Fabian Reese saß mit nachdenklichem Blick auf der Tribüne, verzog den Mund zu einer Grimasse, die vermuten ließ, dass der verletzte Schlüsselspieler von Hertha BSC gerade auf etwas eher Unappetitliches gebissen hatte. Dieses 0:1 (0:1) am Samstagabend schmeckte dem Profi des Berliner Fußball-Zweitligisten genauso wenig wie seinen Teamkollegen.

Montag

Immer Hertha-Newsletter

Bestellen Sie hier den wöchentlichen Newsletter zu Hertha BSC

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Damit verpasste der Hauptstadtklub schließlich vor 68.763 Zuschauern im Olympiastadion nicht nur den vierten Pflichtspielsieg in Folge. Sondern auch den großen Sprung rein in die Aufstiegszone, auf Rang zwei oder drei. „Das war heute kein gutes Spiel von uns“, sagte Sportdirektor Benjamin Weber. „Wir hatten einen guten Start mit Karlsruhe und Heidenheim und wollte die Woche veredeln. Aber das haben wir nicht geschafft.“

Auch interessant

Hertha BSC kann Heidenheim-Leistung nicht bestätigen

Nach dem 3:1 beim KSC und der Pokalüberraschung gegen Europapokal-Teilnehmer 1. FC Heidenheim sollte der dritte Sieg innerhalb einer Woche gefeiert werden. Doch erst mal lag der Nebel der Pyroaktionen aus beiden Fanlagern wie ein dicker Schleier über dem Rasen – und drückte auf die Spielfreude in der Anfangsphase. Es war ganz offensichtlich ein Auftritt zweier Mannschaften, die unter der Woche viel Kraft darauf verwendet hatten, ins Pokal-Achtelfinale einzuziehen.

Nur die Ostkurve und der Köln-Anhang rund ums Marathontor waren mit Anpfiff in Höchstform und schufen eine Geräuschkulisse, wie man sie in dieser Saison noch nicht im Olympiastadion erlebt hat.

Antrieb gab das allerdings nicht. Von der Mannschaft, die am Mittwochabend in der ersten Hälfte gegen Heidenheim so beeindruckend umgesetzt hatte, was Trainer Cristian Fiél in Sachen Ballbesitz, Pressing und Offensivverhalten fordert, war nichts zu sehen.

Lemperle trifft nach Solo-Lauf für den 1. FC Köln

Bis zur ersten ernstzunehmenden Torchance der Berliner dauerte es fast den gesamten ersten Durchgang. Und auch da kam nur ein Kopfballversuch von Toni Leistner bei heraus, der von FC-Torhüter Marvin Schwäbe problemlos abgefangen werden konnte. Etwas brenzliger wurde es direkt im Anschluss, als Eric Martel eine Hereingabe von Derry Scherhant knapp neben den Kasten grätschte (45.).

Auch interessant

Dass es trotzdem nicht mit 0:0 in die Kabine ging, war Tim Lemperle zu verdanken. Der Kölner Flügelstürmer wurde nach einer halben Stunde durch einen Steckpass des Ex-Unioners Dominique Heintz auf die Reise Richtung Hertha-Strafraum geschickt, schüttelte zwischendurch Marton Dardai ab und vollstreckte sicher (31.).

Dabei waren auch die Gäste aus dem Rheinland offensiv nicht so zwingend, wie noch beim 3:0 am Dienstagabend im Pokal gegen Bundesligist Holstein Kiel. FC-Trainer Gerhard Struber hatte angesichts des Erfolgserlebnisses unter der Woche keine Veränderung in seiner Startelf vorgenommen. Genau wie Hertha-Coach Fiél.

Mehr zum Thema

Thorsteinsson bringt neuen Schwung

Das korrigierte der 44-Jährige dann aber nach der Pause. Kevin Sessa blieb in der Kabine, Jon Dagur Thorsteinsson kam und übernahm die rechte Seite. Ein echter Außenbahnspieler für die Seite, die in der ersten Hälfte etwas verwaist daherkam.

Und sofort war da Betrieb: Ecke Hertha, Scherhant verpasste aus freier Position, Thorsteinsson versuchte es noch per Fernschuss (47.). Wenig später dribbelte sich der Isländer in aussichtsreiche Position, traf aber nur das Außennetz (53.). Genau wie Florian Niederlechner (55.).

Eine Reihe von Chancen, die zeigten, dass Hertha verstanden hatte, dass es eine Steigerung benötigte, um aus dieser Woche, die so viel Grund zur Freude im blau-weißen Kosmos gegeben hatte, eine perfekte zu machen.

Nur noch ein fitter Innenverteidiger

Mit einem Wermutstropfen wird sie aber in jedem Fall enden. Nach einem Foul an Linton Maina sah Marton Dardai die Gelbe Karte, seine Fünfte. Der Innenverteidiger wird damit im Auswärtsspiel beim SV Darmstadt 98 fehlen. Problem: Auch hinter einem Einsatz von Toni Leistner steht ein Fragezeichen. Der Kapitän musste gegen Köln mit einem bandagierten Oberschenkel ausgewechselt werden.

Damit würde Hertha noch genau ein gesunder Innenverteidiger bleiben: Pascal Klemens. Linus Gechter (Schlüsselbeinfraktur) und John Brooks (Sprunggelenk) werden noch einige Zeit ausfallen.

Und so hielt dieser Abend für die Berliner gleich zwei Dämpfer bereit. Den drohenden Engpass in der Abwehr. Und die Niederlage gegen Köln, die in der nur fast perfekten Woche einen faden Nachgeschmack hinterließ.  

Mehr über Hertha BSC lesen Sie hier.