In den vergangenen Tagen ist viel geschrieben worden. Nicht nur über Hertha BSC, vor allem bei Hertha BSC. Auf der Geschäftsstelle, vor der Trauerstätte am Osttor, im Digitalen. Überall gibt es Kondolenzbücher, in die sich Fans eintragen und mit einem letzten Gruß des am Dienstag überraschend gestorbenen Präsidenten Kay Bernstein gedenken können. Am Wochenende warten weitere Seiten darauf, beschrieben zu werden.
Der Rückenrunden-Auftakt am Sonntag gegen Fortuna Düsseldorf (13.30 Uhr, Sky) soll zu einer riesigen Gedenkveranstaltung werden, für die sich unter anderem wichtige Persönlichkeiten aus der Berliner Politik und Wirtschaft sowie Bernd Neuendorf, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, angesagt haben. „Es wird ein Spieltag sein, der Kays Gedenken würdig ist“, sagt Herthas kommissarischer Präsident Fabian Drescher.
In der Kapelle des Olympiastadions wird eine Andacht abgehalten. Dafür, wie für das Spiel an sich, wird ein hoher Zuschauerandrang erwartet. Vielen Fans ist es ein Bedürfnis, an diesem besonderen Tag vor Ort zu sein, um Abschied von einem der ihren zu nehmen.
Trauermarsch, Schweigeminute und eine spezielle Choreografie
Bernstein hatte lange selbst in der Ostkurve gestanden, in den 1990er-Jahren war er zum ersten Mal dort aufgetaucht. Später hatte er an der Gründung der Ultragruppe „Harlekins“ mitgewirkt, die am Sonntag (10 Uhr) zu einem Trauermarsch vom Theodor-Heuss-Platz zum Olympiastadion aufruft. Dass es in der Kurve spezielle Choreografien zu seinen Ehren geben wird, gilt als selbstverständlich. Man stehe mit der organisierten Fanszene diesbezüglich in Kontakt, sagt Vereinssprecherin Vera Krings.
Trauerflor, Schweigeminute, alles selbstverständlich. Eine Absage stand trotz der speziellen Umstände nicht wirklich im Raum. „Wir haben um 13.30 Uhr ein Spiel, das hätte Kay auch gewollt“, sagt Geschäftsführer Thomas Herrich, der sicher ist: „Es wird hochemotional werden.“ Herrich und Drescher wandten sich am Freitag im Rahmen eines vereinsinternen Interviews an die Öffentlichkeit, in dem sie zu den Themen rund um Bernsteins Tod Stellung nahmen.
Für Hertha sind die ersten Wochen sportlich richtungsweisend
Für alle Menschen, die dem Klub nahe stehen, waren die vergangenen Tage sehr emotional. An einen geregelten Betrieb ist nicht zu denken, seit am Dienstagmorgen die Nachricht vom plötzlichen Tod des 43 Jahre alten Präsidenten die Flure der Geschäftsstelle erreichte.
Am Mittwoch gab es eine Mitarbeiterversammlung, dort sprachen Drescher und Herrich zu den Angestellten. Sie versuchten Worte zu finden, wo es eigentlich keine Worte gibt. „Das lässt einen sprachlos zurück. So geht es allen“, sagt Herrich. Die geplante Sitzung des Präsidiums am Donnerstag fand zwar statt, wurde inhaltlich „aber komplett über den Haufen geworfen“, wie Drescher sagt. „Uns war einfach wichtig, gemeinsam zusammen zu trauern“, so Drescher.
Von Business as usual ist man bei Hertha BSC weit entfernt, aber auch nach einem „der größten Schicksale der jüngeren Vereinsgeschichte“ (Herrich) muss der Betrieb weiterlaufen. Sportlich sind die ersten Wochen gleich richtungsweisend. Hertha startet mit lediglich sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsrang in die Rückrunde, ein Sieg gegen den direkten Konkurrenten Fortuna Düsseldorf würde die Ambitionen untermauern.
Hertha BSC sieht „Berliner Weg“ als Auftrag
Am Monatsende steht dann das Viertelfinale im DFB-Pokal gegen Kaiserslautern an (31. Januar, 20.45 Uhr), ein Spiel, auf das sich Bernstein sehr gefreut hatte. Versuchte Hertha seit vielen Jahrzehnten doch immer vergeblich, in diesem Wettbewerb weit zu kommen, um dann ein Endspiel vor heimischer Kulisse erleben zu dürfen.
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Was das Kerngeschäft Sport angeht, befindet sich Hertha auf einem guten Weg. In allen anderen Bereichen soll der von Bernstein initiierte „Berliner Weg“ weitergeführt werden. Das heißt, den Verein aus sich heraus gesunden zu lassen. Auf eigene Talente setzen, wirtschaftliche Konsolidierung, langsames, aber nachhaltiges Wachstum. Also das Gegenteil von allem, was zu Zeiten des Investors Lars Windhorst gelebt wurde.
„Der Berliner Weg, den Kay auserkoren hat, ist kein Vermächtnis. Er ist ein Auftrag für uns, den wir mit aller Konsequenz weitergehen“, sagt Herrich. Laut Drescher stehe das Präsidium geschlossen hinter diesem Weg. Er wird als gewählter Vize von Bernstein den Verein bis zu den turnusmäßigen Wahlen im Herbst führen. Laut Satzung ist das Präsidium mit derzeit sieben Mitgliedern handlungs- und beschlussfähig, sodass keine vorgezogene Neuwahl notwendig ist.


