Die Sportwelt schaut wieder auf Berlin. Nur drei Jahre nach dem „Sommermärchen“ der Fußball-Weltmeisterschaft können die Hauptstadt und der Berlin-Tourismus dank der Leichtathletik-WM (15. bis 23. August) erneut einen kräftigen Image-Schub erwarten. Auf die Kraft der TV-Bilder von der blauen Laufbahn aus dem Olympiastadion und auf die Feierstimmung rund um Kulturstadion und WM-Fanmeile am Brandenburger Tor setzt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). „Ich bin sicher, die Berliner werden wie bei der Fußball-WM sehr gute Gastgeber sein, Sportler und Besucher aus der ganzen Welt werden bei uns unvergessliche Stunden erleben“, sagte Wowereit.
Trotz der nun mehr als 60 Milliarden Euro Schulden ist der Stadt das Ereignis einiges wert. Der Senat steht im WM-Etat von etwa 44 Millionen Euro für rund 20 Millionen Euro gerade. „Keinen Cent mehr“ gibt es jedoch laut Sportsenator Ehrhart Körting (SPD). Den Rest müssen Ticket-Einnahmen und Sponsoren begleichen. Es sieht günstig aus: Mehr als 300.000 Tickets sind verkauft, so viel wie bei keiner WM zuvor bei diesem Zeitpunkt vor dem ersten Startschuss. Etwa 200.000 Plätze sind aber noch frei.
Die friedlichen Partys im Sommer 2006 schufen die Grundlage dafür, dass der Berlin-Tourismus in den kommenden Jahren trotz der ausufernden Wirtschaftskrise im Vergleich zu allen anderen europäischen Metropolen glänzend abschneiden konnte und immer noch in schwarzen Zahlen blieb. Berlins neuer Tourismuschef Burkhard Kieker erhofft deshalb eine Fortsetzung der weltweit guten Berlin-Laune durch die Leichtathletik-Fans: „Mit der 12. WM wird das sportliche Sommermärchen fortgesetzt, seitdem ist die Stadt für ihre weltoffene Atmosphäre und Sportbegeisterung bekannt. Die Bilder werden um die Welt gehen und das positive Image Berlins weiter tragen.“
Auch die Polizei der Hauptstadt stimmt in den optimistischen Tenor von Politik und Wirtschaft mit ein. Nach den in Teilen recht trinkfesten, robusten und auch gewalttätigen Fußballfans vertraut die Polizei dem als vergleichsweise gesittet und anständig geltenden Publikum der olympischen Kernsportart. „Konkrete Gefährdungslagen sind derzeit nicht bekannt, wir freuen uns auf den Einsatz im Rahmen dieses Großereignisses“, sagte Sprecher Thomas Goldack wenige Tage vor Beginn des nach Olympia und der Fußball-WM drittgrößten Sportereignisses der Welt. Die polizeiliche Einsatzplanung orientiere sich ganz am Motto der WM: „Have a good time“ (Verleben Sie eine gute Zeit).
Die Berliner Erfahrungen mit Leichtathletik sind glänzend. In der Historie sind es die großen sportlichen Momente der Olympischen Spiele 1936 mit dem vierfachen Goldmedaillengewinner Jesse Owens, der heute noch als sportliche und sportpolitische Legende speziell in Berlin höchste Anerkennung genießt. Seine Enkelin wird im Gedenken an Jesse Owens bei der WM in Berlin einige Medaillen überreichen.
Aus der Neuzeit lösen vor allem einige Höchstleistungen von Leichtathletikstars beim Istaf und noch mehr die großartige Stimmung beim jährlichen Berlin-Marathon Vorfreude auf die WM-Wettbewerbe aus. Bis zu 1,5 Millionen begeisterter Menschen säumen traditionell die 42,195 km Marathon-Strecke im September. Da bei dieser WM der Marathonläufer und die Geher ebenfalls aus dem Stadion heraus auf die Straße und damit zu den Berlinern kommen, rechnen die Gastgeber mit mindestens einer Million Fans. Sportler und Zuschauer können auf der Rundstrecke den Blick auf einige der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in der City wie den Reichstag und das Brandenburger Tor genießen.
In der Stadt selbst ist kurz vor WM-Beginn allerdings noch kein besonders spürbares Sportfieber ausgebrochen. Auch Maskottchen Berlino hat es als Bär in den Medien schwer gegen Eisbärstar Knut aus dem Zoologischen Garten. Das alles ist aber durchaus typisch für den Berliner. „Er kommt schon, wenn es losgeht“, beruhigte Regierungschef Wowereit kürzlich die Veranstalter. Ähnlich war es 2006. Zunächst hingen relativ wenig Plakate und Fahnen. Auf der Fanmeile am Brandenburger Tor war viel Platz. Doch kaum war die WM in Fahrt gekommen, stürmten die Leute die Partyzonen. In Berlin ist wieder das Brandenburger Tor die international wirksame Kulisse für ein dem Olympiastadion mit seinem blauen Band nachempfundenes Kulturstadion.
Tickets gibt es unter http://www.berlin2009.org/35-0-tickets.html oder unter der Hotline 0180 5 1 2009 1.
dpa/hed









































