Womöglich ist Hertha BSC auf eine Marktlücke gestoßen. Im viel zitierten „modernen Fußball“ und seiner sich windenden Kommerzialisierungsspirale sind mittlerweile ja eine ganze Reihe von möglichen Begegnungen institutionalisiert und gewinnbringend vermarktet. Der deutsche Meister spielt gegen den DFB-Pokalsieger um den Franz-Beckenbauer-Supercup, der Europameister tritt in der Finalissima gegen den Südamerikameister um den Conmebol-Uefa-Pokal der Champions an und im Uefa-Supercup trifft der Champions-League- auf den Europa-League-Sieger.

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Noch gibt es kein festes Format für ein Kräftemessen zwischen dem besten Team der Bundesliga und der Zweiten Liga. Doch da kommt der Berliner Zweitligist ins Spiel. Hertha steht nach dem 3:0 in Kaiserslautern gefestigt und mit einem Punktepolster gesegnet an der Tabellenspitze des Unterhauses. Im Dezember bekommt die Mannschaft von Cheftrainer Stefan Leitl aller Voraussicht nach die Chance, sich mit ihrem Pendant aus der ersten Liga zu messen.
Hertha BSC: Achtelfinale im DFB-Pokal beim FC Bayern München
Wie an den meisten Tagen des Jahres führt aktuell der FC Bayern die Tabelle der Bundesliga an. Seit Sonntagabend stehen die Münchner als Achtelfinalgegner des Hauptstadtklubs im DFB-Pokal fest. Gespielt wird am 1. oder 2. Dezember in der Allianz Arena. Es ist ein Duell, das für Hertha den Charakter des Spiels des Jahres annehmen könnte. Doch so weit denkt man im Westend noch gar nicht. Schließlich steht schon am Samstag eine Begegnung an, die ebenso gewichtige Argumente für den Titel „Spiel des Jahres“ vortragen kann.
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Die am Dienstag beginnende Trainingswoche mündet am Samstagabend unter Flutlicht im heimischen Olympiastadion, wo der VfL Wolfsburg gastiert. Das Topspiel der Zweiten Liga, auch so ein Label des modernen Fußballs, hält das Aufeinandertreffen von Spitzenreiter und Drittplatziertem bereit – und noch so viel mehr. Mit Fabian Reese kommt der Topscorer der Liga mit den Niedersachsen nach Berlin. Zurück nach Berlin.

Von 2023 bis zu diesem Sommer war der Angreifer als Schlüsselspieler, Fanliebling und Kapitän aufgelaufen. „Es ist ein absolutes Topspiel. Darüber freue ich mich, dass beide Mannschaften in diesen Positionen stehen“, erklärte Reese am Wochenende bei „Sky“. Es ist das erste Wiedersehen der Charlottenburger mit dem 28‑Jährigen. „Ich freue mich sehr auf dieses Spiel, weil ich ganz viele Menschen wieder treffe, die mir sehr ans Herz gewachsen sind“, so der gebürtige Kieler.

Wie groß die Freude des blau-weißen Anhangs ausfällt, ist allerdings fraglich. Vielen Fans stieß der Wechsel zum alimentierten Werksklub Ligarivalen auf. Pfiffe in fremden Stadien und Anfeindungen im Internet waren die Folge. Im Olympiastadion rechnet Reese daher mit einer entsprechenden Lärmkulisse. „Ich wurde die letzten Wochen gut drauf vorbereitet. Jetzt wird es vielleicht noch mal ein Dezibel lauter“, blickte der Offensivspieler voraus und ergänzte: „Ich konzentriere mich auf das Gute – die Menschen, die ich wiedersehen darf.“
Sportlich stellt Reese für die Leitl-Elf vor allem eine Torgefahr dar. Dem Flügelstürmer gelangen bisher fünf Tore und sieben Vorlagen. Besiegt Hertha allerdings den VfL, wäre es der nächste wegweisende Erfolg im Kampf um den Aufstieg. Und die Garantie dafür, dass die Berliner tatsächlich als Spitzenreiter nach München führen.





