Das große Ziel dröhnte durchs Olympiastadion. „Pokalfinale, Pokalfinale! Wir träumen jedes Jahr vom Pokalfinale“, sang die Ostkurve lautstark. Davor hüpften die Profis von Hertha BSC auf und ab, feierten am Mittwochabend ein 2:1 (1:0) gegen den Fußball-Bundesligisten 1. FC Heidenheim – und damit den Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals.

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„Die Mannschaft hat eine großartige Leistung gezeigt. Wir freuen uns“, erklärte Trainer Cristian Fiél. „Für mich sind wir heute verdient eine Runde weitergekommen.“ Warum der 44-Jährige das noch einmal herausstellen musste?
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44.135 Zuschauer zwischen Fassungslosigkeit und Ekstase
Weil das Weiterkommen ein äußerst dramatisches war. Nach der besten Saisonleistung, mit Dominanz, Leidenschaft und Spielstärke, kassierten die Berliner spät den Anschlusstreffer (89.). Und schließlich auch noch den vermeintlichen Ausgleich (90.+5).
Vorausgegangen war aber eine Szene, die die Gemüter aller Beteiligten und der 44.135 Zuschauer im Olympiastadion erhitzte. Auf Fassungslosigkeit der Blau-Weißen folgte erst Verwirrung und dann der ganz große Jubel. Was war passiert?
Paul Wanner hatte den Ball ins Tor geköpft und Ekstase auf Heidenheimer Seite ausgelöst. Doch Sekunden später stand Schiedsrichter Robert Kampka bei seinem Linienrichter – und nahm den Treffer nach kurzer Besprechung wieder zurück. Die Entscheidung blieb undurchsichtig, auch lange nach der Partie.
Unklare Beurteilung der Situation vor dem Ausgleich
„Eigentlich dürften wir alle nicht hier sitzen, sondern müssten im Stadion sein, in der Verlängerung“, polterte Heidenheim-Coach Frank Schmidt auf der Pressekonferenz nach Schlusspfiff. „Wir machen das 2:2 und dann fällt dem Linienrichter auf einmal auf, dass im Sechzehner ein Stoßer oder Schubser dabei war. Wenn das so war, dann muss ich in dem Moment als Linienrichter die Courage haben, das auch anzuzeigen, dass da ein Foul war. Und nicht danach.“

Aller Wahrscheinlichkeit nach ging es um eine Szene zwischen Marton Dardai und Stefan Schimmer, aus der der Berliner als Verlierer hervorging. Einig war sich nach der Partie aber niemand.
„Ich muss 34 werden, damit man jede Woche nochmal etwas Neues sieht“, reihte sich Hertha-Stürmer Florian Niederlechner in die Riege der Ahnungslosen ein. „Sowas habe ich auch noch nicht gesehen.“
Hertha-Trainer Fiél kann Heidenheims Unmut verstehen
Heidenheim-Trainer Schmidt war jedenfalls bedient. „Das war wie im Stile des VAR, nur war es heute menschlich“, so der 50-Jährige. Eben auch, weil der Videoassistent in der zweiten Pokalrunde nicht eingesetzt wird. „Da ist ein Fehler passiert, das kann ich nicht akzeptieren.“
Hertha-Coach Fiél konnte den Unmut seines Kollegen verstehen. „Ich wäre auch sehr aufgebracht“, so der Spanier. „Aber für mich sind wir heute verdient eine Runde weitergekommen.“ Und das war – im Gegensatz zur intransparenten Schlusssequenz des Spiels – Fakt.
Weil Hertha eine bärenstarke Leistung zeigte. Vor allem in den ersten 45 Minuten. „Wir haben in der ersten Halbzeit ein herausragendes Spiel gemacht“, erklärte Stürmer Niederlechner. „Wir haben dem Gegner nicht den Hauch einer Chance gelassen.“
Maza trotz Knieprellung in der Startelf, Scherhant trifft
Die logische Konsequenz der blau-weißen Überlegenheit: das 1:0. Eingeleitet von Niederlechner, der Jonjoe Kenny auf der rechten Seite sah, landete der Ball im Strafraum bei Ibrahim Maza, der es trotz Knieprellung beim 3:1 in Karlsruhe in die Startelf geschafft hatte.
„Ich habe kaum noch was vom Knie gemerkt, ich war zu fokussiert. Das war auch das Adrenalin vom Spiel“, so der Youngster, der den Ball in die Mitte legte, ins Getümmel, aus dem sich Derry Scherhant löste und einnetzte (16.). Der 21-Jährige hatte schon in Rostock in der ersten Pokalrunde den Torreigen eröffnet.
Während die Berliner im Nieselregen jubelten, dauerte es nicht lang, bis sich Trainer Fiél an der Seitenlinie die dicke Winterjacke auszog. Bei dem Tempo, das seine Mannschaft vorlegte, kam selbst der Chefcoach ins Schwitzen.
Klassenunterschied ist nicht erkennbar
Ein Klassenunterschied war nicht zu erkennen. Und so musste sich Hertha nach 45 Minuten nur eine Sache vorwerfen lassen: nicht höher zu führen. Doch das holten die Hausherren in der zweiten Hälfte nach.
Der eingewechselte Luca Schuler erkämpfte sich im Mittelfeld den Ball, machte den Weg nach vorn und legte ab auf Michael Cuisance. Der Franzose dribbelte sich durch den Strafraum der Gäste und zog ab – 2:0 (74.).
„Es war ein super Tor, aber ich bin vor allem für die Mannschaft zufrieden“, freute sich der Franzose, der wieder Richtung Eckfahne rannte, um diesen immens wichtigen Treffer zu bejubeln.
Achtelfinal-Auslosung am Sonntag in der Sportschau
Denn der Anschlusstreffer durch Schimmer (89.) gab den Gästen aus Baden-Württemberg noch einmal ordentlich Auftrieb. Bis in die dramatischen Schlusssekunden.
Zu magischen Nächten im DFB-Pokal haben sie bei Hertha also offenbar eine besondere Beziehung. Spätestens seit vergangener Saison, als die Berliner den Hamburger SV mit 5:3 im Elfmeterschießen besiegten und ins Viertelfinale einzogen.
Auch damals hatten sie es vor diesem irren Spiel mit einem Bundesligisten in der zweiten Runde aufnehmen müssen. 2023 flog der FSV Mainz 05 in der Hauptstadt aus dem Pokal. Jetzt wurde dieses Schicksal dem 1. FC Heidenheim zuteil. Damit ist Hertha dabei, wenn am Sonntag in der ARD-Sportschau das Achtelfinale ausgelost wird. Gespielt wird am 3. und 4. Dezember.





