Mannschaftsarzt Moritz Schleicher war ein gefragter Mann. Nach Abpfiff versammelten sich gleich mehrere Profis bei dem Mediziner von Hertha BSC, um zu erfragen, wie es Linus Gechter geht. Der Innenverteidiger des Berliner Fußball-Zweitligisten hatte sich in der ersten Hälfte des Duells mit Fortuna Düsseldorf so schwer verletzt, dass er direkt ins Krankenhaus gebracht werden musste.

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„Es ist unfassbar bitter“, erklärte Trainer Cristian Fiél. „Mein Gefühl ist, dass das ein bisschen länger dauern könnte.“ Gechters Teamkollegen wirkten ebenfalls geschockt. „Es sah echt übel aus“, sagte Diego Demme. „Ich hoffe, dass es nicht allzu schlimm ist.“ Eine Diagnose stand am Sonntagnachmittag noch aus. Der Verdacht: eine schwere Schulterverletzung.
Minutenlange Behandlung auf dem Rasen und neben dem Platz
Was war passiert? In der 28. Minute ging der Innenverteidiger in einen Luftzweikampf, wurde dabei unglücklich von Teamkollege Deyovaisio Zeefuik angerempelt und landete unsanft auf dem Rasen, hielt sich sofort mit schmerzverzerrtem Gesicht die Schulter.
Sieben Minuten lang musste der 20-Jährige auf dem Rasen behandelt werden, wurde schließlich mit einer Trage vom Platz gebracht. Für ihn kam Kapitän Toni Leistner ins Spiel. „Toni hat auch nicht lang gebraucht, um im Spiel zu sein“, sagte Chefcoach Fiél.
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Auf der Laufbahn kümmerten sich währenddessen Sanitäter um Gechter, Ordner hielten Decken zum Sichtschutz hoch. Erst nach einer weiteren, minutenlangen Behandlung war der Abwehrspieler transportfähig, wurde mit einer Rolltrage aus dem Stadion gebracht – unter dem Applaus aller anwesenden 50.135 Zuschauer.
Düsseldorfer Defensive steht stabil
Sich danach wieder auf den Fußball zu konzentrieren, war sichtlich schwierig. „Mein Gefühl war, dass die Jungs trotzdem versucht haben, weiterzumachen“, erklärte Fiél. Doch vieles bleib Stückwerk – gegen eine Düsseldorfer Defensive, die eindrucksvoll zeigte, warum sie in dieser Saison bislang nur ein Gegentor kassiert hat.
Und so erwischten die Berliner auch sportlich einen gebrauchten Tag. Statt des dritten Erfolgs in Serie – was es zuletzt im September 2019 gab – setzte es die zweite Niederlage der Saison. Ein Dämpfer für die gute Stimmung. „Erst mal sind wir jetzt alle down. Aber nächste Woche können wir es in Nürnberg besser machen. Wir sind auf dem richtigen Weg“, war sich Demme trotz des 0:2 sicher.
Tabellenführer Düsseldorf war gleich mit der ersten Chance in Führung gegangen. Dawid Kownacki beförderte den Ball nach einem Freistoß vorbei an Tjark Ernst in Tor – Marton Dardai hüpfte unter der Hereingabe durch, Zeefuik kam zu spät dazu (13. Minute).
Schiedsrichter Bacher mit unglücklichem Auftritt
Ein Wirkungstreffer für die Berliner, die danach ihre Linie verloren. Erschwert durch Schiedsrichter Michael Bacher, der mit seiner teils abenteuerlichen Zweikampfbewertung den Spielfluss maßgeblich störte.
So auch in der 67. Minute, als der Referee ein Foul im Mittelfeld gesehen haben wollte und auf Freistoß für Düsseldorf entschied. Der Ball flog in den Strafraum, Jonjoe Kenny klärte, wurde dabei aber von Fortuna-Torschütze Kownacki gestört. Jona Niemiec war der Nutznießer und netzte ein. 0:2 (67.)! Der VAR hatte nichts zu beanstanden – trotz Berliner Protesten.
„Wir haben gar kein so schlechtes Spiel gemacht“, befand Demme. „Das alte Problem: die Standards. Wir haben wenige Lösungen gefunden im letzten Drittel, so wurde es schwer. Jetzt stehen wir mit null Punkten da.“
Trainer Fiél fehlt der Glaube und die Intensität
Hertha versuchte es in der Endphase noch mal mit dem eingewechselten Jon Dagur Thorsteinsson und Ibrahim Maza (beide 77.), auch Luca Schuler hatte noch eine Chance (90.+1). Doch sie alle scheiterten an Fortuna-Keeper Florian Kastenmeier, der eine bärenstarke Leistung zeigte.
„Mir hat die Intensität, der Wille, der Glaube daran gefehlt, dass wir das noch drehen können“, monierte Trainer Fiél. „Trotzdem habe ich viele Dinge gesehen, die uns in den nächsten Wochen helfen werden, wieder Spiele zu gewinnen.“
Hertha BSC ist in der Wahrnehmung ein Stolperstein
Weltuntergangsstimmung wollte an diesem Sonntagnachmittag niemand rund ums Olympiastadion aufkommen lassen. Dazu waren die Eindrücke, die die Mannschaft in den vergangenen Wochen hinterlassen hatte, zu vielversprechend. Das war selbst am Niederrhein angekommen.
„Ich habe gesehen, dass hier auch etwas wächst“, sagte Fortuna-Coach Daniel Thioune. „Ich bin froh, dass wir diesen Stolperstein gemeistert haben.“ Dass Hertha mittlerweile als ein solcher wahrgenommen wird, ist ein kleiner Erfolg dieses ansonsten so misslungenen Spieltags.





