Benjamin Weber musste sich in den Katakomben des Eintracht-Stadions in Braunschweig erst die Nase schnäuzen. So ganz ist die kalte Jahreszeit trotz einer Menge Sonnenschein am Sonntagmittag noch nicht vorbei. Dann schüttelte sich der Sportdirektor von Hertha BSC kurz und sagte: „Es war nur ein Spiel.“

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Ein Lächeln blitzte auf den Lippen des Berliner Sportdirektors an diesem Sonntag nur kurz auf, immer wieder setzte er eine zutiefst ernste Miene auf. Und das, obwohl Hertha gerade ein furioses 5:1 (3:0) bei Eintracht Braunschweig bejubelt hatte. Doch die vergangenen Tage in der Krise, das wurde nach diesem Befreiungsschlag deutlich, haben allen Beteiligten beim Berliner Fußball-Zweitligisten sehr zugesetzt.
Hertha BSC: Trotz Sieg in Braunschweig bleibt die Lage ernst
Auch bei Trainer Stefan Leitl war das zu erkennen. Er sagte: „Wir sind super, super glücklich, dass wir heute gewinnen konnten und haben von der ersten Minute an ein richtig gutes Auswärtsspiel gezeigt.“ Seine fast eingefrorene Miene während dieses Satzes untermauerte aber den Ernst der Lage. Hertha ist noch längst nicht von allen Abstiegssorgen befreit.
Die Ereignisse auf dem Platz dürften aber zumindest gefühlt für einen deutlich größeren Freudensprung sorgen, als ihn die drei Punkte in der Tabelle auf dem Papier ermöglichen. Die Berliner waren in diesem Kellerduell von der ersten Minute an griffig, ballsicher und die spielbestimmende Mannschaft.
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Fabian Reese „jagt“ den Ball zum 1:0 ins Tor
Das 1:0 folgte zügig und war Ausdruck des unbedingten Willens, den Hertha in dieser für den ganzen Klub bedrohlichen Situation auf den Platz brachte. Fabian Reese bekam im Strafraum einen Ball von Jonjoe Kenny zugespielt, behauptete sich auf engstem Raum und „jagte“ den Ball ins kurze obere Toreck (8.), wie Sportdirektor Weber sagte.
„Letzte Woche haben wir den Ball nicht über die Linie bekommen, heute ist uns das gut gelungen“, sagte der Torschütze Reese selbst. Und in der Tat war eben das der entscheidende Unterschied: Mit der ersten Führung unter Trainer Leitl im Rücken spielte es sich für die Hauptstädter deutlich leichter.
Dreierkette verhilft Hertha zu mehr Stabilität
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Das neue System mit Dreierkette, das vergangene Woche gegen Schalke erstmals zur Aufführung kam und schon Ansätze von Stabilität erhoffen ließ, wirkte nun wirklich gefestigt. Kapitän Toni Leistner orchestrierte in der Dreierkette den Spielaufbau, Jonjoe Kenny und Deyovaisio Zeefuik schoben als Schienenspieler immer wieder über die Außenbahnen an und im Mittelfeld wirbelten Ibrahim Maza und Michael Cuisance auf den Halbpositionen fast wie in alten Zeiten.
„Wir hatten gute Abstände zwischen den Mannschaftsteilen“, analysierte Leitl, „und gerade in den ersten 25 Minuten hatten wir ein richtig gutes Positionsspiel mit vielen Rochaden und Tiefenbällen.“ Diese Pässe in die Tiefe des Raumes erreichten immer wieder das Sturmduo aus Fabian Reese und Derry Scherhant.
Scherhant besorgt noch vor der Pause spielentscheidenden Doppelschlag

„Derry hatte eine richtig gute Trainingswoche, und wir wollten viel Speed an der letzten Kette haben“, erklärte Leitl Scherhants Nominierung für die Startelf, die der einzige Wechsel im Vergleich zur Vorwoche gewesen war. Er zahlte sich umso mehr aus: Noch vor der Halbzeit war ebenjener Scherhant für einen Doppelschlag verantwortlich, der das Spiel entschied.
Erst vollendete er einen feinen Angriff nach Vorarbeit von Cuisance per Drehschuss (42.), dann brachte er von der linken Seite eine scharfe Hereingabe ins Zentrum, die Braunschweigs Jannis Nikolau ins eigene Tor beförderte (44.) – 3:0.
Dem zaghaften Braunschweiger Aufbegehren nach der Pause hielt Hertha stand. Der inzwischen wie entfesselt aufspielende Scherhant bediente Reese mit einem traumhaften Steilpass, mit einem feinen Chip über Torhüter Ron Thorben Hoffmann hinweg erzielte der 27-Jährige dann das 4:0 (69.).
Stefan Leitl übt sich nach seinem ersten Sieg in Zurückhaltung
Braunschweigs Lino Tempelmann befleckte Herthas gegenüber der Vorwoche stark verbessertem Keeper Tjark Ernst mit dem Ehrentreffer in der Nachspielzeit die weiße Weste (90+1.). Der eingewechselte Marten Winkler besorgte beinahe im Gegenzug den 5:1-Endstand (90+3.).
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„Es war ein Sieg mit drei Punkten, es geht weiter“, bilanzierte Leitl in größtmöglicher Zurückhaltung. Doch aus der Richtung der Berliner Kabine waren im Eintracht-Stadion da schon laute Musik und einige johlende Rufe zu hören. Zumindest ein bisschen Party erlaubten sich Leitls Spieler dann doch. Es war schließlich auch der erste Sieg seit knapp zwei Monaten – und der erste Erfolg seit dem Trainerwechsel.






