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Dilrosun ist Herthas neuer Unruhestifter

Trainer Dardai traut Zugang Javeiro Dilrosun eine ähnliche Entwicklung wie Mitchell Weiser zu – im Positiven.

Ab Sommer will Javier Dilrosun im Olympiastadion auflaufen. Dem Vernehmen nach hat er bei Hertha einen Vierjahresvertrag unterschrieben

Ab Sommer will Javier Dilrosun im Olympiastadion auflaufen. Dem Vernehmen nach hat er bei Hertha einen Vierjahresvertrag unterschrieben

Foto: Marco Leipold / City-Press GbR

Berlin.  Pal Dardai ist nicht für große Schwärmereien bekannt. Wenn es angebracht ist, verteilt Herthas Cheftrainer zwar bereitwillig Lob, doch euphorisch wird er dabei fast nie. Spielt seine Mannschaft gut? Darf sie nur nicht nachlassen! Erwischt einer seiner Profis einen perfekten Tag? Muss er seine Leistung gefälligst bestätigen! Und schlägt ein neues Talent beim Berliner Bundesligisten auf, darf man bitte nicht zu viel erwarten.

Umso hellhöriger konnte man werden, als der Ungar vor dem Spiel bei Hannover 96 (Sonnabend, 15.30 Uhr) über seinen ersten Zugang für die kommende Saison sprach. Jener hört auf den Namen Javairo Dilrosun, ist 19 Jahre alt, niederländischer Flügel- und U20-Nationalspieler und kommt ablösefrei aus dem Nachwuchs von Manchester City.

„Er hat alles, was man sich als Trainer wünscht“, setzte Dardai an, nachdem Dilrosun am Donnerstag offiziell begrüßt worden war: „Er ist stark im Eins-gegen-eins, laufbereit, hat gute Standards und einen guten Schuss. Er ist ein Riesentalent mit riesigem Potenzial. Wenn wir mit ihm gut umgehen, kann er ein wunderschöner Charakterspieler sein, den wir bislang nicht haben. Die Fans werden viel Spaß mit ihm haben.“ Eine Lob-Salve, die es in sich hatte – und die Erwartungen nicht gerade dämpft. Dabei kommt Dilrosun aus der vierten englischen Liga.

Nun darf man sich bei aller Begeisterung fragen, wie ein derart talentierter Spieler den Weg zu Hertha BSC findet und nicht etwa beim angeblich interessierten BVB anheuert, so wie es der Engländer Jadon Sancho (18) getan hat, der ebenfalls aus der ManCity-Jugend kam. „Wie nah und fern er sich mit anderen Klubs war, wissen wir nicht“, sagt Michael Preetz. Sicher ist sich Herthas Manager dafür, wenn es darum geht, was Berlin für Dilrosun so attraktiv macht. „Als junger Spieler ist es schwierig, auf Einsätze zu kommen“, sagt er. „Für ihn geht es darum, Profi-Erfahrung zu sammeln.“ Hertha gilt dafür inzwischen als gute Adresse. Generell, weil Dardai sich einen Ruf als Talentförderer erarbeitet hat; und im Speziellen, weil Dilrosun jene Qualitäten mitbringt, die sich der Trainer sehnlichst wünscht: die Technik und den Mut zum Solo, zu jener Einzelaktion, die den Berlinern im letzten Spielfelddrittel Türen öffnen, wo sie bislang meist gegen Wände rennen.

Berater klagt über zu wenig Spielzeit für Torunarigha

Geht es nach Dardai, hat Dilrosun im Positiven das Zeug zum nächsten Mitchell Weiser. Zur Erinnerung: Der U21-Europameister kam 2015 ohne große Profi-Erfahrung ablösefrei vom FC Bayern, glänzte in Berlin mit Kreativität und Chuzpe, spielte sich zwischenzeitlich gar in den Dunstkreis des Nationalmannschaft. Nun, nach einer Reihe lustloser Auftritte, kam es jedoch zum Zerwürfnis mit dem Trainer. Weiser wird Berlin verlassen. Der dribbelstarke Dilrosun hingegen soll nur für Herthas Gegner zum Unruhestifter werden. „Er ist ein richtig guter Charakter“, sagt Dardai, einer, der „unbedingt will“.

Mit seinem Willen ist Dilrosun bei Hertha allerdings nicht allein. Auch Eigengewächs Jordan Torunarigha (20) fällt derzeit durch enormen Ehrgeiz auf, wenngleich nicht nur positiv. Schon am vergangenen Wochenende hatte sich der Innenverteidiger via Instagram über seine Nichtberücksichtigung beschwert. Trotz eines klärenden Gesprächs legte sein Berater nun via „Bild“-Zeitung nach. Sein Schützling sei kein Ersatzmann mehr, er brauche statt 15 eher 25 bis 30 Profi-Einsätze pro Saison, die Situation müsse sich ändern. „Das überrascht mich nicht“, sagte Preetz gefasst, im Lager des Verteidigers seien „alle sehr mitteilsam“. Für die Presse sicher ein gefundenes Fressen, für Hertha hingegen „nicht so schön“. Weil so jene Unruhe entsteht, die die Verantwortlichen nicht haben wollen.

Ob Dilrosun von alldem etwas mitbekommen hat? Vermutlich wird es ihn nicht sonderlich interessiert haben. Die Überschneidung der Ereignisse ist trotzdem bemerkenswert, schließlich verfolgen beide Spieler das gleiche Ziel: sich als Profi zu etablieren. Torunari­gha ist dabei schon ein Stück weiter, hat mittlerweile 22 Einsätze vorzuweisen. Trotzdem fühlt er sich nicht mehr ausreichend gefördert, weil er hinter Karim Rekik und Niklas Stark nur zweite Wahl ist. Auch Dilrosun wird sich der Konkurrenz stellen müssen, zu der unter anderem Salomon Kalou zählt, Herthas bester Torschütze. Er wird Geduld brauchen, genauso wie Torunari­gha. Preetz sagt: „Ich habe noch keinen Spieler gesehen, der sich über die Medien in die Startelf gequatscht hat.“

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