Michael Cuisance tippte sich die Finger wund. Beide Daumen flogen über das Display seines Smartphones, die frohe Kunde wollte verbreitet werden. 3:1 (0:1) gegen Eintracht Braunschweig, der zweite Heimsieg der Saison – ein erfolgreicher Freitagabend für Hertha BSC. Zumindest auf dem Papier.

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„Ich nehme diese drei Punkte“, sagte ein sichtlich angefressener Trainer Cristian Fiél. „Aber ich bin nicht zufrieden, weil wir Dinge nicht machen, die wir die ganze Woche über im Training hatten, die wir in Bildern gezeigt haben. Deshalb bin ich sauer, weil ich es nicht richtig verstehe.“
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Fans von Hertha BSC pfeifen zur Halbzeit
Vor allem die erste Hälfte war das, was den 44-Jährigen ärgerte. Ein Auftritt zum Vergessen, zu viele Ungenauigkeiten, Abstimmungsprobleme und Bälle ins Leere. Die schwächste Leistung des Berliner Fußball-Zweitligisten dieser bisherigen Saison, die eigentlich ebenso schwache Braunschweiger ausnutzten.
Nach einer Flanke von Fabio Kaufmann stand Levente Szabo in der Mitte genau richtig und netzte ein (38.). Kevin Sessa und Kapitän Toni Leistner machten die Lücke zu spät zu. Ein Tor wie eine faule Kirsche auf einer völlig derangierten Torte.
„Wir haben den Gegner in die Zweikämpfe gebracht, es hat wirklich nicht viel funktioniert“, bemängelte auch Sportdirektor Benjamin Weber. Die Fans schickten die Mannschaft mit einem Pfeifkonzert in die Kabine. An einen Erfolg glaubte nach diesen ersten desolaten 45 Minuten niemand mehr.
Braunschweig-Keeper Grill sieht Rot, Cuisance trifft
Und tatsächlich brauchte Hertha dafür auch eine ganze Menge Hilfe. Erst eine Rote Karte gegen Braunschweigs Keeper Lennart Grill, dann einen fälligen Elfmeter und wenige Minuten später noch einen zweiten Strafstoß. Siehe da, das Spiel war gedreht.
„Mit der Roten Karte hilft uns Braunschweig“, wusste auch Kevin Sessa, der sich die Arbeit auf der Sechs diesmal mit Rückkehrer Michal Karbownik (fünf Wochen Pause nach Sprunggelenkverletzung) geteilt hatte. Durch die Gelbsperre von Deyovaisio Zeefuik und dem Mangel an weiteren Linksverteidigern hatte Fiél sein System umgestellt, bei Ballbesitz auf eine Dreierkette gesetzt.
„Wir wollten damit Überzahl im Zentrum schaffen“, erklärte der Trainer. Ein Vorhaben, das in der ersten Hälfte nicht funktionierte. Im zweiten Durchgang hinfällig war, da Hertha nach dem Platzverweis für die Eintracht ohnehin mit einem Mann mehr auf dem Rasen stand.
Hertha-Torwart Ernst fühlt mit seinem Gegner
Torhüter Grill hatte in der 50. Minute versucht, einen Angriff der Berliner außerhalb seines Strafraums zu klären, verfehlte dabei den Ball und stoppte den vorbeilaufenden Cuisance mit einem beherzten Griff ans Knie. Schiedsrichter Robin Braun zeigte erst Rot und dann auf den Elfmeterpunkt.
„Es war ein dummes Foul vom Torwart“, befand Cuisance. „Wenn mein Torwart das gemacht hätte, hätte ich gesagt: Lass lieber das Tor zu und uns elf gegen elf weiterspielen.“ Hertha-Keeper Tjark Ernst gab zu: „Da fühlt man schon ein bisschen mit, es war eine extrem unglückliche Situation für ihn. Erst den Ball nicht zu treffen, und dann noch die falsche Entscheidung zu treffen und Mika von den Beinen zu holen. Ich war noch nicht in der Situation, aber ich habe mir auch schon gedacht: Was macht er da?“
In mehreren Minuten Pause, in denen Braunschweig Ersatztorhüter Marko Johansson einwechselte, wartete Cuisance geduldig am Elfmeterpunkt. Der Gefoulte selbst hatte sich sofort den Ball geschnappt – und schließlich zum Ausgleich versenkt (53.).
Auch Ibrahim Maza verwandelt vom Punkt
Eine gute Viertelstunde später stand Ibrahim Maza an genau der gleichen Stelle. Vorher hatte Braunschweigs Leon Bell Bell dem eingewechselten Florian Niederlechner unter den Fuß getreten. Wieder gab es Elfmeter, diesmal verwandelte Maza – und ließ den blau-weißen Teil der 45.457 Zuschauer im Olympiastadion endlich richtig jubeln (72.).
Dass Niederlechner selbst wenig später noch auf 3:1 erhöhte (82.), war vor allem wichtig für den Stürmer selbst. „Für mich persönlich ist es schön mit dem Tor, und auch mit dem Elfmeter, den ich rausgeholt habe“, erklärte der Joker. „Aber am Ende zählen die drei Punkte.“
Drei Punkte, die das Gerede von einer möglichen Heimschwäche (zwei Siege aus fünf Heimspielen) zumindest vorerst verstummen lassen. Und wie diese drei Punkte zustande gekommen sind, fragt am Ende der Saison auch niemand mehr.





