Zweite Liga

Was Torwart Glinker dem 1. FC Union rät

Jan Glinker steht zum Zweitligastart als Nummer eins beim 1. FC Union fest. Sein erstes Saisonspiel wird er in schlechter Erinnerung behalten: Beim 0:1 gegen Halle im DFB-Pokal warf ihm ein Zuschauer einen Böller an den Kopf.

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Morgenpost Online: Herr Glinker, haben Sie den Schock von Halle, als Sie von einem Chaoten mit einem Böller beworfen wurden, schon überwunden?

Jan Glinker: Ja sicher, jetzt ist wieder alles in Ordnung.

Morgenpost Online: Sie sind dafür gelobt worden, dass Sie sich nicht haben fallen lassen und eine mögliche Spielwiederholung erzwungen haben.

Jan Glinker: Der Schiedsrichter hat mich gefragt, ob ich verletzt bin. Ich habe ihm nur gesagt, dass ich zwar Schmerzen im Ohr habe, aber die restlichen sechs Minuten zu Ende spielen kann. Mehr möchte ich zu der ganzen Aktion nicht sagen.

Morgenpost Online: Nicht nur für Sie endete der Abend dramatisch. Wie enttäuscht sind Sie nach dem Ausscheiden im Pokal?

Jan Glinker: Die Enttäuschung ist natürlich sehr groß. Wir hatten fest damit gerechnet, weiterzukommen. Umso ärgerlicher ist das Ausscheiden.

Morgenpost Online: Wie ist die Stimmung in der Mannschaft?

Jan Glinker: Das kann ich gar nicht so genau sagen, wir haben uns seitdem nicht oft gesehen. Wir haben das Ganze auch noch nicht mit dem Trainer aufgearbeitet. Aber das wird sicher noch kommen.

Morgenpost Online: Das klingt alles so, als ob gar nichts passiert wäre...

Jan Glinker: ...nein, so ist es nicht. Die Stimmung war schon mal besser, das ist doch klar. Natürlich reden wir über das Spiel. Wie das Tor zustande kam und welche Chancen wir ausgelassen haben. Sicher haben wir mit einzelnen Spielern gesprochen, wie sie bestimmte Szenen gesehen haben. Aber das macht man doch nach jedem Spiel, bisher ist nicht viel mehr passiert als sonst auch. Die detaillierte Auswertung wird noch folgen, dann müssen wir sehen, was falsch gelaufen ist. Und es möglichst schnell abstellen, damit so etwas nicht noch mal passiert.

Morgenpost Online: Wie viel Sorgen müssen sich die Fans machen, wenn ihre Mannschaft eine Woche vor Saisonstart gegen einen Viertligisten verliert?

Jan Glinker: Schwer zu sagen, wir sind ja erst mal auch selber geschockt über so eine Niederlage. Wenn du dich als Zweitligist gegen einen Viertligisten nicht durchsetzt, ist das immer schlecht. Dementsprechend wachsam müssen wir jetzt sein.

Morgenpost Online: Was genau meinen Sie damit?

Jan Glinker: Wir müssen jetzt alle begreifen, dass die Vorbereitung vorbei ist. Es geht jetzt wieder richtig los. Wenn wir nicht alle 100 Prozent geben, jeder für sich, wird es ganz schwer.

Morgenpost Online: Wie kann die Mannschaft umschalten?

Jan Glinker: Wir müssen dieses Spiel so schnell wie möglich abhaken und aus den Köpfen rausbekommen. Dieses Spiel können wir jetzt nicht mehr ändern und können nur versuchen, uns jetzt auf den Ligastart in Aachen zu konzentrieren. Und ich bin sicher, dass es gelingen kann. Die Jungs sind lange genug dabei und wissen, wie sie mit so einer Niederlage umzugehen haben. Jeder tut das jetzt auf seine eigene Weise. Der eine hat den Kopf jetzt schon wieder frei, der nächste braucht vielleicht bis zum Abschlusstraining. Wichtig ist alleine, dass wir in das Spiel mit freiem Kopf gehen können.

Morgenpost Online: Sie haben in der Vorbereitung nur ein Spiel zu null beendet. Was sagt das über die Qualität Ihrer neuen Abwehr aus?

Jan Glinker: So etwas ist nie ein gutes Zeichen. Aber das ist ja nicht nur ein Problem der Abwehr, das beginnt schon weiter vorne. Aber ich vertraue meinen Vorderleuten ausdrücklich und bin der Meinung, dass wir eine gute Abwehr haben. Bis auf diese eine Standardsituation haben wir auch gegen Halle ja nicht viel zugelassen.

Morgenpost Online: Wo hakt das Spiel noch am meisten?

Jan Glinker: Einzelne Positionen herauszugreifen ist unmöglich. Die ganze Mannschaft muss sich mehr zusammenreißen, Chancen besser nutzen und sicherer stehen. In jedem Mannschaftsteil müssen wir uns strecken, jeder muss mehr geben.

Morgenpost Online: Sie haben in Marcel Höttecke zum ersten Mal einen ernsten Konkurrenten. Wie wichtig ist es für einen Torhüter, sich durchzusetzen?

Jan Glinker: Der Konkurrenzkampf ist ja noch längst nicht vorbei. Ich muss mich jeden Tag im Training aufs Neue anbieten, es geht immer weiter. Deshalb bin ich mir sicher, dass ich mich im Laufe der Saison weiter verbessern kann. Aber natürlich gibt mir das erst mal Selbstvertrauen und Sicherheit.

Morgenpost Online: Was erwarten Sie von dieser Saison?

Jan Glinker: Für mich persönlich, dass ich stabilere Leistungen zeige als vergangenes Jahr. Und für die Mannschaft, dass wir möglichst schnell 40 Punkte holen. Und dann darüber hinaus.