Pal Dardai nahm den Mann des Spiels gleich beiseite. Er wisse aus seiner Erfahrung in Ungarn, wie das ist: „Wenn man ein Tor geschossen hat, geht man in der nächsten Woche bis Donnerstag mit stolzer Brust durch die Stadt, alle klopfen dir auf die Schultern.“ Ansprechpartner des Trainers von Hertha BSC war ein Österreicher. Valentino Lazaro hatte mit dem 1:0 gegen Bayer Leverkusen nicht nur sein erstes Tor erzielt.
Kaum zu glauben, aber wahr: Seit 1963 spielt Hertha erstklassig – Lazaro erzielte das erste Bundesliga-Tor eines Österreichers für Hertha. Eines, das die Weichen stellte für den ersten Sieg der Berliner im Jahr 2018. Weil auch Salomon Kalou seine einzige Chance eiskalt nutzte, gewann Hertha in Leverkusen mit 2:0.
Lob von Manager Michael Preetz
„In Deutschland ist das anders. Es wird erwartet, dass du triffst. Und ab dem nächsten Tag wird erwartet, dass du dich aufs nächste Spiel vorbereitest“, beendete Dardai seinen Einführungskurs Bundesliga. Lazaro grinste. Er hatte verstanden – und ist ohnehin kein Typ, der viel Aufhebens um sich macht: „Vor dem Tor geht alles viel zu schnell, um groß nachzudenken, ich habe den Ball einfach reingemacht.“
Lazaro bestätigte eine Entwicklung, die sich seit vergangenem Herbst abgezeichnet hat. Anders etwa als Ondrej Duda, der von Legia Warschau kommend und durch Verletzungen gehandicapt bis heute nicht recht in der Bundesliga angekommen ist, hat sich Lazaro rasch eingefunden. „Tino hat sich schnell an die neue Liga gewöhnt“, lobt Manager Michael Preetz. „Er ist seit Wochen ein Aktivposten. Mit dem Tor in Leverkusen bestätigt er seine gute Entwicklung.“
Hertha profitiert von der guten Ausbildung in Salzburg
Lazaro, und nun Hertha, profitieren von der guten Ausbildung, die der schnelle Offensivmann bei RB Salzburg erhalten hat. Sechs Jahre, von seinem 15. Lebensjahr an, durchlief er die Jugendmannschaften bis hin zu den Profis. Obwohl er mit 21 Jahren jung ist, bringt Lazaro das Selbstverständnis von der Gier auf Titel mit. Fünf Meisterschaften hat er mit Salzburg geholt, fünfmal den Pokal gewonnen. Seit 2014 gehört er zur österreichischen Nationalmannschaft (elf Länderspiele).
„Wir sind sehr zufrieden mit Tino“, sagt Trainer Dardai. Dass er schnell ist und variabel einsetzbar, wussten die Hertha-Scouts vorher. „Deshalb haben wir ihn geholt.“ In Leverkusen spielt Lazaro im Wechsel mit Kalou im zentralen Mittelfeld oder auf der linken Außenbahn. Und just, als der schnelle Lazaro erstmal auf die linke Seite wechselte, entwischte er seinem Gegenspieler und schob den Ball vorbei an Bayer-Torwart Bernd Leno ins lange Eck. „Das haben wir vorher so abgesprochen“, erzählt Dardai. Die beiden Spieler entscheiden selbst, wann und wielange sie ihre Position wechseln.
Kalou jagt Pantelic
Kalou, der mit neun Saison-Toren der derzeit treffsicherste Herthaner ist, beschreibt Lazaro so: „Tino arbeitet gut für das Team. Er war schon in den letzten Spielen sehr stark. Ich freue mich für ihn.“ Über seine eigenen Qualität – Kalou ist der Spieler der Liga der die wenigsten Gelegenheiten für ein Tor benötigt – sagte der Ivorer: „Ich weiß, dass ich nicht viele Chancen bekommen. Wenn sie kommt, muss man halt da sein.“
Kalou liegt mit 36 Bundesliga-Treffern für die Blau-Weißen in der Hertha-Torjägerliste mittlerweile auf Rang sechs vor Karlheinz Granitza und Erwin Hermandung (beide 34). Auf Platz fünf rangiert Marco Pantelic (45).
Hertha zahlte gut fünf Millionen Ablöse
Für die Zukunft verspricht sich der Trainer einiges von Lazaro. Gut fünf Millionen Euro Ablöse hat Hertha nach Salzburg überwiesen, dessen Vertrag in Berlin läuft bis 2021. „Das wichtigste für Tino ist, dass er gesund bleibt“, sagt Dardai. Trainer und Manager, in den 1990igern und 2000ern aktiv, wissen, dass sich die Zeiten geändert haben. „Die Trainingsvor- und nachbereitung mit speziellem Krafttraining, Gymnastik und Stretching ist heute viel wichtiger und intensiver als zu meiner aktiven Zeit“, sagt Preetz. „Auch wenn es Zeit kostet, ist das besonders für junge Spieler wichtig wie Tino oder Mitchel Weiser. Und heute muss man das seine gesamte Karriere durchziehen.“
Hertha ist mit 30 Punkten Elfter. Von ehrgeizigen Zielen will Trainer Dardai trotz des siebten Saisonsieges nichts wissen: „Warten wir die nächsten drei Spiele ab. Dann können wir sagen, wo es hingeht.“ Hertha will am Freitag unbedingt gegen Mainz gewinnen (Olympiastadion, 20.30 Uhr). Dann folgen zwei Auswärtspartien beim FC Bayern (24. Februar) und auf Schalke (3. März).





