In aller Seelenruhe saßen Stefan Leitl und Benjamin Weber am Mittwochmittag auf dem Podium des Presseraums von Hertha BSC. Wegen Tonproblemen verzögerte sich der Beginn der Pressekonferenz vor dem Ligaauftakt beim FC Schalke 04 (Freitag, 20.30 Uhr, Sat1 und Sky, Liveticker auf morgenpost.de) um knapp eine Viertelstunde, im gut gefüllten Saal drückte die Mittagshitze des Sommertages. Es soll schon Offizielle bei Hertha gegeben haben, die das Podium wegen weniger dramatischer Umstände verlassen haben.

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Leitl und Weber aber waren völlig tiefenentspannt, machten ein paar kleine Scherze und strahlten damit selber das aus, was sie sich auch für ihre Mannschaft wünschen: Hertha BSC ruht in sich selbst. Das Eröffnungsspiel auf Schalke ist die größtmögliche Bühne, die die Zweite Liga bieten kann. Doch für die Berliner ist das alles nur halb so wild.
Hertha BSC: Positiver Eindruck der Vorbereitung überwiegt
„Jeder meiner Spieler kennt das Stadion dort, kennt die Atmosphäre dort“, sagte Coach Leitl über die Veltins-Arena, als alle Mikrofone scharf geschaltet waren. Und außerdem: „Wir können sehr viele positive Dinge aus der Vorbereitung mit in dieses Spiel nehmen.“

Fast sechs Wochen lang hat der 47-Jährige nun mit seiner Mannschaft gearbeitet, um für den Saisonauftakt in Form zu kommen. Das Ziel Aufstieg steht nach wie vor, eine Kernschmelze wie durch die Verletzung Fabian Reeses im vergangenen Jahr ist diesmal ausgeblieben. So gibt es allen Grund, erst einmal zufrieden zu sein.
Diese Woche viele Einzelgespräche und geringerer Trainingsumfang
„Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, dass wir in einem fitten Zustand starten wollen“, sagte Leitl am Mittwoch: „Wenn man die Leistungsdaten aus den Testspielen sieht, sind wir da auf einem sehr guten Weg.“ In dieser Woche, in der es keine öffentliche Trainingseinheit gab, habe der Coach nach eigenen Angaben den Belastungsumfang reduziert, um am Freitag frisch zu sein.

Außerdem war Leitl daran gelegen, noch einmal viele Einzelgespräche zu führen und in aller Ruhe auf seine Spieler einzuwirken. Die zwischenmenschliche Note war laut dem Berliner Trainer der zweite Erfolg der Vorbereitung: „Ich glaube, dass die Homogenität in der Mannschaft und die Bereitschaft, sich gegenseitig zu unterstützen, sehr hoch ist.“ Zudem gebe es eine gewisse „Vorfreude“ darauf, das Saisonziel Aufstieg anzugreifen.
Leitl über Seguin: „Hat sich geopfert“
Aber natürlich lief auch nicht alles ideal. Viele kleinere Verletzungen von Stammspielern störten insbesondere im Trainingslager in Kitzbühel immer wieder den Rhythmus. Deyovaisio Zeefuik etwa musste mit einer Wadenverletzung länger zuschauen, Luca Schuler konnte nicht ins Mannschaftstraining zurückkehren. „Die hätten wir gerne länger dabei gehabt, sodass wir die ganze Gruppe zusammen haben“, bilanzierte Sportdirektor Weber.
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Auch Paul Seguin fehlte in der Vorbereitung mit einer komplizierten Verletzung immer wieder. Leitl erläuterte diese Personalie am Mittwoch mit einer gewissen Vehemenz: „Zur Einordnung für alle, weil speziell über seine Person viel geschrieben wurde und auch viel Falsches. Der Paul hat sich in den letzten beiden Jahren für seinen damaligen Arbeitgeber in einer Form geopfert, wovon wir jetzt in seiner Verletzung das Produkt sehen.“ So scheint es, als würde für Seguin nicht nur das Wiedersehen mit ebenjenem damaligen Arbeitgeber Schalke ausfallen, sondern auch noch einige weitere Spiele.
Eichhorn wird am Freitag im Kader stehen
Für das Gastspiel in Gelsenkrichen muss Leitl kurzfristig auch auf Kevin Sessa verzichten, der aber schon kommende Woche wieder ins Training einsteigen soll. Zudem fehlen der rotgesperrte Linus Gechter und die noch länger verletzten John Brooks (Wade) und Pascal Klemens (Sprunggelenk) sowie Stürmer Luca Schuler und die Torhüter Marius Gersbeck und Tim Goller.
Dafür allerdings dürfen sich die 5300 mitreisenden Hertha-Fans und alle daheim Bleibenden auf ein neues Talent im Kader freuen: Der hochdekorierte Kennet Eichhorn, der gerade erst seinen Vertrag verlängert und am Sonntag seinen 16. Geburtstag gefeiert hat, wird im Berliner Aufgebot stehen. „Ich bin mit Kenny super zufrieden, wie er sich entwickelt, wie er sich gibt“, sagte Leitl.
In der Vorbereitung sei es noch wichtig gewesen, dem Mittelfeldakteur über Spielzeiten in den Akademiemannschaften Rhythmus zu verleihen. Nun sei er aber für sein Zweitligadebüt, das ihn zum jüngsten eingesetzten Spieler der Hertha-Historie machen würde, gerüstet. „Ich habe kein Problem damit, den Jungen zu bringen“, erklärte Leitl. „Wir müssen schauen, wie das Spiel läuft. Aber wenn er Minuten kriegen kann, kriegt er die.“





