London 2012

Berliner Patrick Hausding patzt im Synchronspringen

Die Erfolgsgaranten Patrick Hausding und Sascha Klein erreichten nach einem kleinen, aber entscheidenden Fehler nur den siebten Platz.

Foto: DPA

Als der letzte Sprung getan war, konnten Patrick Hausding und Sascha Klein nur noch warten. Es waren lange Minuten, eine halbe Ewigkeit, in der das deutsche Wassersprung-Duo am Rande des Beckens im Aquatics Centre stand und immer wieder hoffnungsvoll auf die große Anzeigetafel guckte. Würde die Konkurrenz im Synchronwettbewerb vom Turn doch noch patzen und somit den Weg zur Medaille freimachen, oder sollte das hoch gehandelte deutsche Duo am Ende leer ausgehen?

Um 15.58 Uhr geriet die böse Ahnung schließlich zur ernüchternden Gewissheit: Deutschland musste bei den Olympischen Spielen weiter auf die erste Medaille hoffen. In einem dramatischen Wettbewerb erreichten Hausding/Klein nur den siebten Platz. Es siegten wie erwartet die Chinesen Zhang Yanquan/Cao Yuan mit 486,78 Punkten vor den Mexikanern German Sanchez/Ivan Garcia Navarro (468,90) und den US-Amerikanern Nicholas McCrory/David Boudia (463,47). Hausding/Klein brachten es nach insgesamt sechs Sprüngen auf 446,07 Zähler.

„Ob sie nun Vierter oder Siebter geworden sind, spielt keine Rolle. Uns ging es um die Medaille“, sagte Sportdirektor Lutz Buschkow, „wir wollten für Deutschland heute die erste Medaille holen. Der Wunsch danach war bei allen sehr groß, die Möglichkeit ebenso.“

Ein kleiner Fehler war entscheidend

Mit vor der Brust verschränkten Armen versuchte Hausding, den Wettkampf in Worte zu fassen. Leicht fiel es ihm nicht, das war ihm anzusehen. „Die Platzierung sieht für mich härter aus, als das Ergebnis ist. Wir sind nicht schlecht gesprungen, haben aber einen kleinen Fehler gemacht. Und der war entscheidend“, sagte der 23 Jahre alte Berliner und gab einen kurzen Einblick in sein Seelenleben: „Es hat nicht gereicht – das ist traurig, aber ich bin nicht extrem unzufrieden mit meiner Leistung.“ Sein Partner fand da schon deutlichere Worte. „Ich bin traurig über den Patzer, das ist in die Hose gegangen“, sagte Klein und rauschte mit Hausding davon. Beide müssen ihre Enttäuschung nun so schnell wie möglich verarbeiten, da sie beide in London noch Wettkämpfe haben.

Für die deutsche Mannschaft ist das Verpassen einer Medaille des seit Jahren auf höchstem Niveau springenden Duos Hausding/Klein ein weiterer Rückschlag in London. Schon am ersten Wettkampfwochenende hatten nur die anderen Nationen gejubelt, im deutschen Lager dagegen herrscht weitgehend Trübsal. Die Enttäuschung ist groß, selbst Bundespräsident Joachim Gauck musste feststellen, dass „sich noch nicht alle Träume erfüllt“ haben. Dass für Hausding/Klein der Druck zu groß gewesen sei, wollten die beiden nicht gelten lassen. „Ich weiß, dass Deutschland noch keine Medaille hatte. Wir hatten natürlich das Ziel, eine Medaille zu holen“, sagte Hausding, „der Druck steigt natürlich vor solchen Wettkämpfen. Aber damit muss man umgehen lernen, und das kann ich eigentlich auch.“

Die Zuschauer freilich haben bei Olympia beste Laune. Schon bei der Vorstellung der acht Paarungen im Turm-Finale wurde es laut im Aquatics Center. Vor allem, als mit Tom Daley der Publikumsliebling vorgestellt wurde. Der Brite ist erst 18 Jahre alt und damit der jüngste Athlet im Gastgeberteam. Dabei sind es für den Europameister, der im Synchronwettbewerb mit Peter Waterfield antrat, schon die zweiten Olympischen Spiele. 2008 in Peking war er ohne Medaille geblieben – das sollte sich nun ändern. Vor allem die weiblichen Fans schrien sich ihre junge Seele aus dem Leib, in einer Arena, die mit etwa 15.000 Zuschauern sehr gut besucht war. Für den Jungstar reichte es am Ende mit seinem Partner vor den Augen des britischen Premierminister David Cameron nur zu Rang vier.

In Peking war es noch Silber

Als Favoriten in den prestigeträchtigen Wettkampf gingen wie so oft im Wasserspringen die Chinesen. In Peking hatten die Springer aus dem Reich der Mitte sieben von acht möglichen Goldmedaillen gewonnen. Doch auch Hausding und Klein haben sich in den vergangen Jahren weltweit eine exzellente Reputation erkämpft. Immerhin gewann das deutsche Vorzeige-Duo 2008 in Peking die Silbermedaille, obwohl es sich erst wenige Monate zuvor zusammengefunden hatte. „Das war damals schon etwas ganz Besonderes, vor allem, weil wir in dem Jahr aus dem Nichts auferstanden sind“, erinnert sich der Berliner Hausding. Die Silbermedaille errangen die Beiden auch bei der WM 2011 in Shanghai, bei Europameisterschaften sind sie gar fünf Mal in Folge unbesiegt. Jetzt also nur Rang sieben, und nicht mal die besten Europäer.

Dabei hatte der Wettkampf für das Duo aus Berlin (Hausding) und Riesa (Klein) gut begonnen. Nach drei Sprüngen lagen die beiden Deutschen auf Rang drei, die Medaille fest im Blick. Dann aber folgte der vierte Durchgang mit einem dreieinhalbfachen Rückwärtssalto. Beim Eintauchen waren beide nicht ganz gestreckt, viele Wasserspritzer die Folge. Mit Wertungen zwischen 7 und 7,5 fielen sie vom Bronze-Platz auf Rang sechs zurück. „Bei der engen Konkurrenz kann man sich keinen Fehler erlauben“, analysierte Sportdirektor Lutz Buschkow, „ich glaube, sie waren bei dem Sprung oben ein bisschen nervös, haben noch eine Zusatzbewegung gemacht, die sie sonst nicht machen.“

Nach dem fünften Durchgang stand sogar Rang sieben zu Buche. Das Hoffen begann – leider ohne Erfolg. Buschkow machte auch die fehlende Lockerheit für das Scheitern verantwortlich. „Bei vielen anderen Wettkämpfen haben Patrick und Sascha diese Lockerheit gezeigt, sie waren immer unsere Leistungsgaranten. Da muss man dieses Ergebnis von so einem erfolgreichen Paar an dieser Stelle auch einmal hinnehmen und sie jetzt wieder aufbauen, sie haben hier noch ein paar Wettkämpfe vor sich“, sagte der Sportdirektor.