Es war ein ungewohntes Gefühl. Eine jubelnde Ostkurve in einem Olympiastadion voller zufriedener Gesichter. Das haben die Profis von Hertha BSC in dieser Saison noch nicht allzu häufig erlebt. Umso mehr genoss der Berliner Fußball-Zweitligist die Atmosphäre am Sonnabend. 3:1 (1:0) gegen den Karlsruher SC, der erste Heimsieg in der Liga seit 162 Tagen, der überhaupt erst dritte Saisonerfolg auf heimischem Rasen.

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„Es fühlt sich mega gut an“, erklärte Diego Demme. „Man sieht ja, was hier los sein kann, wenn man Spiele gewinnt. Nach so langer Zeit mal etwas zurückgeben zu können, tut einfach gut.“ Ein Großteil der 63.612 Zuschauer sah das ähnlich.
Und dann auch noch ausgerechnet im Duell mit dem KSC, mit dem der Berliner Anhang eine jahrzehntelange Freundschaft pflegt. Eine eindrucksvolle Choreografie vor Anpfiff, Wechselgesänge aus beiden Fanlagern und frühlingshafte Temperaturen – der Rahmen für einen ansehnlichen Fußballnachmittag war geschaffen.
Hertha BSC mit nur einer Veränderung in der Startelf
Auch für Hertha-Trainer Stefan Leitl, der vor Anpfiff seinen Blick einmal durch das altehrwürdige Rund in Westend schweifen ließ und anerkennend nickte. Seine Startelf musste der 47-Jährige im Vergleich zum 5:1 vor der Länderspielpause bei Eintracht Braunschweig auf einer Position verändern – notgedrungen.
Für Pascal Klemens, der von der deutschen U20 mit Hüftproblemen zurückgekommen war und nicht rechtzeitig fit wurde, stand Diego Demme auf der Sechs. Jonjoe Kenny, der unter der Woche das Training mit Schmerzen in der Leiste abgebrochen hatte, war dabei.
Deshalb änderte der Chefcoach des Hauptstadtklubs nichts an seiner 3-5-2-Formation, die sich in den vergangenen Wochen bewährt hat. Vor allem für Fabian Reese, der in seiner neuen Rolle als Doppelspitze mit Derry Scherhant noch einmal mehr aufblüht.
Fabian Reese nutzt Patzer von KSC-Keeper Max Weiß
Nach einer Viertelstunde belohnte der für viele beste Spieler der Zweiten Liga eine souveräne Anfangsphase der Hausherren. Erst leitete Michael Cuisance den Ball per Hacke an Scherhant weiter, der wiederum auf Reese ablegte. Herthas Leistungsträger zog von der Strafraumkante ab und traf – mal wieder sehenswert – zum 1:0 (16. Minute).
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„Das war nahezu die perfekte Flugkurve“, gestand der Torschütze. Das 2:0, zu Beginn der zweiten Hälfte, kam ähnlich ansehnlich daher. KSC-Keeper Max Weiß flog weit vor seinem Strafraum am Ball vorbei, viel Platz für Reese, der Richtung Tor marschierte und mit einem Lupfer auch noch den Rest der gegnerischen Abwehr aushebelte (46.). Verbeugung vor der tobenden Ostkurve inklusive.
Plötzlich war der erste Zweitliga-Erfolg vor heimischer Kulisse seit dem 3:1 am 18. Oktober 2024 gegen Eintracht Braunschweig ganz nah. Karlsruhe stemmte sich dagegen und näherte sich dem Kasten von Hertha-Keeper Tjark Ernst immer mehr an.
Karlsruhe kommt dank Elfmeter noch einmal heran
Irgendwann wusste sich Kapitän Toni Leistner nicht mehr anders zu helfen, als regelwidrig einzuschreiten. Der Innenverteidiger traf Karlsruhes Robin Heußer, nicht aber den Ball. Schiedsrichter Patrick Alt zeigte sofort auf den Punkt. Den fälligen Elfmeter verwandelte KSC-Kapitän Marvin Wanitzek sicher – Ernst flog in die falsche Ecke (55.).
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„Ärgerlich, dass wir es da wieder spannend machen. Da hätte das Spiel auch wieder kippen können“, sagte Sportdirektor Benjamin Weber. Das tat es aber nicht. Weil die Berliner die Nerven behielten und sich kurz vor Schluss mit dem dritten Tor erlösten – wenn auch mit etwas Verzögerung.
Nach einer Hereingabe von Marten Winkler stand Luca Schuler genau richtig und traf (89.). Der Linienrichter aber wollte eine Abseitsposition gesehen haben und winkte ab. Erst der VAR ließ das Olympiastadion noch einmal erbeben. Kein Abseits – 3:1!
Marton Dardai fehlt gegen Köln gelbgesperrt
„Ich bin glücklich, dass wir gewonnen haben, dass wir Leidenschaft gezeigt haben, vor allem in der Phase, als der KSC am Drücker war. Die Jungs haben versucht, alles weg zu verteidigen“, erklärte auch Trainer Leitl. „Es ist in Summe ein verdienter Sieg. Der zweite in Folge, das tut unfassbar gut.“
Trotzdem waren nach der Partie alle bemüht, die jüngste Erfolgsserie nicht überzubewerten. Zu oft haben die Berliner schon erlebt, wie auf einen Aufwärtstrend der nächste herbe Dämpfer folgte. „Wir dürfen uns nicht blenden lassen, wir haben zwei Spiele in Folge gewonnen, aber auch nicht mehr“, stieg Weber auf die Euphoriebremse. „Wir wissen, in welcher Situation wir immer noch sind. Daran ändern auch zwei Spiele nichts. Köln steht vor der Tür und das ist die nächste Aufgabe.“
Das Topspiel wartet am kommenden Sonnabend (20.30 Uhr). Dann allerdings ohne Marton Dardai. Der Innenverteidiger sah gegen Karlsruhe die zehnte Gelbe Karte der Saison und wird gesperrt zuschauen müssen.





