte zu finden“, gab er auch unumwunden zu. Dann fasste er sich allerdings und legte los: „Ich bin normalerweise dafür bekannt, dass ich mich immer vor meine Mannschaft stelle. Heute kann ich das nicht tun“. An der Alten Försterei, das weiß Neuhaus, brennt nach nur einem Punkt aus drei Spielen und dem Derby gegen Hertha BSC am Freitag vor der Brust nun der Baum.

Dabei hatte das Spiel gar nicht so schlecht angefangen für seine Mannschaft. Zwar musste Torhüter Jan Glinker gleich in der zweiten Minute in höchster Not klären, insgesamt allerdings zeigte sich, dass Neuhaus' Systemumstellung erste Früchte trug. Die Abwehrkette aus Jerome Polenz, Ahmed Madouni, Daniel Göhlert und Patrick Kohlmann ließ Neuhaus zwar unangetastet. Im Sturm dagegen ließ er erstmals mit zwei Stürmern spielen, Halil Savran lief neben Karim Benyamina auf.

Kapitän Torsten Mattuschka begann auf der linken Außenbahn, machte jedoch ein äußerst schwaches Spiel und wurde folgerichtig in der 60. Minute für Chinedu Ede aus dem Spiel genommen. Neben Mattuschka begannen Santi Kolk und Björn Brunnemann auf rechts, die Savran in der Spitze mit Pässen bedienen sollten.

Und das funktionierte in einigen Situationen schon ganz gut, Savran lief viel, stand oft als Anspielstation zur Verfügung. Nur der letzte Pass, der häufig von ihm noch einmal hätte kommen müssen, war dann zu unpräzise.

Auch Neuhaus war mit dem Verlauf der ersten Halbzeit, in der für Union Brunnemann (11.) und Benyamina (37.) gute Möglichkeiten vergaben, nicht ganz unzufrieden. „Wir haben ein kontrolliertes Spiel aufgegeben“, sagte er angesichts einer äußerst schwachen zweiten Hälfte, in der ausgerechnet sein Kapitän Mattuschka erheblichen Anteil am ersten Gegentor trug. Unions Publikumsliebling hatte in Zusammenarbeit mit dem an sich starken Brunnemann den Ball auf rechts vertändelt, die Paderborner nutzten die Chance zum Konter mustergültig – Gaetano Manno schloss aus halbrechts zum 1:0 ab (58.). „Sich so einen Konter zu fangen, zeugt von Dummheit in der Mannschaft“, wetterte Neuhaus, zumal Chinedu Ede noch die Chance zum sicheren Ausgleich aus fünf Metern vergab (67.). Als Dominic Peitz, der als einziger Spieler auf der Position des Sechsers erst zu diesem Spiel in die Startformation zurückgekehrt war, dann Sören Brandy im Strafraum zu Fall brachte und Markus Krösche den Elfmeter sicher zum 2:0 verwandelte (85.), war die Entscheidung gefallen.

„Ich will die Leistung der Paderborner nicht schmälern“, sagte Uwe Neuhaus, „aber wir haben unseren Gegner in der zweiten Hälfte wieder ins Spiel gebracht, mit viel zu vielen Fehlern und Ungenauigkeiten.“ Dann holte er noch einmal Luft und schob nach: „Die Mannschaft hat total versagt.“

Es dürfte der schwerste Job des Uwe Neuhaus in den kommenden Tagen sein, seiner Mannschaft genau dieses Gefühl nicht zu geben. Denn in sechs Tagen wollen die Fans einen selbstbewussten 1. FC Union im Derby gegen Hertha sehen. Am besten brachte das ganze Union-Dilemma wohl Paderborns Trainer Andre Schubert auf den Punkt, als er sagte: „Ich bin froh, dass nicht wir in dieser Situation sind“, sagte er, und fügte mitfühlend an: „Das zehrt an den Nerven.“ Er muss es wissen, denn schließlich war er es bis Freitag, der mit dem Rücken zur Wand stand.

Wut und Enttäuschung: Die Unioner Mattuschka (links) und Savran können die Niederlage in Paderborn nicht fassen Matthias Kern