Die Leichtathletik-Weltmeisterschaft hat Berlin insgesamt Einnahmen in Höhe von 120 Millionen Euro gebracht und kostet das Land weniger als geplant. Zusammen mit dem Präsidenten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Clemens Prokop, zog der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Montag ein positives Fazit der WM.
„Berlin hat sich erneut, nach der Fußball-WM, weltweit als gastfreundliche und tolerante Metropole dargestellt“, sagte Wowereit im Roten Rathaus. Entgegen der Erwartung muss sich Berlin statt mit den zugesagten 20 Millionen Euro nur mit 15 Millionen Euro beteiligen. Das Organisationskomitee konnte die Kosten senken, weil Sponsoren zusätzliche Leistungen erbrachten und das Komitee eine teilweise Steuerbefreiung erreichen konnte, sagte Prokop.
Imagegewinn für die Stadt
Berlin profitierte nach Angaben Wowereits gleich mehrfach von dem Sportereignis im August 2009. So verzeichnete die Hauptstadt in dem Monat entgegen dem weltweiten Trend einen Zuwachs an Touristen. 756.000 Berlin-Besucher zählten die Beherbergungsbetriebe während der WM, das entsprach einem Plus von 6,4 Prozent. Besonders Touristen aus Schweden und den USA besuchten in dieser Zeit Berlin (jeweils plus 23 Prozent). Das brachte dem Land nach Einschätzung der Berlin Tourismus Marketing GmbH 120 Millionen Euro an Einnahmen ein. Gleichzeitig konnte Berlin beim Image punkten. Die Bilder von der Geher- und Marathonstrecke rund um das Brandenburger Tor wurden in 200 Länder ausgestrahlt.
„Wir haben den Wunsch weitere Großveranstaltungen in Berlin auszutragen“, sagte Wowereit. Es habe sich bewährt, das Berliner Olympiastadion nicht zu einem reinen Fußballstadion umzubauen, sondern auch für andere Sportveranstaltungen zu öffnen. Offenbar mit Erfolg. Leichtathletik-Präsident Clemens Prokop kündigte an, dass sich Deutschland für die Austragung der Leichtathletik-Europameisterschaften 2016 oder 2018 in Berlin bewerben werde. In diesem Sommer finden bereits die Beachvolleyball-WM in Berlin statt, außerdem ist die Hauptstadt 2011 Austragungsort der Turn-WM und der Frauen-Fußball-WM.
Berlin gilt international als zweitbeste Sportstadt der Welt, nach Melbourne in Australien. Mit dem Komplex des Olympiastadions und dem Sportforum Hohenschönhausen verfügt Berlin über zwei herausragende Sportzentren, dazu kommen mit der O2 World und der Max-Schmeling Halle zwei Sportstätten, in denen auch Spitzensport geboten wird.
417.000 Eintrittskarten verkauft
Befürchtungen, wonach die Leichtathletik-WM wegen ausbleibenden Zuschauerzuspruchs ein Misserfolg werde, haben sich nach Auffassung Wowereits und Prokops nicht bewahrheitet. Das Organisationskomitee verkaufte insgesamt 417.000 Eintrittskarten für die 48 Wettkämpfe und nahm damit 14 Millionen Euro ein. Damit verzeichnete Berlin den größten Zuschauerzuspruch in der Geschichte der Leichtathletik. Vor fünf Jahren in Helsinki besuchten 345.000 Zuschauer das Stadion, zwei Jahre später in Osaka waren es 254.000.
Sportlich war die WM aus Sicht des Leichtathletikverbandes ebenfalls ein Erfolg. Der Leichtathletikverband hatte bei den Titelkämpfen in Berlin, die vom 15. bis 23. August 2009 stattfanden, mit neun Medaillen den größten Erfolg seit zehn Jahren verbucht.
Auch die Fernseh-Einschaltquoten von fünf bis sechs Millionen Zuschauern am Tag hätten trotz der Skepsis der Fernsehanstalten alle Erwartungen übertroffen. Das 100-Meter-Finale der Herren am Abend des 20. August verfolgten sogar fast zehn Millionen Zuschauer am heimischen Bildschirm.



