Es müssen bittere Minuten gewesen sein für Dominic Peitz, ganz bittere. Nicht, dass es nicht schon schlimm genug war, die Niederlage seines 1. FC Union gegen die SpVgg Greuther Fürth (1:2) nur von der Bank aus zu erleben. Als Trainer Uwe Neuhaus zur Pause dann aber den schwachen Macchambes Younga-Mouhani aus dem Spiel nahm und nicht etwa Peitz, sondern Christoph Menz die Position des Sechsers vor der Abwehr einnahm – spätestens da muss ihm aufgegangen sein, dass er im System von Neuhaus derzeit keine Rolle spielt. Und er damit der erste große Verlierer der bisherigen Saison ist.
„Einzelschicksale zählen im Fußball nun mal nicht“, sagt Peitz, der nach seiner starken Rückrunde der vergangenen Saison gesetzt schien. Doch schon in der Vorbereitung, als Neuhaus vor der Abwehr viel experimentierte, durfte der 1,96-Meter-Schlacks nur in den eher unwichtigen Partien ran. Sein Trainer macht ihm derzeit wenig Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in die Startelf. „Dominic macht zu viele Fehler im Aufbauspiel“, sagt Neuhaus, und das ist für ihn ungewohnt deutlich. Die Partie gegen Fürth nun war vor allem auch deshalb so ärgerlich für Peitz, weil dies auch auf Younga-Mouhani zutraf. Viel zu oft nahm der die Bälle nur mit dem Rücken zum gegnerischen Tor an, gefolgt entweder von einem Fehlpass oder einem Rückspiel in die eigene Abwehr. Von den „Vorteilen im taktischen Bereich“, von denen Uwe Neuhaus bei dem 36-Jährigen spricht, war jedenfalls nichts zu sehen – es hätte die Chance sein können für Peitz. „Mir bleibt jetzt nicht viel anderes übrig, als die Mannschaft zu unterstützen“, sagt er, und beim Training zeigt er sich noch immer von seiner lässigen Seite, man sieht ihn oft lachen. Auf der Ersatzbank allerdings, die er gegen Fürth während des Spiels nur gelegentlich verließ, um seinen Kollegen einen Ball zuzuwerfen, versteckt er sich schon mal vor den Fotografen – die Situation schmeckt ihm überhaupt nicht.
Nun ist es nicht so, dass der 25-Jährige das Ganze nicht kennen würde, im Gegenteil. Auch in der vergangenen Saison startete er mit mäßigen Leistungen und erlebte fast die komplette Hinrunde von der Bank aus. Ganz anders das Bild dann nach der Winterpause. Plötzlich war der Blondschopf nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken, bis auf zwei Einsätze spielte Peitz in allen Rückrundenpartien über volle 90 Minuten.
„Vergangenes Jahr war das aber eine andere Situation, damals war ich definitiv nicht in Form“, sagt er, und lässt nicht nur an dieser Stelle durchblicken, dass er die Entscheidung seines Trainers nicht so ganz versteht. Selbstbewusst ist er also noch immer, und so verwunderte es auch wenig, dass ihm bis vor wenigen Wochen noch gute Chancen auf das Kapitänsamt eingeräumt wurden, das nun Torsten Mattuschka innehat – was irgendwie auch zu seiner Misere beiträgt.
Vom Kapitän verdrängt
Denn seit Santi Kolk den ehemaligen Spielmacher Mattuschka auf die Position vor der Abwehr verdrängt hat, bleibt selbst bei einer Doppelsechs kein Platz für Peitz. „Ich finde es eigentlich gut, auf beiden Sechsern spielstarke Spieler zu haben“, sagt er, fügt aber an: „Meine Qualität ist aber zusätzlich, dass ich mich über viel Arbeit und Einsatz definiere.“
Und den zeigt er auch weiterhin im Training. Am Montag absolvierte er mit seinen Mannschaftskollegen souverän den Laktattest, den Uwe Neuhaus schon vor der Pleite gegen Fürth anberaumt hatte.
Aber worauf soll eigentlich ein Spieler achten, dem mangelndes Verständnis im Spielaufbau vorgeworfen wird? Letztlich lässt sich der Gegenbeweis nur über Spielpraxis erbringen, und so macht sich auch Peitz derzeit keine großen Gedanken darum, wenn im Training etwas misslingt. Noch nicht. „Nach mehreren Wochen fängt man schon an, auf den einen Pass zu achten, ob er auch ankommt“, sagt Peitz, betont aber: „Solange ich selbstbewusst bleibe, brauche ich mir keine Gedanken zu machen.“ Jetzt nach ein paar Misserfolgen aufzustecken, kommt für ihn jedenfalls nicht infrage.
Und wahrscheinlich hat Peitz auch allen Grund, gelassen zu bleiben. Schließlich leitete ein Fehler von Menz gegen Fürth den Angriff zum zweiten Gegentor ein. Die Mannschaft jedenfalls weiß, was sie an ihm hat. „Dominic wird in dieser Saison noch ganz wichtig für das Team sein“, sagt sein Konkurrent Younga-Mouhani. Es klingt wie eine Prophezeiung.




