Hertha

Warum Preetz "ein bisschen auf der Bremse" stehen muss

Hertha-Manager Michael Preetz spricht im Trainingslager über die schwierige Balance zwischen großen Zielen und realistischer Umsetzung.

Hertha-Manager Michael Preetz (l.) und Klub-Präsident Werner Gegenbauer.

Hertha-Manager Michael Preetz (l.) und Klub-Präsident Werner Gegenbauer.

Foto: Soeren Stache / picture alliance/dpa

Orlando. Große Ziele ja, aber mit Augenmaß: Hertha-Manager Michael Preetz will die mutigen Visionen, die Investor Lars Windhorst und Trainer Jürgen Klinsmann formulieren, in einen realistischen Rahmen einbetten. „Große Ambitionen zu formulieren ist völlig in Ordnung“, sagte Preetz am Donnerstag im Trainingslager in Orlando/Florida, „aber meine Aufgabe ist es vielleicht, hier und da ein bisschen auf der Bremse zu stehen. Das muss man sich aber nicht so vorstellen, dass wir nicht gemeinsam in die gleiche Richtung rudern“, betonte der 52-Jährige.

Seit seinem Amtsantritt als Trainer Ende November hatte vor allem Klinsmann die öffentliche Wahrnehmung des Hauptstadtklubs geprägt und dabei zeitweise das Gefühl vermittelt, der Durchmarsch in die Champions League sei nach dem 224-Millionen-Euro-Einstieg von Investor Lars Windhorst und seiner Tennor Holding ein Selbstläufer. Der Geldgeber selbst hatte ebenfalls medienwirksam von der Königsklasse gesprochen, seine Formulierung vom künftigen „Big City Club“ hielt auf Anhieb Einzug in das deutsche Fußball-Vokabular.

Herthas Manager kündigt weitere Verstärkungen an

Preetz ist indes bemüht, die Verhältnismäßigkeit zu wahren. „Niemand wehrt sich dagegen, maximalen Erfolg in kürzester Zeit hinzubekommen“, sagte er, mit Windhorst sei „aber besprochen - und das hat er auch verstanden -, dass der Weg zum Ziel durchaus ein wenig Zeit brauchen wird.“ Der Manager stellte klar: „Lars Windhorst spricht für Tennor und sein Investment, wir sprechen nach wie vor für Hertha BSC. Wir sprechen aber miteinander – da gibt es überhaupt keinen Dissens.“

Der neue Kurs ist jedenfalls gesetzt. Klinsmann hat das Team stabilisiert, Preetz hat mit Santiago Ascacibar einen vielversprechenden Zugang verpflichtet. Abgeschlossen ist die Personalplanung damit nicht. „Wir sehen noch Bedarf, uns zu verstärken“, sagte Preetz.

Spielmacher Ondrej Duda wird verliehen

Ein Selbstgänger sei die Verpflichtung hochkarätiger Spieler allerdings nicht, daran ändere auch die neue Finanzkraft nichts. „Es macht viel Freude, sich mit diesen Personalien intensiv auseinandersetzen zu können“, sagte Preetz, „aber am Ende muss es auch gelingen, dass sie bei Hertha BSC spielen – zu den Bedingungen, die bei uns möglich sind. Ich kann versichern, dass wir die Aspekte der Wirtschaftlichkeit nicht außer Acht lassen werden.“

Während der Kauf von Arsenal-Star Granit Xhaka in immer weitere Ferne rückt, steht ein prominenter Abgang unmittelbar bevor. Spielmacher Ondrej Duda (25), im Vorjahr bester Berliner Scorer, soll bis Saisonende an Premier-League-Klub Norwich City verliehen werden.

Trainer-Suche als größte Herausforderung

Noch spannender als Herthas Aktivitäten auf dem Transfermarkt sind die veränderten Kräfteverhältnisse im Klub. Zuletzt hatte nicht der Manager, sondern Trainer Klinsmann über Herthas strategische Ausrichtung gesprochen. „Die Vorgaben machen wir“, betonte Preetz nun, „nicht, dass es da Missverständnisse gibt. Wir können über Champions League und Europa League sprechen, aber was, wenn wir nächstes Jahr nicht in Europa sind? Schließen wir dann den Verein ab?“ Herthas Wachstum müsse idealerweise nachhaltig verlaufen, sagte der Manager.

Die Struktur bei Hertha habe sich nicht verändert, so Preetz. Die Verantwortung tragen nach wie vor die Geschäftsführung aus ihm und Finanz-Chef Ingo Schiller. Nach außen sei jedoch Trainer Klinsmann das Gesicht des Klubs, „das hätten wir mit ihm nicht besser besetzen können. Er ist mit einer extremen Strahlkraft ausgestattet, davon wollen wir natürlich profitieren.“

Aufmerksamkeit ist Hertha unter Klinsmann gewiss, doch im Sommer will der Trainer zurück in den Aufsichtsrat der KGaA wechseln. Preetz‘ größte Herausforderung wird es sein, einen geeigneten Nachfolger zu finden, der das Hertha-Projekt weiter voranbringt. Um bereits jetzt Tatsachen für den Sommer zu schaffen, sei es aber noch zu früh, meinte Preetz: „Wir müssen erst mal eine Situation schaffen, in der der neue Trainer weiß, was er übernimmt.“

Kommt Bewegung in die Stadion-Frage?

Im Hintergrund brodelt zudem der Wunsch nach einer eigenen Fußball-Arena. Nachdem die Diskussion mit dem Berliner Senat seit drei Jahren stockt, hofft Preetz auf einen Durchbruch. „Wir sind auf der Zeitschiene in einem Jahr, in dem sich etwas entscheidend verändern muss“, sagte er, „und wir haben den Eindruck, dass einige Dinge ein bisschen in Bewegung gekommen sind – vielleicht auch durch unsere neue Situation.“

Eins ist klar: Bei derart vielen Baustellen wird es mit Hertha nicht langweilig werden. „Wir müssen zwei Dinge miteinander in Einklang kriegen“, sagte Preetz, „ambitionierte Ziele und eine Abstiegskampf-Situation. Wenn wir das schaffen und dann noch die Stadionfrage lösen, könnte 2020 ein richtig gutes Jahr werden für Hertha.“

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